Geschichte zum Anfassen
: Das Regionalmuseum Römervilla Grenzach wird 40 Jahre alt

Die Römervilla Grenzach ist das einzige Museum für römische Alltagskultur weit und breit. Nun feiert es seinen 40. Geburtstag. Helmut Bauckner blickt zurück.
Von
Helmut Bauckner
Grenzach Wyhlen
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Ein Schutzbau sichert neben einem Teil der freigelegten Mauern des einst herrschaftlichen Anwesens auch weitere interessante Exponate aus der Antike.

Tim Nagengast

Als am 18. April 1980 vier Frauen und 28 Männer im Gasthaus Löwen in Wyhlen den Verein für Heimatgeschichte aus der Taufe hoben und Bernhard Vogt zum ersten Vorsitzenden wählten, konnten sie nicht ahnen, welche Herausforderung bereits drei Jahre später auf den Verein warten würde. Dem Wunsch von Bürgermeister Hans-Joachim Könsler entsprechend sollte unter anderem die Gründung eines Heimatmuseums ein wichtiges Vereinsziel sein, um so überliefertes Kulturgut zu sammeln und für die Ortsgeschichte zu archivieren. Ein überregionales Museum zur Römerzeit hatte man nicht auf dem Schirm.

Dass dort „etwas“ war, wusste man seit 1893

Es war dennoch seit 1893 bekannt, dass im Bereich Hauptstraße/Steingasse ein größeres römisches Gebäude gestanden haben muss, denn bei Wasserleitungsarbeiten für den Ochsenbrunnen stieß man damals auf römische Mauerzüge und fand sogar Bruchstücke einer Säule, die wieder zusammengesetzt im heutigen Museum bewundert werden kann. Da in diesem Bereich 1982/83 ein Bauvorhaben anstand, informierte Erhard Richter vor Baubeginn Gerhard Fingerlin von der Freiburger Denkmalpflege, die daraufhin im Einverständnis mit Kurt Blubacher, dem Grundstückseigner, eine systematische Suchgrabung durchgeführt hat.

In zahlreichen Vitrinen sind unter unter anderem Exponate der römischen Alltagskultur zu sehen.

Foto: Tim Nagengast

Landesdenkmalamt lässt umfassen graben

Sehr schnell stieß man in etwa einem Meter Tiefe auf römische Mauerkronen. Dank Fingerlins Initiative entschloss man sich im Landesdenkmalamt, eine umfassende Grabung vorzunehmen. Auch wenn wegen vorhandener Überbauungen nur etwa ein Sechstel des Hauptgebäudes ausgegraben werden konnte, dokumentieren Funde wie Marmorprofile, Wandmalereien, Stuckornamente und vieles mehr den hohen Baustandard dieses Gebäudes. Dass dies alles nicht wieder unter dem Boden verschwinden darf, war für die engagierten Vorstandschaft und zuvorderst für Erhard Richter klar. Vor allem die über zwei Meter hohe originale Südmauer dieser Villa sollte sichtbar erhalten bleiben, zumal der Ortsname Grenzach sich, wie Richter nachgewiesen hat, von dem römischen Namen Carantius herleitet, der vielleicht zwischen 80 und 280 n. Chr. einmal Besitzer dieses herrschaftlichen Anwesens war.

Nicht nur schauen, sondern auch anfassen: Im Museum Römervilla darf man auch mal selbst nach römischem Muster Dachziegel legen.

Foto: Tim Nagengast

„Sichtbar erhalten“ bedeutete allerdings den Bau eines Schutzhauses, denn eine einfache Überdachung wurde vom Denkmalamt abgelehnt. Dies war eine große Herausforderung für den jungen Verein.

Entstehung als großes Gemeinschaftswerk

Nachdem Kurt Blubacher grünes Licht gegeben und der Gemeinderat, auch dank der tatkräftigen Unterstützung durch Bürgermeister Könsler, mit knapper Mehrheit einem Erwerb des Grundstücks zugestimmt hatte, entschloss sich der Verein für Heimatgeschichte, das Vorhaben zu realisieren.

Die kleine Bühne in der Römervilla wird gerne für kulturelle Anlässe wie etwa Konzerte genutzt.

Foto: Tim Nagengast

Die Hälfte der Baukosten von 550.000 DM konnte durch Zuschüsse vom Land, dem Landesdenkmalamt, vom Landkreis und der Denkmalstiftung gedeckt werden. Die zweite Hälfte wurde durch Spenden aus der Bevölkerung, von der örtlichen Industrie, den angrenzenden Schweizer Gemeinden und verschiedenster Herkunft erwirtschaftet, so dass man am Tag der Einweihung am 20. September 1986 das von der Grenzacher Architektengruppe kostengünstig konzipierte Schutzhaus schuldenfrei übergeben konnte.

Wie ein (nachgebauter) römischer Flaschenzug funktioniert, weiß man nach einem Besuch in der Grenzacher Römervilla.

Foto: Tim Nagengast

Ein Meisterstück darf man das nennen, zu verdanken vor allem dem engagierten Einsatz von Erhard Richter, von Bernhard Vogt für die erfolgreiche Geldbeschaffung und die perfekte Abwicklung und von Kurt Braun, der die architektonische Gestaltung maßgeblich geprägt hat.

Die 2011 gelungene Neugestaltung der Präsentation hat aus dem ursprünglichen Schutzhaus ein Regionalmuseum für römische Alltagskultur gemacht, das nicht nur bei Familien mit Kindern, sondern auch in der Fachwelt große Zustimmung findet.

Am Sonntag, 28. Juni, lädt der Verein für Heimatgeschichte um 11.15 Uhr anlässlich des kleinen Jubiläums zu einer Matinee mit vier Posaunisten aus Budapest ein. Denn das Museum hat sich im Laufe der vergangenen Jahre zusätzlich zu einem kleinen Kulturzentrum entwickelt.