Flächenabgabe in Binzen: Verwilderte Anlagen sind Brutstätte für Schädlinge

Die Abgabe von landwirtschaftlicher Fläche für Freizeitnutzung sorgt für Probleme (Symbolbild).
Arwen StockFrank Krumm hat im Gemeinderat einen kurzen Vortrag über die Landbewirtschaftung in Binzen gehalten. Es verwies auf die Arbeitsgemeinschaft im Dorf, in der sich Landwirte treffen, um sich über Probleme auszutauschen.
Die kleinstrukturierte Bewirtschaftung sei ein Vorteil für Binzen, sagte Krumm. Einige Flächenbesitzer beteiligten sich auch an Pflegetagen und es gebe Erfolge bei der Ansiedlung von gewünschten Tierarten wie dem Feldhasen. Dem gegenüber stünden Probleme mit Schädlingen wie der Amerikanischen Rebzikade und dem Japankäfer.
Viele Flächenbesitzer seien alt und würden ihre Fläche mitunter an Leute verkaufen, die dann einen Schrebergarten einrichten, führte Krumm weiter aus. „Die Leute sind bereit, hohe Preise zu zahlen.“ Gleichzeitig seien die Landwirte froh, wenn sie die Bewirtschaftungspflicht los seien. Werde die Natur dann zum „Freizeitdomizil“, verursache das viel Verkehr am Wochenende.
Viele Bewirtschafter kämen auch von weit her. Das „Drumherum“, zum Beispiel Böschungen, interessiere ortsferne Landwirte aber weniger. Früher sei es so gewesen, dass Landwirte den öffentlichen Bereich mitgemulcht hätten. „Das findet heute weniger statt.“ Krumm plädiert dafür, dass die Flächen im Ort oder nah beim Ort bleiben. Er wünscht sich auch, dass Flächen im Sinne der Bewirtschafter arrondiert werden, so dass eine Bewirtschaftung für sie attraktiv bleibt. Ziel sei der Erhalt einer geschlossenen Rebflur und ein geordneter Flächenrückgang in bestimmten Arealen und Randlagen. Landwirtschaftlich uninteressante Flächen beispielsweise an den Steilhängen könnten von der Gemeinde gekauft und von Nabu oder dem Landschaftserhaltungsverband (LEV) gepachtet werden.
Flächen, die verwildern, können Probleme bereiten. „Die Rebzikade“, erklärte Krumm, „bildet ihre Bestände in verwilderten Anlagen und in Unterhölzern.“ Von dort könne sie dann an die Reben gehen. Der Schädling überträgt die Goldgelbe Vergilbung, die zum Absterben der Reben führt. Krumm findet es bedauerlich, dass die Winzer nun wieder Insektizide einsetzen sollen, um ihre Reben zu retten. „Wir waren froh, dass wir sie nicht mehr anwenden mussten.“
Krumm zeigte ein Bild eines Ortes, in dem kein zusammenhängender Rebberg mehr existiert. „Die Pheromonfallen funktionieren nicht mehr, die Rebflächen verwildern, und es kommt zu einem Drieschenproblem.“ Als Driesche gelten laut Vitipendium mit Reben bestockte Flächen, in denen innerhalb zweier aufeinanderfolgender Jahre die ordnungsgemäße Bewirtschaftung unterblieben ist. Weiter heißt es: „Von brachgefallenen Rebflächen geht ein erheblicher Infektionsdruck auf die benachbarten Rebstücke, insbesondere durch Rebkrankheiten aus, und durch Samenflug wird unerwünschter Unkrautbewuchs gefördert.“
Krumm kritisiert auch das respektlose Verhalten mancher Freizeitnutzer, die Feldwege oder die Einfahrt in Rebzeilen versperren, mit erhöhter Geschwindigkeit unterwegs sind oder ihren Müll nicht mit nach Hause nehmen. Manchmal behinderten die Freizeitnutzer die Landwirte auch bei ihrer Arbeit. Die Landwirte wünschen sich daher, dass manche Wege zurückgebaut werden. Wahrscheinlich würde es dann auch keinen Vandalismus an der Hinkelstein-Hütte mehr geben.
Zum Thema Rebzikaden siehe auch Seite Kandertal.