Gedämpfte Erwartungen
: Die Basler Wirtschaft läuft, doch die Sorgen wachsen

Die Unternehmen der Region zeigen sich widerstandsfähig. Gleichzeitig blicken sie vorsichtiger auf die kommenden Monate.
Von
sda
Basel
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Exportorientierte Unternehmen spüren die Auswirkungen der geopolitischen Spannungen besonders stark.

Michael Werndorff

Nicht eine akute Krise belastet die Unternehmen am stärksten, sondern die wachsende Unsicherheit. Deshalb brauche die Region Basel jetzt verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen, erklärt die Handelskammer beider Basel (HKBB).

Der HKBB-Stimmungsbarometer Frühling 2026 zeigt ein differenziertes, aber klares Bild: Die Unternehmen der Region Basel stehen weiterhin solide da. 50 Prozent der Befragten beurteilen ihren aktuellen Geschäftsgang als gut bis sehr gut, ein weiteres Drittel als befriedigend. Beschäftigung und operative Tätigkeit bleiben in den meisten Branchen stabil.

Unsicherheit bremst

Für die nächsten Monate äußern sich die Unternehmen aber deutlich vorsichtiger. Sie investieren gezielter, priorisieren stärker und beurteilen ihre Aussichten zurückhaltender als noch im Herbst 2025, heißt es weiter.

„Die Planbarkeit nimmt ab. Geopolitische Spannungen, handelspolitische Risiken, schwankende Energie- und Rohstoffpreise, der starke Schweizer Franken sowie wachsende regulatorische Belastungen erschweren Entscheide. Hinzu kommt, dass für viele Unternehmen stabile und verlässliche Beziehungen zur Europäischen Union von zentraler Bedeutung bleiben“, erläutert Andreas Meier, stellvertretender HKBB-Direktor.

Erfreulich sei, dass die Unternehmen weiterhin investieren, jedoch gezielter. Sie setzen laut Mitteilung vor allem auf Projekte, die Produktivität, Digitalisierung, künstliche Intelligenz und strategische Zukunftsfähigkeit stärken. Infrastruktur- und Kapazitätsausweitungen treten dagegen in den Hintergrund.

Margen unter Druck

Gleichzeitig geraten die Margen in vielen Branchen unter Druck. Belastend wirken vor allem der starke Schweizer Franken, höhere Beschaffungs- und Transportkosten, steigende Energiepreise sowie die nur begrenzte Möglichkeit, zusätzliche Kosten weiterzugeben. Die personelle Situation bleibt stabil, viele Unternehmen prüfen aber ihre Kostenbasis. Exportorientierte Unternehmen spüren die Auswirkungen der geopolitischen Spannungen besonders stark, so die HKBB.

Sinkende Nachfrage

Die US-Zollpolitik verunsichere vor allem wegen ihrer Unberechenbarkeit, heißt es weiter. Unternehmen berichten von sinkender Nachfrage, Margeneinbußen, Investitionsverschiebungen und Zurückhaltung im Markt.

Betroffen sind nicht nur Unternehmen mit direktem US-Geschäft: Zahlreiche Betriebe seien indirekt über internationale Lieferketten, Vorprodukte, Absatzmärkte oder Investitionsentscheide ihrer Kunden von den Entwicklungen betroffen. Ähnlich werden die kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten beurteilt: Sie erhöhen die Risiken in Logistik, Energieversorgung und Lieferketten und führen zu höheren Kosten und mehr Unsicherheit.

Mehr Bürokratie

Auch in der Schweiz wachsen die standortpolitischen Herausforderungen, so die HKBB. Viele Unternehmen nennen hohe Kosten, zunehmende Bürokratie, langsame Bewilligungsverfahren und zusätzliche Regulierungen als wachsendes Problem.

Besonders kritisch beurteilt wird der sogenannte Swiss Finish: Wenn die Schweiz internationale Vorgaben noch verschärft. Das schafft gerade in international verflochtenen Branchen zusätzliche Unsicherheit und Mehrkosten. Die Life Sciences-Branche beschäftigt zudem die Debatte über die Medikamentenpreise.

In einer Zeit hoher internationaler Unsicherheit benötigten die Unternehmen der exportorientierten Region Basel verlässliche, wettbewerbsfähige und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen, erklärt die HKBB. Dazu gehörten auch weniger Sonderauflagen, schnellere Verfahren, ein innovationsfreundliches Preis- und Vergütungssystem bei Medikamenten sowie stabile Beziehungen zur EU.

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