Familienzentrum Rheinfelden: Viele Ehrenamtliche wollen sich stark engagieren

Franziska Werbing (links) und Franziska Wehber (rechts) studieren ab Herbst berufsbegleitend soziale Arbeit. Als Praxisanleiterin im Familienzentrum steht Geschäftsführerin Birgitt Kiefer zur Verfügung.
Rolf RombachViele Vereine beklagen einen Schwund an Menschen, die Verantwortung übernehmen möchten. Eine erfreuliche Ausnahme ist hier das Familienzentrum (FamZe) mit seinen Treffs in Wyhlen, Grenzach und Rheinfelden. Vergangene Woche zog der Verein bei seiner Mitgliederversammlung Bilanz.
Gestraffter Rückblick: Geschäftsführerin Birgitt Kiefer berichtete, dass der 30. Geburtstag des Vereins im kleinen Rahmen gefeiert wurde. Mit einer Infoveranstaltung zur Kommunalwahl wurde auch eine demokratiebildende Maßnahme vollzogen. „Ich lerne jedes Mal dazu“, zitierte Kiefer eine 75-Jährige, die sich in der Familienküche engagiert.
Für die beiden „Themenbereiche des Jahres“ wurden der Mini-Kindergarten sowie das Gesamtteamtreffen näher beleuchtet. „Das trägt besonders zum Gemeinschaftsgefühl bei“, beschrieb Vorstandsmitglied Leonie Donner die Erfahrungen. Über die Woche und die Standorte verteilt sind derzeit 42 Ehrenamtliche, sechs geringfügig Beschäftigte sowie 13 Angestellte für das FamZe tätig. An den Treffen kommen sie zusammen. „Und selbst die sozialpädagogischen Kennenlernspiele kommen gut an“, lachte Birgitt Kiefer.
Wichtiger Baustein im Netzwerk: Der Mini-Kindergarten hat in zwei tagesversetzten Gruppen 20 Kinder in der Betreuung, die von vier Fachkräften geleitet werden. Wegen der fehlenden Betreuungsplätze in Rheinfelden sind zeitweise auch Kinder im Alter über drei Jahre bis zum Sommer in den Gruppen.
Im Auftrag von Stadt und Landkreis betreut das FamZe den Fachbereich Kindertagespflege zwischen Grenzach und Schwörstadt mit Beratung, Vermittlung und Begleitung von Tagesmüttern und Eltern. Derzeit sind mehr als 100 Kinder bei 31 aktiven Tagespflegepersonen, wie Karen Maywald ausführte, während ihre Kollegin Jennifer Neuschütz zeitgleich den aktuellen Qualifikationskurs unterrichtete.
In diesem erhalten die angehenden Tagespflegepersonen 300 Unterrichtseinheiten Wissen vermittelt. Mit einer Abschlussarbeit, einer Konzepterstellung und einem Kolloquium endet die Maßnahme nur temporär. Jährlich sind 20 Fortbildungsstunden Pflicht, um die hohen Qualitätsansprüche aufrecht zu erhalten. „Lebenslanges Lernen ist für viele von uns also eine Selbstverständlichkeit“, ergänzte Birgitt Kiefer.
Neue Satzung: Ein längerer Weg war die Aktualisierung der Vereinssatzung. Obwohl es hauptsächlich redaktionelle Anpassungen waren, dauerte es bis zur Eintragung im Vereinsregister am Ende drei Jahre, berichtete Leonie Donner.
Geregelte Finanzen: Obwohl erstmals seit Jahren ein geplantes Minus in der Jahresbilanz verbucht wurde, sei dies kein Problem, wie Wibke Rombach ausführte. Zum einen liefen Projektgelder aus, die in den Vorjahren als Einnahmen registriert wurden. Andererseits führte die Angleichung an die Löhne des TVÖD für Mehrausgaben bei den Personalkosten, „die wir gerne bezahlen“. Erfreut zeigten sich die Verantwortlichen über rund 28 000 Euro Spenden für den Verein. Damit konnten die um 21 Prozent gestiegenen Raum- und Energiekosten ein wenig abgefedert werden. Während in diesem Jahr die Neuverhandlung und Verlängerung des Fördervertrages mit der Stadt Rheinfelden ansteht, ist gleiches für 2026 mit Grenzach-Wyhlen vorgesehen. Um Kosten zu vermindern, wird das Jahresprogramm nicht mehr in gedruckter Form aufgelegt.
Ausblick: Bedeutendste Veränderung ist im Familienzentrum, dass der Verein ab Herbst Praxisplatz für Studenten der sozialen Arbeit an der Fachhochschule Nordwestschweiz wird.
Die Anerkennung von Birgitt Kiefer als Praxisanleiterin ist bereits erfolgt, nun fehlt nur noch die Zulassung von Franziska Wehber und Franziska Werbing. Beide sind seit vielen Jahren feste Mitarbeiterinnen. „Für mich soll es persönlich nochmal weitergehen. Ich habe Lust, mich weiterzuentwickeln“, sagte Wehber.
„Ich will auch in zehn Jahren noch Teil des FamZe sein. Die Aufgabenfelder sind spannend, aber man muss Fachkraft sein, um richtig reinzukommen. Also muss ich Lernen lernen und bin froh, dass wir das zusammen machen werden“, ergänzte Werbing.