Fünf Jahre auf der Walz: Robin Lämmle aus Degerfelden: „Hatte keine Zeit für Heimweh“

Die Heimkehr nach fünf Jahren auf der Walz: Robin Lämmle wird in seiner Heimatgemeinde begrüßt.
Petra WunderleDer Zimmermannsgeselle war etwas über fünf Jahre auf der Walz und hat sich seinen Lebensunterhalt bei mehr als 20 Arbeitsstellen verdient. Zur Begrüßung sind neben seiner Familie viele Zimmermannsleute und Freunde gekommen. Es gab Umarmungen und Freudentränen. Seine Eltern überraschten ihn mit einem schönen Willkommensfest.
1819 Tage in der Fremde
Genauso wie er am 7. Juni 2020 Degerfelden verlassen hat: In der Kluft des Zimmermanns, dem geschwungenen Holzstock sowie dem Charlottenburger – das ist ein Tuch, in dem Hab und Gut eingewickelt sind – kam er nach 1819 Tagen wieder in seinem Heimatdorf an. „Von Anfang an bis zum Schluss waren wir eine feste fünfköpfige Zimmermänner-Truppe. Vor allem außerhalb Europas war dieser Zusammenhalt von enormer Wichtigkeit und Sicherheit. Selbstverständlich lernten wir auch andere Männer und Frauen, die auf der Walz waren, kennen“, berichtet Robin Lämmle.
Der heute 25-Jährige ging das Versprechen ein, mindestens drei Jahre und einen Tag auf der Walz zu sein. Daraus wurden fünf: „Es war so spannend mit immer neuen Eindrücken. Es war so schön, für mein Handwerk und fürs Leben Neues dazuzulernen, neue Menschen, Sitten, Kulturen und vor allem Arbeitspraktiken und Baustile kennenzulernen“, sagt er. Und ergänzt: „Ich hatte keine Zeit für Heimweh“.
Feste Prinzipien und Regeln
Die „jungen und rechtschaffenen Gesellen“ reisten zu Fuß, per Anhalter, mit dem Zug und mit dem Flugzeug. Ein festes Einkommen oder gar einen Zustupf von Zuhause – das durfte nicht sein, da gibt es feste Prinzipien. Das Handy musste daheim gelassen werden – so sind die Regeln. Auf der Walz wird auf Überfluss verzichtet. „Minimaler Luxus, maximale Freiheit, so die Devise. Zum Übernachten gibt es mancherorts spezielle Herbergen, die oft mit den lokalen Wandergesellen-Schächten verbunden sind, gewohnt wurde auch bei den Arbeitgebern, ganz selten in einem einfachen Hotel, und sehr oft im Schlafsack unter freiem Himmel.
Quer durch Europa ging es, ehe der Degerfelder Geld verdiente, um Geld für einen Flug über den großen Teich zu verdienen. Mexiko, Guatemala, Belize und El Salvador. „Besonders beeindruckend war der Aufstieg auf einen ruhenden Vulkan, daneben ein aktiver Vulkan, dieses Naturschauspiel anzusehen war einmalig.“ Schließlich ging es weiter nach Neuseeland, aber es ging weiter immer weiter – bis nach Kapstadt in Südafrika.
„So wie man auf die Leute zugeht, so reagieren sie. Und wir Zimmermannsgesellen haben einen besonderen Zusammenhalt, eine tiefe Freundschaft erlebt“, zieht er Bilanz. Auf die Walz vorbereitet wurde Robin von Zimmermeister Lothar Knorr, auch waren die beiden die ganze Zeit in Kontakt.