Invasive Art mehrfach nachgewiesen
: Die Drüsenameise ist nach Lörrach gekommen, um zu bleiben

Es war abzusehen: Die Große Drüsenameise hat jetzt auch Lörrach erreicht. Welche Maßnahmen zur Bekämpfung erforderlich sind, wird derzeit von der Stadtverwaltung geprüft. Wichtige Hilfe soll die Bevölkerung leisten.
Von
Jan Boller
Lörrach
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ARCHIV - 31.03.2025, Baden-Württemberg, Schutterwald: Die invasive Große Drüsenameise ist an ihrer tiefschwarzen Farbe und der enormen Koloniebildung zu erkennen. (zu dpa: «Dutzende Hinweise auf Große Drüsenameise») Foto: Uli Deck/dpa/dpa-tmn +++ dpa-Bildfunk +++

Die invasive Große Drüsenameise ist an ihrer tiefschwarzen Farbe zu erkennen.

Uli Deck/dpa
  • Lörrach meldet Vorkommen der Großen Drüsenameise, Schwerpunkt im Stadtteil Haagen.
  • Stadt prüft Bekämpfung, heißes Wasser mit 95 Grad gilt als erprobte Maßnahme.
  • Biozide bleiben umstritten, mögliche Kollateralschäden und unklare Wirkung genannt.
  • Bevölkerung soll Funde melden und Pflanzen vor Transport auf Befall prüfen.
  • Art breitet sich schnell aus – Kehl meldete Schäden an Gebäuden, Wegen und Infrastruktur.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Noch ist die Stadt dabei, das Ausmaß des Befalls zu erkunden. Wie weit sich die Ameise bereits ausgebreitet hat, ist unklar – doch es scheint, als habe das ganz große Krabbeln noch nicht eingesetzt. An mehreren Stellen im Stadtgebiet wurde die Ameise bisher nachgewiesen. Ein Schwerpunkt ist dabei der Stadtteil Haagen, wo sie allerdings nur „hier und da“ und „noch sehr konzentriert“ vorkommt.

Die Ameise mag das milde Klima im Südwesten

Doch das ist kein Grund zur Entwarnung: Erfahrungen anderer Städte und Gemeinden, beispielsweise aus Kehl, haben gezeigt, dass sich das ganz schnell ändern und Dimensionen erreichen kann, bei denen die Eindämmung zu einer ernsthaften Belastungsprobe wird. In Kehl war die Situation trotz kostenintensiver Eindämmungsmaßnahmen im sechsstelligen Bereich in den vergangenen Jahren eskaliert. Häuser und Gehwege, Spielplätze und Stromleitungen waren betroffen.

Seitdem besitzen die Kehler einen Expertenstatus, auf den sie vermutlich gerne verzichtet hätten. Auch die Lörracher seien bereits mit der Stadt aus dem Ortenaukreis im Austausch, teilt die Stadt in einem Presseschreiben mit.

Die Invasion der „Tapinoma magnum“, einer ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammenden Ameisenart, stellt eine zunehmende Bedrohung vor allem für Gebäude und die technische Infrastruktur dar. Sie zeichnet sich laut Stadtmitteilung durch ein „großes Vermehrungspotenzial“ und einen „expansiven Ausbreitungsverlauf“ aus. Die Tiere sind in der Lage, große Flächen, gar ganze Stadtteile, zu unterhöhlen. Auch für heimische Tierarten, vor allem Gliederfüßer, könne eine Ausbreitung negative Folgen haben.

Oberbürgermeister Jörg Lutz merkte an, es gehe nicht darum, die Ameise wieder aus dem Gebiet herauszubekommen. Hier gelte das Gleiche wie beim Japankäfer und bei der Tigermücke: „Ganz los wird man sie wohl nicht mehr.“ Diese Einschätzung resultiert auch aus der Tatsache, dass mittlerweile laut Umweltministerium fast 90 Kommunen in Baden-Württemberg Drüsenameisenbefall gemeldet haben. Die Art ist damit wohl endgültig in unseren Breitengraden angekommen.

Die Stadt prüft derzeit mögliche Methoden zur Bekämpfung. Eine Maßnahme, die sich  gut bewährt hat und auch in Lörrach eingesetzt werden soll, ist 95 Grad heißes Wasser, das in die Nester geleitet wird. Strittig ist der Einsatz von Bioziden. Einerseits ist deren Wirkung fraglich, andererseits gehen diese nicht nur der Drüsenameise an den Kragen, sondern sorgen unter Umständen auch für „Kollateralschäden“ bei der heimischen Fauna.

Die Gefahr lauert in jedem Blumentopf

Die Stadtverwaltung baut zusätzlich zur Schädlingsbekämpfung vor allem auf das offene Auge und die bereitwillige Mithilfe der Bevölkerung, um den Schaden möglichst klein zu halten und die Verbreitung einzudämmen, wo es nur geht. Auch wenn keine gesetzliche Meldepflicht besteht, bittet die Stadt darum, Funde mitzuteilen. Die Stadt Kehl hat Erfolge im Kampf gegen die Ameise auch dadurch erzielt, dass die Menschen mittlerweile stark sensibilisiert seien und Ameisenfunde regelmäßig meldeten.

Wo bei der Tigermücke die Nachlässigkeit, stehendes Wasser etwa in Blumentopfuntersetzern oder Regentonnen zu vermeiden, einen großen Anteil an der Vermehrung hat, ist es bei der Ameise die Verschleppung der Tiere durch die Weitergabe befallener Topfpflanzen und Wurzelballen. Die Stadt bittet deshalb darum, Pflanzen, Erdmaterial und Grünschnitt vor einem Transport auf Ameisen zu prüfen. Gartenabfälle sollen ausschließlich über zugelassene Annahmestellen entsorgt werden.

Wie man die Große Drüsenameise erkennt

Das ist nicht so einfach. Denn Große Drüsenameisen sind entgegen ihres Namens keine besonders großen Ameisen und variieren zudem stark in ihrer Größe: 2 bis 5 Millimeter können die tiefschwarzen Arbeiterinnen groß sein. Bemerkenswert sind ihre breiten Ameisenstraßen. Und sie sind aggressiv. Fühlen sie sich gestört, strömen die Tiere extrem schnell und massenhaft aus. Sie versprühten „einen leichten Azetongeruch, wenn man sie reizt oder zerdrückt“, erklärt Britta Staub-Abt, Fachbereichsleitung Umwelt und Mobilität. „Manche meinen auch, es riecht nach Glasreiniger.“