Haltingen im Wandel
: Die neue Mitte nimmt Gestalt an

Wohin die Reise am Haltinger Bahnhof geht, zeigten Vertreter der Stadt Weil am Rhein bei einem Ortstermin. Im Mittelpunkt standen die Neuordnung des Bahnhofsumfelds Ost.
Von
Veronika Zettler
Weil Am Rhein
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Statt der ursprünglich geplanten nüchternen Schallschutzwand sind jetzt historische Fotos integriert.

Veronika Zettler

Wer länger nicht am Haltinger Bahnhof vorbeigekommen ist, dürfte beim nächsten Besuch staunen: Viel hat sich getan, und manches sieht heute völlig anders aus als noch vor einigen Jahren, als das alte Bahnhofsgebäude, das Gasthaus Krone und eine Tankstelle das Quartier prägten.

Immerhin: Vergangenes bleibt sichtbar im neuen Ortszentrum. Denn großformatige historische Fotos aus Haltingen sind in die Schallschutzwand am Gleis integriert – darunter der frühere Bahnhof, das Gasthaus zur Krone, die Haltinger Feuerwehr, die Sankt-Georgs‑Kirche und die Siedlung Am Rad.

Indes: Die Bildergalerie ist längst nicht das einzige Resultat, dem lange Abstimmungen und teils zähe Verhandlungen vorausgingen. Besonders freuen sich die Haltinger über den Erhalt der rund 100 Jahre alten Kastanienbäume des ehemaligen Biergartens der „Krone“, erklärte Ortsvorsteher Peter Reinacher.

Grünes Band am Gleis

Schließlich wurden in und um das 2015 abgerissene Gasthaus, das 165 Jahre lang bestand, unzählige Taufen und Hochzeiten gefeiert. Im neu gestalteten „Kastaniengarten“ bleiben die Bäume öffentlich zugänglich: Passanten finden schattige Sitzplätze, Kinder Spielmöglichkeiten mit Verweis auf die Haltinger Weinbaugeschichte, darunter eine „Wackeltraube“.

Viele neue Anpflanzungen

Nicht nur die Rosskastanien, auch viele neue Anpflanzungen spielen auf dem Areal zwischen Bundesstraße und Gleisen eine wichtige Rolle. Grünplaner Stephan Fischer verweist auf besondere Neuzugänge wie den Schnurbaum und den „Malus trilobata“, den essbaren dreilappigen Zierapfel, der entlang des sogenannten „Grünen Bands“ auf Bahn‑Grundstück gepflanzt wurde. Noch tragen die jungen Bäume keine Früchte, doch in fünf bis zehn Jahren sollen bereits schattenspendende Kronen gewachsen sein.

I m Kastaniengarten, der früher zum Gasthaus Krone gehörte (von links): Bürgermeister Lorenz Wehrle, Ortsvorsteher Peter Reinacher, Grünplaner Stephan Fischer, Gerhard Broß (Stadtbauamt) und Markus Rotzler (Leiter Verkehr und Tiefbau).

Foto: Veronika Zettler

Den ersten Hitzestress‑Test nach Johanni haben die neuen klima- und schädlingsrobusten Pflanzen ohne Schäden überstanden, freut sich Fischer. Das liege nicht nur an der Pflege, sondern auch am speziell gewählten, nährstoffreichen und wasserspeichernden Substrat. „Bäume leisten den größten Beitrag, um das Stadtklima zu verbessern“, ergänzt Bürgermeister Lorenz Wehrle.

Das Quartier um den früheren Bahnhof hat sich gemacht .

Foto: Veronika Zettler

Es besteht Einigkeit: Die Aufenthaltsqualität ist um ein Vielfaches verbessert worden. Bäume und Sitzgelegenheiten gibt es im Dreieck zwischen B 3 und der L‑förmigen Burgunder Straße an mehreren Stellen – auch entlang des neu gestalteten Marktwegs, der von der Freiburger Straße am Rewe‑Parkplatz vorbei bis zum Bahnsteig führt. Wehrle und Fischer verweisen zudem auf die „Gestaltung aus einer Hand“ durch das Büro Rehwaldt, die eine einheitliche Formensprache sicherstellt.

Abstimmung mit der Bahn

Gerhard Broß (Stadtbauamt) fasste die Entwicklung zusammen: vom Ausschuss für Dorfentwicklung über die Bürgerbeteiligung im „Haltinger Dialog“ bis hin zur Ausschreibung des Wettbewerbs. Zu den größeren Maßnahmen zählte im Vorfeld auch die Sanierung, Tieferlegung und Verbreiterung der Heldelinger Unterführung inklusive Geh‑ und Radweg, die nach einigen Verzögerungen Ende 2023 fertiggestellt wurde. Deutliche Veränderungen erfuhr zudem der parallel zur Heldelinger Straße verlaufende Abschnitt der Burgunder Straße: eine schmalere Fahrbahn, neu geordnete Parkflächen auf Schotterrasen, abschnittsweise neue Hecken und Bäume sowie ein – relativ – einheitlich gestalteter Gehwegbereich, erläutert Markus Rotzler, Leiter Verkehr und Tiefbau.

An der Bushaltestelle werden letzte Arbeiten vorgenommen.

Foto: Veronika Zettler

Eines wurde beim Rundgang zudem deutlich: Es musste vieles verhandelt werden. Mit der Bahn war jede Planung abzustimmen. Angefangen bei drei Zuwegungen – am Zebrastreifen, an der Bushaltestelle und etwas weiter nördlich – über die Sicherstellung, dass kein Licht in Richtung Lokführer streut, bis zur Pflanzung der Bäume mit Abstand zu den noch zu installierenden Oberleitungen. Gleichzeitig mussten mit mehreren Grundstückseigentümern Details wie die Gehwegpflasterung geklärt werden. „Jetzt sind wir auf einem guten Weg, hier eine neue schöne Ortsmitte zu schaffen“, ist Peter Reinacher überzeugt.