Hohe Nachfrage: Der Bedarf an Schulbegleitern im Kreis Lörrach wächst weiter

Nach der Statistik des Landkreises haben im vergangenen Schuljahr 25/26 mehr als 250 Schüler aufgrund von seelischen Erkrankungen individuelle Unterstützung beim Schulbesuch in Anspruch genommen.
Jonas Güttler/dpa- Bedarf an Schulbegleitungen im Kreis Lörrach wächst weiter – Angebot reicht nicht aus.
- Mehr als 250 Schüler nutzten im Schuljahr 25/26 Hilfe wegen seelischer Erkrankungen.
- Steigerungsraten seit Jahren 20 bis 25 Prozent; rund 200 waren es im Jahr davor.
- Lebenshilfe betreut 210 Schüler mit 150 Kräften, Ø 18 Wochenstunden, teils geteilte Begleitung.
- Neu im Test: Pool-Modelle an zwei Schulen, mit inhaltlichen Vorteilen und möglichen Kostenvorteilen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Der Bedarf übersteigt das Angebot“, stellte der Geschäftsführer der Lebenshilfe Lörrach, Philipp Bohner bei einer Diskussion über Schulbegleitungen für Kinder und Jugendliche im Jugendhilfeausschuss des Kreistags nüchtern fest. „Und der Bedarf hört nicht auf zu wachsen.“ Auch wenn die Zahlen für das neue Schuljahr noch nicht endgültig vorliegen, so lässt sich schon jetzt mit Blick auf die zurückliegenden Jahre sagen, dass immer mehr Schüler eine spezielle Begleitung brauchen.
Nach der Statistik des Landkreises haben im vergangenen Schuljahr 25/26 mehr als 250 Schüler aufgrund von seelischen Erkrankungen individuelle Unterstützung beim Schulbesuch in Anspruch genommen. Im Jahr davor waren es noch etwa 200 gewesen, die Steigerungsraten liegen seit Jahren stets zwischen 20 und 25 Prozent. Im Blickpunkt der Diskussionen stehen Fälle mit seelischen Beeinträchtigungen wie Autismus, ADHS oder multiple Störungen. Hinzu kommen Schulbegleitungen für Kinder mit anerkannten Behinderungen. Deren Zahl nahm sich im vergangenen Schuljahr mit 76 vergleichsweise gering aus und auch die Steigerungsraten sind in diesem Bereich moderat.
Der ganz überwiegende Teil der Schulbegleitungen wird von der Lebenshilfe Lörrach erbracht. 150 Schulbegleiter kümmern sich um 210 Schüler, wobei die jeweils erforderliche Betreuungszeit stark zwischen vier und 35 Wochenstunden stark schwankt. Der Mittelwert liegt bei 18 Stunden. 100 Schüler teilen sich die Schulbegleitung. Philipp Bohner betonte im Jugendhilfeausschuss, dass die Schulbegleitung zwar eine aufwändige aber doch effektive Hilfe sei. Dies könne an der großen Zahl an Schulabschlüssen der Klienten belegt werden.
Die Schulzeit sei für die betroffenen Kinder und Jugendlichen die schwierigste Phase. Werde diese Zeit mithilfe der Schulbegleitung erfolgreich überstanden, dann könnten die Klienten meist ein eigenständiges Leben ohne weitere staatliche Unterstützung führen. Schulbegleitung sei „absolut wirksam“. Weil aber Angebot und Nachfrage zunehmend auseinanderklaffen, geht die Lebenshilfe im Kreis Lörrach versuchsweise neue Wege. Zunächst an der Albert-Schweitzer-Gemeinschaftsschule in Lörrach und nun auch an der Hellbergschule im Stadtteil Brombach wird ein Pool-Modell erprobt. Dies sei nicht mit der Zuständigkeit einzelner Schulbegleiterinnen für mehrere Schüler zu verwechseln. Vielmehr trete der Pool als Team auf, was eine differenziertere Betreuung der Klienten ermögliche. Außerdem bewirke der Pool, dass Schulbegleitung deutlicher als integraler Teil der Schulgemeinschaft wahrgenommen und akzeptiert werde.
Gute Signale
Philipp Bohner sprach von guten Signalen aus den laufenden Testphasen und stellte auch Kostenvorteile in Aussicht, was bei den politischen Mitgliedern im Jugendhilfeausschuss gut ankam. Allerdings warb er dafür, nicht nur die finanzielle, sondern vor allem die inhaltliche Seite zu sehen. Pool-Lösungen seien aber nicht für alle Fälle geeignet.
Mehr Qualität
Schulamtsleiter Rudolf Schick, der als beratendes Mitglied dem Ausschuss angehört, sagte, er verspreche sich von Pool-Lösungen mehr Qualität. Dafür führte er ein Beispiel einer Schulbegleiterin an, die sich zu sehr mit ihrem Schützling identifiziert habe und an der Schule zum „Feindbild“ geworden sei, weil sie den Eltern vom Schulalltag berichtet habe. Philipp Bohner wies die Kritik zurück. Auch bei Einzelbetreuung gebe es hohe Qualitätsstandards. Im Übrigen sei die Pool-Lösung nur dort möglich, wo die räumlichen Voraussetzungen gegeben seien und wo „Schulbegleitung an der Schule willkommen ist.“