Hitze und Dürre
: Hitzewellen könnten Schweizer Wirtschaft Milliarden kosten

Der extreme Hitzesommer hat die Schweizer Wirtschaft stark belastet. Allein durch die geringere Arbeitsproduktivität dürften Verluste von rund 2,1 Milliarden Franken entstanden sein.
Von
sda
Basel
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Auch im Büro sinkt bei Hitze die Leistungsfähigkeit.

Auch im Büro sinkt bei Hitze die Leistungsfähigkeit.

Mediengruppe RTL/dpa-tmn
  • Hitzewellen belasten die Schweizer Wirtschaft: Produktivität sinkt deutlich.
  • Studie beziffert Verluste zwischen Juni und August 2026 auf 2,1 Mrd. Franken.
  • Suva: Unfallzahlen über 30 Grad im Bau und Transport im Schnitt sechs Prozent höher.
  • Firmen federn Folgen ab – flexible Abläufe, frühe Arbeiten, Pausen, Kühlwesten.
  • Bresch: Sommer 2026 passt zu einer 3-Grad-Welt, Anpassung gewinnt an Bedeutung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Und solche Sommer könnten in einigen Jahrzehnten zur Normalität werden. Die Hitze erhöht auch das Unfallrisiko, wie Zahlen der Suva zeigen. Im Baugewerbe und Straßentransport lagen die Unfallzahlen an Tagen mit Temperaturen über 30 Grad von 2015 bis 2025 im Durchschnitt sechs
Prozent höher. Als Gründe nennt die Suva Erschöpfung, Kreislaufprobleme und Konzentrationsverlust. Besonders groß ist die Gefahr bei langen und schweren Arbeiten im Freien. Bei Temperaturen über 33 Grad sollen sehr schwere Arbeiten deshalb auf ein Minimum beschränkt und pro Stunde rund 15 Minuten Pause im Schatten eingeplant werden. Doch Hitze trifft nicht nur Menschen im Freien.

Auch im Büro sinkt die Leistungsfähigkeit. ETH-Klimaforscher David Bresch verweist zudem auf heiße Nächte: Wer schlecht schläft, startet bereits erschöpft in den Arbeitstag. Eine neue Untersuchung des Beratungsunternehmens EBP im Auftrag des Schweizerischen Städteverbandes beziffert die hitzebedingten Produktivitätsverluste zwischen Juni und August 2026 auf rund 2,1
Milliarden Franken. Das entspricht etwa 1,5 Prozent der gesamten Arbeitsleistung während dieser drei Monate

Die tatsächlichen Verluste können höher sein

Die Berechnung basiert auf einer früheren ETH-Studie, an der Bresch beteiligt war. EBP verwendete dasselbe Modell, setzte aber die tatsächlich gemessenen Temperaturen des Sommers 2026 ein. Die ursprüngliche Studie hatte für einen durchschnittlichen Sommer Verluste von rund 665 Millionen Franken geschätzt. Dabei seien längst nicht alle Kosten erfasst. Berechnet wird im Wesentlichen der direkte Verlust an Arbeitsleistung, nicht aber etwa, wenn wegen der Hitze etwas gar nicht oder fehlerhaft hergestellt wird. „Die tatsächlichen Verluste könnten also noch höher sein“, so Bresch. Allerdings können Unternehmen die wirtschaftlichen Folgen der Hitze zumindest teilweise abfedern. „Bei der Anpassung ist Flexibilität einer der größten Hebel“, so Bresch. Arbeiten lassen sich verschieben, Abläufe verändern und Ausfälle später aufholen. Lager und andere Puffer helfen zusätzlich, wirtschaftliche Folgen abzufedern.

„Der Sommer 2026 ist in einer 3-Grad-Welt nahe an einem Durchschnittssommer.“
David Bresch
Klimaforscher

Der Baukonzern Implenia etwa verlegt besonders anstrengende Arbeiten in die kühleren Morgenstunden, plant zusätzliche Pausen ein und verschiebt Tätigkeiten notfalls auf kühlere Tage. Dazu kommen Pausenplätze im Schatten oder in klimatisierten Räumen und Tests mit Kühlwesten. So hätten die hohen Temperaturen bisher weder Kundenfristen noch den Umsatz beeinträchtigt, so Implenia gegenüber AWP. Doch solche Puffer sind laut Bresch nicht unbegrenzt belastbar. Häufen sich Extremereignisse, könnten Lagerbestände fehlen oder Ausweichmöglichkeiten ausgeschöpft sein.

„Der Sommer 2026 ist in einer 3-Grad-Welt nahe an einem Durchschnittssommer“, sagt Bresch. Gemeint ist eine Welt mit einer globalen Durchschnittstemperatur, die rund 3 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegt. Da sich die Schweiz stärker erwärmt als der weltweite Durchschnitt, entspräche dies hierzulande laut aktuellen Klimaszenarien einem Temperaturanstieg von gar 4,9 Grad. Ohne zusätzliche Klimaschutzmaßnahmen könnte dieses Szenario etwa ab Mitte der 2060er-Jahre erreicht werden. Eine Trendwende sei dabei noch nicht erreicht, sagt Bresch. „Die weltweiten Emissionen steigen weiter.“ Neben dem Klimaschutz werde deshalb die Anpassung immer wichtiger.