Hohe Waldbrandgefahr
: Warum der Mensch das höchste Risiko darstellt

Extreme Trockenheit und Hitze haben die Waldbrandgefahr im Landkreis auf ein bisher nicht gekanntes Maß gesteigert. Die Feuerwehr sieht sich zwar gerüstet, fordert aber ein umsichtiges Verhalten von allen Bürgern.
Von
Gerald Nill
Kreis Lörrach
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Mit solchen Plakaten warnen Kommunen und Feuerwehr aktuell vor der akuten Waldbrandgefahr.

Mit solchen Plakaten warnen Kommunen und Feuerwehr aktuell vor der akuten Waldbrandgefahr.

Gerald Nill
  • Extreme Trockenheit und Hitze erhöhen die Waldbrandgefahr im Landkreis stark.
  • Feuerwehr sieht sich vorbereitet, fordert jedoch umsichtiges Verhalten der Bürger.
  • Dietmar Fink warnt: Mensch ist Hauptursache, Kippen und Fahrlässigkeit führen zu Bränden.
  • 30er-Formel beschreibt Risiken – Hitze, geringe Luftfeuchte, Hangneigung und Wind.
  • Empfehlung: befestigte Grillstellen offen lassen, kleine Feuer erlauben und Wasser bereithalten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es knistert und raschelt derzeit seltsam beim Gehen im Unterholz, wo dürres Reisig jegliche Restfeuchte verloren hat. Braunes Blätterwerk wie sonst im Herbst zeigt, dass der Wald aktuell besonders leidet.

Vereinzelte Birken sind bereits vertrocknet, tote Fichtenbestände recken ihre kahlen Äste in den Himmel. Eigentlich ist klar: ein Funke genügt, um den Wald wie Zunder in eine Flammenhölle zu verwandeln. „Die Flächen- und Vegetationsbrände häufen sich in letzter Zeit, stellt der Stellvertretende Kreisbrandmeister Dietmar Fink fest. Schon ein Elektrozaun könne ausreichen, um eine vertrocknete Weide zu entzünden. Lörrach, Tegernau und Schopfheim, Schallbach und Wieden – das sind die jüngsten Einsatzorte von Flächen- und Waldbränden.

Fink ist auch Kommandant der Feuerwehr Maulburg, die sich mit Weitsicht seit zehn Jahren auf das Spezialgebiet Waldbrand vorbereitet hat. „Ein Vegetationsbrand stellt ganz andere Anforderungen als ein Gebäudebrand“, führt Fink aus. Es gibt kein Löschwasser vor Ort und meist verschlungene Wege zum Einsatzort.

Pylonen an Wegkreuzungen dienen der Orientierung

Fink erinnert sich an einen Einsatz in Maulburg: „Wir haben das Feuer am Scheinberg gesehen, aber 15 Minuten gebraucht, um den richtigen Weg dorthin zu finden.“ In diesem Zusammenhang weist der Experte dringend darauf hin, liegende rot-weiße Pylone an Wegkreuzungen unbedingt liegen zu lassen. Sie dienen zur Orientierung im Wald für nachrückende Einsatzkräfte. Die aktuelle Situation bezeichnet der Stellvertretende Kreisbrandmeister in bestimmten Lagen derzeit als dramatisch. In Fachkreisen sei von der 30er-Formel die Rede: Das Risiko der Brandgefahr steige über 30 Grad Hitze, 30 Prozent Luftfeuchtigkeit, 30 Grad Hangneigung und 30 Stundenkilometer Wind. „Wenn alle Punkte zusammen kommen, haben wir beste Voraussetzungen für ein extremes Feuer.“

Hauptursache ist der Mensch

Fink sagt deutlich: „Die Hauptursache von Waldbränden ist der Mensch. Die Leute erkennen gar nicht die Brandgefahr und verhalten sich häufig fahrlässig.“ Die achtlos weggeworfene Zigarettenkippe führte zuletzt zu wiederholten Wegrandbränden. „Dass Kippen einfach aus dem Autofenster geworfen werden, erleben wir leider oft“, konstatiert der Kreisbrandmeister. Jeder sollte überdies wissen, dass Rauchen im Wald von April bis Oktober grundsätzlich verboten ist - aus gutem Grund. Grillstellen sperren oder bedingt zulassen?

Daran scheiden sich derzeit die Geister. In Schopfheim sperrt rot-weißes Flatterband einen beliebten Grillplatz direkt an der Wiese ab. In Hausen verbietet ein Plakat den Grillspaß ebenfalls. Fink gibt unkommentiert die derzeitige Empfehlung der Landesfeuerwehrschule Bruchsal bei der Fortbildung Forstfeuerwehr wieder: Besser sei es demnach, die befestigte Grillstelle nicht zu sperren, kleine Grillfeuer zu erlauben und an die Vernunft zu appellieren, weil sich Freizeitler sonst eine andere Stelle suchen, die wahrscheinlich ungünstiger liegt und ein noch höheres Brandrisiko birgt. Ob sich jeder Besucher eines Festes im Wald wie beispielsweise dem Germanefest in Mambach des hohen Brandrisikos bewusst ist, darf bezweifelt werden.

Flammen im Keim ersticken

Für Fink ist die oberste Regel, sofern Feuer nicht grundsätzlich durch Kreis oder Kommune verboten ist, etwas Wasser in der Nähe zu haben. Zu Beginn eines Brandes reicht nämlich eine geringe Wassermenge, um erste Flammen im Keim zu ersticken. Deshalb hat sich die Feuerwehr Maulburg 20-Liter-Rucksäcke zugelegt – für den schnellen Erstangriff. Beim aktuellen Waldbrand von Wieden am Mittwoch habe die Bevölkerung beherzt und besonnen mitgeholfen. Selbst Schneeschaufeln seien als Flammenkiller zum Einsatz kommen.

Experte mahnt zur Vorsicht

Deutlicher kann der Klimawandel kaum symbolisiert werden. Der Brandexperte mahnt aber gleichzeitig zur Vorsicht im Brandfall und nicht zu viel zu riskieren. Manchmal sei es besser, die alarmierte Feuerwehr einzuweisen. Wiedens Bürgermeister Michael Fischer spricht von glücklichen Umständen, die Schlimmeres beim Flächenbrand am Mittwoch verhinderten. In der aktuell verschärften Waldbrandgefahr hat die Wehr ihre eigene Bereitschaft erhöht und rückt im Alarmierungsfall mit mehr Material und mehr Wasser aus. Der Wassermangel in den Höhen des Schwarzwaldes sei ein zunehmendes Problem. Was nützen Löschteiche, wenn dort kein Bach hineinläuft? Alternative Konzepte müssen her, lautet eine Forderung.