Erinnern an NS-Opfer in Steinen: Stolpersteine für Familie Oppenheim

Die Stolpersteine zur Erinnerung an die Eheleute Oppenheim wurden im Rahmen einer feierlichen Zeremonie am Montag in Steinen verlegt.
Gerhard Schaum- In Steinen wurden zwei Stolpersteine für Dr. Erich Alfons Oppenheim und Eva Wenger-Oppenheim verlegt.
- Die Zeremonie fand in der Eisenbahnstraße statt – viele Bürger nahmen teil.
- Vertreter der IG Stolpersteine berichteten über das Schicksal der Familie und das Kunstprojekt.
- Schülerinnen trugen Gedichte vor und betonten Zugehörigkeit, Respekt, Füreinander, Mut, Erinnerung.
- Dr. Oppenheim praktizierte bis 1936 in Steinen, verlor durch den Nationalsozialismus seine Existenz.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
In Kooperation mit der IG Stolpersteine Wiesental hat die Gemeinde Steinen am Montag die ersten beiden Stolpersteine in Steinen verlegt. Sie sollen an das Schicksal des in Steinen bis 1936 praktizierenden Arztes Dr. Erich Alfons Oppenheim und seine Frau Eva Wenger Oppenheim erinnern. Zahlreiche Bürger nahmen an der Zeremonie in der Eisenbahnstraße teil. Der Initiator und Künstler des europaweiten Kunstprojektes Gunter Demnig konnte nicht persönlich nach Steinen reisen. Er wurde vertreten von Frank-Matthias Mann, der parallel zur Zeremonie die beiden Stolpersteine verlegte.
Bürgermeister Gunther Braun erinnerte an das Schicksal der Familie mit ihren drei Kindern. Er begrüßte die Stolpersteinverlegung in der Ortsmitte ausdrücklich. „Dies ist ein besonderer Moment für unsere Gemeinde. Neben unserem Meret-Oppenheim-Schulzentrum erinnert nun ein weiterer Ort an die Familie Oppenheim, die hier bei uns in Steinen zu Hause war“, sagte er.
Neuntklässler haben zur Historie recherchiert
Christian Rave und Andrea Menne von der IG Stolpersteine Wiesental stellten das europaweite Kunstprojekt des Künstlers Gunter Demnig vor und informierten ausführlich über das Schicksal des jüdischen Arztes und seiner Frau. Schülerinnen des Meret-Oppenheim-Schulzentrums trugen das Gedicht „Gemeinsam“ von Rose Ausländer zur Zeremonie bei und riefen ihre eigene Generation zur Wachsamkeit und Toleranz auf.
Fünf Kernbotschaften waren den Schülerinnen dabei sehr wichtig: Zugehörigkeit, Respekt, Füreinander, Mut, Erinnerung. Pfarrer Ingo Meissner, von der evangelischen Kirchengemeinde Steinen, las aus Briefen aus den Jahren 1943 und 1944 vor. Daraus geht hervor, wie sehr die Arbeit des Arztes Dr. Oppenheim in Steinen geschätzt wurde. Die beiden im Original erhaltenen Briefe überreichte Ingrid Jennert vom Förderverein Meret Oppenheim während der Zeremonie an die Gemeinde. Zum Abschluss trug Cornelia Blum das Gedicht „Ein Name kehrt zurück“ vor. Für das musikalische Rahmenprogramm zeichneten Wilhelm von Dungen und Dr. Peter Geisler von der Musikschule Mittleres Wiesental verantwortlich.

Die Stolpersteine erinnern an die Eheleute Oppenheim.
Gerhard SchaumBeim abschließenden Apéro im Foyer des Meret-Oppenheim-Schulzentrums zeigten Schüler der Klasse 9e ihre umfangreichen Informationen zur Geschichte der Familie Oppenheim und zu Meret Oppenheim. Sie hatten im Unterricht intensiv zum Schicksal der Familie recherchiert und sich informiert.
Eine Hinweistafel zu Dr. Erich Alfons Oppenheim, die am Zaun bei den Stolpersteinen angebracht werden soll, ist in Arbeit.
Über den Arzt Dr. Erich Alfons Oppenheim
Nach seiner Teilnahme am 1. Weltkrieg als Lazarettarzt von 1918 – 1936, praktizierte er in Steinen. Der erfolgreiche fortschrittliche Mediziner war Anhänger der Lehre von Carl Gustav Jung und bei seinen Patientinnen und Patienten äußerst beliebt. Noch aus dem Schweizer Exil fühlte sich der Träger des Eisernen Kreuzes der Gemeinde Steinen und besonders dem Ortsverband des Roten Kreuzes verbunden, den er als Kolonnenführer (Vorsitzender) aufgebaut hatte. Auf Grund seiner jüdischen Wurzeln verlor er durch den Nationalsozialismus seine Existenz: ab 1934 durften jüdische Ärzte nicht mehr praktizieren. Der Umstand, auch in der Schweiz seinen Beruf nicht ausüben zu können, raubte ihm zunehmend seinen Lebensmut. Dr. Erich Alfons Oppenheim starb 1964 in Carona/Tessin.
Über Eva Wenger-Oppenheim
Eva Oppenheim-Wenger musste 1935 Deutschland überstürzt verlassen. Sie glaubte sich unbeobachtet und spuckte auf ein in einer Lörracher Buchhandlung hängendes Porträt von Adolf Hitler. Sie wurde dabei beobachtet und angezeigt. Jemand hat sie gewarnt und ihr geraten, Steinen umgehend zu verlassen. Mit ihren Kindern (darunter die später bekannte Künstlerin Meret Oppenheim) lebte sie zuerst in Basel, im Haus ihrer Eltern, bevor sie später mit der ganzen Familie ins Tessin zog.