Jahresrückblick Lörrach
: Kinder- und Debattenkultur: Birgit Degenhardt blickt zurück

Sie prägte die Kinderkultur in Lörrach und leitete Werkraum Schöpflin: Birgit Degenhardt. Für unsere Zeitung schrieb sie zum Jahresausklang einen Gastbeitrag.
Von
Birgit Degenhardt
Lörrach
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Nach 15 Jahren Leitung des Werkraum Schöpflin wurde gefeiert.

Lucia Hofmaier

Mein Jahr begann mit Kultur und mit Politik – zwei der wichtigsten Konstanten in meinem Leben: Mit dem „Bündnis 5 vor 12: für Demokratie, gegen Rechtsextremismus“ verbrachten wir einen intensiven Klausurtag, um kreative Aktionen vor der Bundestagswahl zu entwickeln.

Wenig später trat noch einmal Javier Rodríguez Cobos mit dem Tanztheater „Pink Panther“ im Werkraum Schöpflin auf, ein künstlerischer Höhepunkt im Januar, der viel über die teils brutalen Bedingungen für Menschen im Kulturbetrieb offenbart und zugleich herzzerreißend witzig ist.

„Keine Macht für niemand“

Als Jan Plewka die Lieder von Rio Reiser im Werkraum sang, war ich plötzlich wieder 16 und wurde von den Gefühlen, die „Junimond“ oder „Keine Macht für niemand“ auslösen, hinweggespült. Mit Luisa Neubauer im Februar auf der Werkraum-Bühne sprechen zu dürfen, war unvergesslich – sie ist so einfühlsam, aufrichtig, kämpferisch – all das und mehr macht sie zu einem strahlenden Menschen.

Der März war erfüllt vom Ausflug der gesamten Schöpflin Stiftung nach Berlin – in Gesprächen mit Maria Exner, der Gründungsintendantin von Publix, dem Haus für Journalismus und Öffentlichkeit, genauso wie mit Antonia Alampi, der Direktorin der Spore Initiative, konnte ich die Idee einer Berliner Kinderbuchmesse vorstellen.

Ich bin sehr glücklich über ihre Begeisterung, denn die Schöpflin Stiftung hat mich damit beauftragt, die in Lörrach gefeierte Kinderbuchmesse auch in weiteren Städten zu verwirklichen.

Im März boten wir im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus zum ersten Mal an, die Geschichte meines Opas, der politischer Häftling im KZ Buchenwald war, in Schulen zu erzählen.

Was inzwischen meine Agenda füllt, begann mit theaterpädagogischer Vorbereitung, etlichen Requisiten wie einem Radio aus den 1930er Jahren, einem Märklin-Metallbaukasten und immer wieder mit sensiblen Fragen der Jugendlichen. Die Buchungen für diese biografische Annäherung an einen Zeitzeugen reichen schon bis in den Mai 2026, wo es uns auch nach Basel und Mulhouse verschlagen wird.

Auch mal im Hotel-Pool

Im April habe ich eine Woche mit meinen Enkelinnen Tilda und Martha in einem Hotel-Pool verbracht, das war ihr großer Wunsch – versüßt noch mit dem wunderbaren Bilderbuch „Schwimmbad“ von Eilika Mühlenberg, einem Tipp der Lörracherin Viktoria Milde, die in der Jury zum Deutschen Jugendliteraturpreis mitwirkt und die besten und aktuellsten Kinderbuchtipps geben kann.

Beim Theatertreffen

Im Mai habe ich mir – wie regelmäßig alle zwei Jahre – die bemerkenswertesten Inszenierungen für Kinder und Jugendliche beim Theatertreffen „Augenblick mal“ in Berlin angeschaut, während zum ersten Mal unser „Markt der Möglichkeiten“ im Park beim Werkraum Schöpflin stattfand. Etliche Initiativen von den Omas gegen Rechts über den Runden Tisch Klima bis zu den Schoolkidz oder dem Arbeitskreis Miteinander stellten sich vor und fanden neue Mitstreitende.

Der Sommer war zum Glück nicht ganz so heiß wie in den letzten Jahren und raste nur so vorbei – mit dem ersten Lörracher Klimafestival zu Ehren des Runden Tischs Klima, dem Slow Food Sommerfest „en blanc“ und der sehr beeindruckenden letzten Aufführung von „In Zeit Sprung“, dem langjährigen Tanzprojekt der Choreografin Pilar Buira Ferre – die bunten, fantasievollen Kronleuchter an der Decke des Werkraums bleiben im Gedächtnis.