Freche Fasnacht: Närrische Seitenhiebe beim Zunftabend in Istein

Die Frauen der Narrenzunft schwebten als „Feenzauber“ über die Bühne.
Anita Indri-WernerDie jüngsten Mitglieder, der Narresome, werden schon in das Geschehen am Zunftabend eingebunden, zum Beispiel als Moderatoren, was ihnen sichtlich Spaß machte.
Die Fasnacht hat in Istein Tradition. Bereits in der Chronik des Jahres 1286 wurde festgehalten, dass die Bürger dem Landesherren, dem Bischof von Basel, ein Fasnachtshuhn abgeben mussten. Im Jahr 1386 wurde bereits das Fasnachtsfeuer beschrieben. Da liegt es nahe, dass die Isteiner bis heute ein überaus närrisches Volk sind.
Lautstark eröffnete die Ischteiner Guggemusik im Scharivari-Kostüm den unterhaltsamen Abend. Traditionell folgte der Einzug der Isteiner Cliquen, den Zeremonienmeister Bernd Bräunlin kommentierte. In der ersten Reihe waren die Drübel mit ihren vielfältigen Narrenfiguren zu bewundern. Rebbammert, Drübelbisser, Räbheftere, Räbblatt, Drübel und Chuefer stehen für das Weindorf Istein.
Seitenhieb für Holzmüller
„Es isch wieder so wit, unseri Bürgermeischterin het hüt z’zobe für uns kei Zit“, mit diesem kleinen Seitenhieb auf Bürgermeisterin Carolin Holzmüller begann die Begrüßung des närrischen Volkes durch Bräunlin. Räbbammert Markus Britsche wusste in Reim-Form einiges aus dem Dorfgeschehen zu vermelden.
Ob vom Fahrrad, das neben einem „Zu-verschenken-Stand“ abgestellt worden war und kurzerhand ebenfalls mitgenommen wurde oder der Mitgliedskarte eines Vereines, die jeweils statt mit dem Namen des Mitglieds mit „Mustermann“ ausgedruckt wurde. Man kennt sich im Dorf und jedes Missgeschick konnte herzhaft belacht werden.
Sujet: „Nit ganz richtig, isch eineweg verchert“
Und, wenn einer über den Gotthard in Richtung Heimat fährt, um dann in die verkehrte Richtung auf der Autobahn letztendlich wieder in Italien anzukommen, dann ist das eine Nachricht des Räbbammerts wert, mit dem Hinweis auf das Sujet „Nit ganz richtig, isch eineweg verchert“ .
Kess der Vortrag der Orchideen Wiiber, Michaela Buch, Fabienne Grauer und Carolin Maschner, die singend verkündeten, sie bräuchten weder Alkohol noch sonst etwas, sondern nur „Sunne und Ischteiner Luft“.
Autoanhänger vergessen
Autoanhänger vergessen
Traditionell wusste Ortsvorsteherin Daniela Britsche und Simone Sutter in „Radio Schenkeschlössli“ vom Dorfgeschehen zu berichten. Der Autoanhänger wird mit Material beladen, dann geht es ab zur Arbeit, und am Ende wird festgestellt, man ist am Arbeitsplatz, hat aber vergessen, den Anhänger an das Auto zu montieren. Denn, der steht noch daheim. Auch die Gratulation eines Jubilars, allerdings vier Wochen zu früh, war Teil der Nachrichten.
Immer ein Erlebnis ist der Auftritt der „Chlotze Horni“. Die Männerchlique hat mit viel Aufwand ein U-Boot gebaut. Im Hodbach in Efringen-Kirchen werden störende Elemente wie Brücken oder ungeliebte Häuser weggesprengt. Das U-Boot trägt den Namen „CH 96“ mit den Initialen von Carolin Holzmüller, die Bürgermeisterin habe aber bestritten, dass sie ihren Einfluss auf die Namensgebung geltend gemach hat.

Das U-Boot „CH 96“ mit den Initialen der Bürgermeisterin räumt im Hodbach auf und sprengt alle störenden Elemente weg.
Foto: Anita Indri-WernerÜber den SV Istein wurde gewitzelt, denn dieser bot beim Herbsthock statt Metzgete Fischknusperli an, was gar nicht gut angekommen sei.
Die „Chlotze Horni“ machten ihre Sache sehr gut, vor allem wurde viel gelacht, als Tobias Abel wegen seiner Körpermaße nicht durch den Zugang des U-Bootes passte und dort stecken blieb.
In dem Stück „Gruppenchat“, wie die Isteiner Fasnacht geplant wird, zeigten die Burgwächter Istein auf, wie unterschiedlich die Vorstellungen vom Fasnachtmachen sind. Wollten die einen Party und Lightshow, beharrten die anderen auf der Tradition. Mit im Chat war Bürgermeisterin Holzmüller, die verzweifelt um Rathauspersonal warb.
Besonderer Augenschmaus
„Feenzauber“ begeistert
Beim Tanz „Feenzauber“ begeisterten die Frauen der Narrenzunft das Publikum. Hunderte Lichter schwebten über die Bühne, was zu einem ganz besonderen Augenschmaus wurde. Inge Schmid und Markus Britsche saßen als zwei Katzen auf der Bühne.
Die Fischknusperli des SV Istein, der gesperrte Autobahnparkplatz in Kleinkems, die Windräder in Blansingen oder der missglückte Ausflug der Hornis nach Budapest, den beiden gingen die Themen nicht aus. Das traditionelle Musikfest in Efringen-Kirchen sei zur Risikoveranstaltung geworden, auch hier wieder ein kleiner Seitenhieb in Richtung Rathaus mit seiner Regulierungswut.

Der Tanz im gelben Sportanzug brachte den Männern der Narrenzunft viel Beifall ein.
Foto: Anita Indri-WernerWenn die Männer der Narrenzunft tanzen, dann ist das immer ein Hingucker. Im quittengelben Sportanzug mit Pompom legten sie eine kesse Sohle aufs Parket. Das brachte ihnen viel Beifall ein.
Zünftig ließen es die Musiker der Ischteiner Gugge zum Abschluss krachen. Zu dem gelungenen bunten Zunftabend trug der Musikverein Istein mit seinem „singenden musikalischen Leiter Thomas Schmid“ maßgeblich bei. „Alle sind eingeladen, an der Bar und im Saal bis zur Sperrstunde weiter zu feiern“, sagte Zeremonienmeister Bernd Bräunlin.
Auch hier war der kleine Seitenhieb gegen das Bürgermeisteramt nicht zu überhören. Nun denn, Narren dürfen das.