Jugendarbeit in Lörrach: Grüne diskutieren Jugendbeteiligung

Die Open Bridge unter der Autobahnbrücke der A 98 bietet Graffiti-Künstlern ein Forum. (Archivfoto)
Gabriele HaugerEin idealer Ort für ein Gespräch mit Jugendlichen: Die Gemeinderatsfraktion der Grünen traf Vertreter des Jugendrats in der aktuellen Ausstellung im Dreiländermuseum, die Graffiti, Street Art und Murals aus dem Dreiländereck zeigt.
Gemeinderätin Elisabeth Weiß-Sinn war laut Mitteilung der Grünen-Fraktion Mitbegründerin und von 2006 bis 2008 Vorsitzende des Jugendparlaments. Damals trugen Sprayer aus dem Lörracher Umfeld den Wunsch nach legalen Flächen erstmals an das Gremium heran. Die nachfolgende Jupa-Generation trieb das Projekt anschließend mit Unterstützung des SAK und der Stadt voran.
Die Open Bridge und ihre wechselvollen Anfänge
Im Juli 2010 wurden die Free Walls an den Pfeilern der A 98 im Grütt eingeweiht — ein Projekt, für das es Stehvermögen brauchte, wie Weiß-Sinn ausführte. Die Open Bridge, die in der Ausstellung mit Fotos von Martin Schulte-Kellinghaus eine zentrale Rolle spielt, sei bis heute einer der bemerkenswertesten Erfolge der Lörracher Jugendbeteiligung und eine bundesweit einmalige Freiluftgalerie. „Das ist auch Teil des demokratischen Prozesses. Wenn ein Projekt in der Stadt verankert ist, ist es für alle da. Dann erinnert sich kaum jemand mehr an die Vorgeschichte – und das ist nicht schlimm: Bei solchen Initiativen darf man keine Eitelkeit haben“, wird Weiß-Sinn in der Mitteilung zum Gespräch mit Eos Griesinger, Greta Lindel und Mia Chausset vom Jugendrat zitiert.
Beiräte, gerade Jugendgremien, hätten den Auftrag, mit anderem Blick zu schauen und die Stadt so lebenswerter zu machen. Die Free Walls seien dafür ein perfektes Lehrstück. Das Dreiländermuseum hatte den Ursprung der Open Bridge in einer Jugendinitiative bereits bei den Eröffnungsreden zur aktuellen Ausstellung gewürdigt. Museumsleiter Jan Merk signalisierte großes Interesse, mit dem Jugendrat auch über mögliche gemeinsame Ideen ins Gespräch zu kommen.
Beim Treffen im Museum ging es aber auch darum, wo der Jugendrat im Moment mit seiner Arbeit steht und wie die Perspektiven sind. Die drei Vertreterinnen sagten, es stünden derzeit alle im Abitur, danach werden viele die Stadt verlassen. Es sei schwer, junge Leute zu finden, die die Arbeit übernehmen wollen, obwohl das Gremium unter anderem mit Schulbesuchen um Kandidaten werbe. Es mangle nicht an Projekten und Ideen – aber an Jugendlichen aus möglichst allen Schularten, die Verantwortung übernehmen wollen. Ideal wäre es, sagte Griesinger, wenn auch Jüngere mitarbeiten würden.
Jugendrat stößt zahlreiche Projekte an
Zurzeit sei die Gruppe recht homogen, mit dem Ergebnis, dass alle zeitgleich zu neuen Ufern aufbrächen. Auffällig ist, dass sich viele Mitglieder parallel in weiteren Initiativen engagieren, etwa bei Unicef oder im Free Cinema. Diskutiert wurden auch Anliegen wie Plätze fürs gemeinsame Arbeiten und bereits eingeleitete Projekte wie ein Stadtstrand im Grüttpark.
„Eine solche Idee hat ähnliches Potenzial wie die Free Walls“, ermutigte Weiß-Sinn die Jugendlichen laut der Mitteilung. „Auch hier kann jugendliches Engagement die Freizeitqualität in der Stadt nachhaltig prägen.“ Fraktionsvorsitzender Fritz Böhler regte an, auch über die Vereine um Kandidaten zu werben, und sagte dem Jugendrat für die Zukunft Unterstützung der Grünen-Fraktion zu.