Gescheitertes Pilotprojekt: Das Geothermie-Bohrloch in Basel soll verschlossen werden

Die Vorbereitungen zum Rückbau des Geothermie-Bohrlochs laufen.
IWB- Das Geothermie-Bohrloch in Basel wird für den Rückbau vorbereitet und dauerhaft geschlossen.
- 2006 lösten Tests Erdbeben bis Stärke 3,4 aus – es gab Schäden von rund sechs Mio. Franken.
- 2009 endete das Projekt, 2011 wurde das Bohrloch verschlossen, seit 2012 läuft Überwachung.
- 2017 öffnete man kontrolliert zur Druckentlastung, seither sank die Seismizität deutlich.
- Ab 7. September bis 9. Oktober werden Verschluss und Wand geprüft – der SED überwacht weiter.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Geplant war ein Pionierprojekt der Erdwärmenutzung: Mit dem „Deep Heat Mining“-Projekt in Kleinhüningen sollte in Basel ein erstes kommerzielles Heizkraftwerk nach dem Enhanced-Geothermal-Systems (EGS)-Verfahren verwirklicht werden.
Damit hätte die Anlage Strom für etwa 10.000 und Wärme für rund 2700 Haushalte liefern können. Und: Das Vorhaben hätte zeigen sollen, ob sich die EGS-Technologie auch in einem dicht besiedelten städtischen Gebiet einsetzen lässt.
Doch mit dem Anzapfen der Erdwärme in etwa 5000 Metern Tiefe und dem Einpressen von Wasser erschütterte am 8. Dezember 2006 ein Erdbeben der Stärke 3,4 das Dreiländereck. Obwohl das Einpressen von Wasser umgehend eingestellt wurde, kam es danach noch zu Folgebeben: Drei weitere spürbare Beben mit Lokalmagnituden größer als 3,0 ereigneten sich bis in den Februar 2007 hinein, wie die ETH Zürich in einer Analyse festhält.
Stärke der Erdstöße überraschen
Zwar hatten die Fachleute Erdstöße erwartet, doch waren sie von der Stärke überrascht. Damals entstanden auch Schäden, unter anderem an Gebäuden, die sich auf eine Summe von rund sechs Millionen Franken beliefen und zum überwiegenden Teil abgegolten wurden. Allerdings wurde auch die Bevölkerung verunsichert, weshalb die Verantwortlichen den Bohrturm nach dem Ereignis abbauen und das Projekt vorerst ruhen ließen.
Als Reaktion auf die seismischen Ereignisse gab das Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt eine Risikoanalyse in Auftrag, die über die Zukunft des Geothermievorhabens entscheiden sollte. Die Ergebnisse lagen im November auf dem Tisch. Experten kamen zu dem Schluss, dass eine Fortführung des Projekts zu zahlreichen weiteren Erdstößen führen würde. „Diese Beben können die Größenordnung der Erschütterungen von Ende 2006/Anfang 2007 erreichen oder sogar überschreiten. Wegen der hohen Besiedlungsdichte am Standort Basel müsste als Folge der Beben mit Sachschäden an Gebäuden in der Größenordnung von 40 Millionen Franken gerechnet werden“, erklärte das Amt damals. Und weiter: „Unter dem Aspekt des seismischen Risikos ist der Standort Basel ungünstig, um ein tiefes geothermisches Reservoir im kristallinen Grundgebirge zu nutzen.“
Endgültiges Aus
Nach dem endgültigen Aus für das Geothermie-Projekt im Jahr 2009 wurde das Bohrloch im April 2011 verschlossen. Seit 2012 lässt der Kanton die Seismizität in der Nähe des Bohrlochs durch den Schweizerischen Erdbebendienst (SED) überwachen. 2017 wurde das Bohrloch kontrolliert geöffnet, um den Überdruck im Untergrund zu entlasten. Seither habe sich die Seismizität deutlich reduziert, wie es in der Mitteilung der Industriellen Werke Basel (IWB) weiter heißt.
Langfristiges Konzept sieht Rückbau vor
Unterdessen hat sich in rund 730 Metern Tiefe durch Ablagerungen ein Verschluss gebildet, der nun entfernt werden soll. Anschließend soll die komplette Bohrlochwand bis in eine Tiefe von 4.700 Metern untersucht und gereinigt werden. Um den Rückbau sicher vorzubereiten, finden laut IWB nun die notwendigen Arbeiten zur technischen Zustandsbestimmung der Bohrung in der Tiefe statt. Das langfristige Konzept der Bohrlocheigentümerin IWB sieht nämlich vor, das Loch endgültig zu schließen und rückzubauen. Der Kanton Basel-Stadt begrüßt dieses Vorgehen und hat ein entsprechendes Konzept im Jahr 2020 gutgeheißen. Die nun anstehende Untersuchung ist notwendig für den geplanten Rückbau und dauerhaften Verschluss, heißt es weiter.
Verschluss wird aufgebohrt
Mit einem mobilen Bohrturm – ähnlich wie bei der Bohrung einer Erdsonde – wird zunächst der Verschluss aufgebohrt. Die Arbeiten werden von einem auf Bohrungen spezialisierten Unternehmen aus dem Mittelland ausgeführt. Experten gehen davon aus, dass durch diese Arbeiten keine Erdstöße ausgelöst werden. Die Seismizität in der Nähe der Bohrung wird auch während dieser Arbeiten vom Schweizerischen Erdbebendienst überwacht, so die IWB. Die Arbeiten finden an Werktagen zwischen dem 7. September und dem 9. Oktober auf dem Werkareal der IWB statt. Zeitweise Lärmemissionen zu den gängigen Arbeitszeiten sind laut Mitteilung unvermeidbar.
Anschließend soll mit Ultraschallkameras und Wandstärkenscannern das Bohrloch untersucht und die Bohrlochwand gereinigt werden. Eine Begleitgruppe, bestehend aus Geothermie-Experten, Fachleuten des Schweizerischen Erdbebendienstes, des Gesundheitsdepartementes des Kantons Basel-Stadt und der Energieversorgerin IWB, befürwortet diesen nächsten Schritt, nachdem die seismische Aktivität in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen hat. Und weiter: „Auf Basis des Zustands wird die Begleitgruppe beurteilen, welche Schritte zur dauerhaften Schließung des Bohrlochs geeignet sind.“