Historischer Rundgang
: Ewald Kaiser zeigt das alte Wyhlen

Ein Einladung der Seniorenunion fand am Samstag ein Dorfrundgang durch Wyhlen statt. Referent war der 92 Jahre alte Ewald Kaiser. Das ließen sich rund 40 Gäste nicht entgehen.
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(red/pm)
Grenzach Wyhlen
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Dorfrundgänge mit Ewald Kaiser (Mitte stehend) in Wyhlen sind ein Garant für großen Publikumszuspruch.

Ulrike Ebi-Kuhn

Kaiser begann mit der Entstehungsgeschichte des heutigen katholischen Gemeindehauses von der früheren Kirchenscheuer, über den Umbau zum Gemeindehaus in den 1955er Jahren und dem Umbau 1994/1995 in das jetzt fahrstuhlunterstützte Gebäude.

Die erste Erwähnung eines katholischen Pfarrers in Wyhlen wird mit 1275 datiert, die erste Kirche wurde 1284 erbaut. Sie wurde im 30-jährigen Krieg zerstört. Die zweite Dorfkirche entstand bis 1629 unter Leitung des Deutschen Ordens in Beuggen.

Weiter geht es zum Pfarrhaus. Dort ist auf der Ostseite ein Wappen zu sehen, das klar die Verbindung zum Deutschen Orden zeigt. Neben der Kirche steht noch das Kreuz vom früheren Friedhof. Dieser wurde 1875 verlegt in den Lettenweg. An seinem alten Platz wurde 1906 die neue Kirche an ein Überbleibsel der alten Kirche von 1628 angebaut. Die neue Kirche wurde eineinhalb Meter höher errichtet, da früher immer Feuchtigkeit in der Kirche war. Der achteckige Teil des Turmes wurde erst später aufgesetzt.

Turm ist fast 50 Meter hoch

In den Jahren 1975/76 wurde die katholische Kirche renoviert. Dabei wurden leider die alten Gemälde übermalt, was den Charakter der Kirche sehr verändert hat.

Der Kirchturm wurde 2006 renoviert, dabei hat Ewald Kaiser die Höhe vermessen: Es sind 48,42 Meter.

Neben der Kirche sind noch die zwei alten Schulhäuser zu finden. Da der Pfarrer früher auch Schulaufsicht war, war die räumliche Nähe angebracht. Das erste Schulhaus war eine Einraum-Schule. Der Lehrer hatte dort hinter dem Vorhang sein Bett und seinen Besitz. Oft musste der Lehrer, um über die Runden zu kommen, auch Orgel und Mesner spielen oder gar Schuhmacher und Schneider sein. Um Geld zu bekommen, musste er zu den Schülern nach Hause und es dort eintreiben.

Das danebenstehende spätere Schulhaus (1828 bis 1848) war schon um einiges größer und heller. Der Dorfbrunnen an der Kirche stammt von 1848. Daneben stand früher eine öffentliche Toilette.

Industrie zog in den Ort, als man 1846 eine 13 bis 24 Meter breite Salzschicht in 120 Metern Tiefe fand. Dies wurde privat abgebaut. Die Solvay-Brüder übernahmen 1878 die Förderung. Dazu wurde Rheinwasser in die Tiefe gepumpt, die Sole gefördert und wieder kristallisiert. Im Jahre 1880 wurden die zwei Zehnfamilien-Wohnhäuser Adele und Alexander an der Solvay gebaut für die dortigen Arbeiter, doch schon 1958 war Schluss mit Förderung, weil die Methoden veraltet waren.

Als der Krieg zu Ende war

Weitere Industriefirmen wie die Karbidfabrik (1917), Degussa (1962) und der Eisenbau (1978), die der Gemeinde Gewerbesteuern brachten, mussten schließen. Erst nach dem Zusammenschluss mit Grenzach anno 1975 ging es dem Ort dann finanziell wieder besser.

Kaiser erzählte vom Ende des Zweiten Weltkrieges, wie die Wyhlener weiße Leintücher aus den Fenstern hängten, um den einrückenden Franzosen die Kapitulation anzuzeigen.

Auch stellte er die Dorfbrunnen vor, die so standen, dass die Einwohner gut ihre Wasservorräte schöpfen konnten. Seit 1911 gibt es fließend Wasser in jedem Haus in Wyhlen, auf dem Rührberg sogar schon vier Jahre früher. Kaiser berichtete zählte fünf Hochwasserbehälter auf, die dafür nach und nach entstanden sind.

In der Kirchstraße sind noch Reste der alten Häuser zu finden, wie deren Jahreszahlen 1622 bis 1868 belegen. Dort gab es neben einer Küferei auch eine Sattlerei, einen Uhrmacher, alte Schmieden und andere Gewerke. Kaiser stellte in seinen Ausführungen allerdings klar, dass das Leben damals keineswegs beschaulich war, sondern mühsam und beschwerlich.

Vom Dorfbrunnen, der alten Wyhlener Mitte an der Lörracher Straße, aus sieht man noch die vier Gasthäuser, die nach Symbolen der vier Evangelisten Löwen, Ochsen, Adler und Engel genannt waren.

Was Kaiser ebenfalls zu berichten wusste: Im Jahr 1932 gab es in Wyhlen noch 99 Milchbauern, davon 85 im Dorf, 14 auf dem Rührberg. Heute gibt es keinen einzigen mehr.

Die Führung endete an der alten Dorfschmiede in der Bergstraße. Der Schmied war für die Eisen der Wagenräder, aber auch für das Beschlagen der Tiere und die Hufpflege bei Pferden und Kühen zuständig war. Dort zeigte Stefan Rhein, der Nachkomme des Schmieds, das Innere des Gebäudes und ein altes Rechnungsbuch, in dem noch die Aufträge und Preise von einem Vorfahren von Ewald Kaiser zu finden sind.