Energiewende in der Region: Bürgerenergie in Binzen sieht sich gut aufgestellt

Die Genossenschaft Bürgerenergie Dreiländereck mit Sitz in Binzen will ihren Ausbaukurs mit neuen PV-Anlagen in der Region auch künftig fortsetzen (Symbolbild).
Marijan Murat/dpaDie Bürgerenergie Dreiländereck eG (BE3Land) betreibt inzwischen 106 Photovoltaikanlagen und erzeugte damit im vergangenen Jahr rund 4,2Millionen Kilowattstunden (kWh) Strom. Damit können rechnerisch etwa 1530 Drei-Personen-Haushalte versorgt und rund 4200 Tonnen CO₂ pro Jahr eingespart werden, teilt die Genossenschaft im Nachgang mit.
Im Mittelpunkt der Versammlung standen zudem aktuelle Marktbedingungen und der Ausblick auf kommende Herausforderungen. „Die Energiewende wird vor Ort entschieden. Unsere Zahlen für 2025 zeigen, dass Bürgerenergie im Dreiländereck wirkt – ökologisch, wirtschaftlich und mit unmittelbarem Nutzen für die Region. Diesen Weg wollen wir konsequent weitergehen“, erklärte Geschäftsführer Dirk Uhrhan.
Die Sonneneinstrahlung im Jahr 2025 lag für die „BE3Land“ leicht unter dem langjährigen Mittel. Dennoch konnte die Stromausbeute der Anlagen im Vergleich zum Vorjahr gesteigert werden.
Das Marktumfeld für Photovoltaik habe sich im Vorjahr spürbar verändert. Der anhaltende bundesweite Ausbau führte zu wachsenden Anforderungen an Netzintegration, Steuerbarkeit und Speicherlösungen.
Zugleich blieb Photovoltaik ein zentraler Baustein der Energiewende. Bundesweit stammten 2025 rund 58,6 Prozent des in Deutschland erzeugten und ins Netz eingespeisten Stroms aus erneuerbaren Energien, heißt es in der Mitteilung. Die Photovoltaik legte dabei deutlich zu und rückte auf Platz zwei der wichtigsten Energieträger vor.
Anforderungen an Planung und Betrieb wachsen
Für die „BE3Land“ bedeutet das: Die Anforderungen an Planung und Betrieb von PV-Anlagen wachsen, zugleich steige ihre Bedeutung für eine regionale, klimafreundliche Energieversorgung weiter. Ergebnisse des Anlagenportfolios 2025 zeigten insgesamt ein leicht unterdurchschnittliches Sonnenjahr, das jedoch deutlich über dem sonnenarmen und regenreichen Jahr 2024 lag. Über alle Anlagen hinweg produzierte die „BE3Land“ rund 15 Prozent mehr Strom als im Vorjahr, heißt es.
Die Bürgerenergie Dreiländereck betreibe 60 PV-Anlagen, deren Strom direkt im Gebäude verbraucht werde, 25 PV-Anlagen, deren Strom vollständig in das öffentliche Netz eingespeist werde, und drei Direktvermarktungsanlagen, deren Strom über die Strombörse in Leipzig verkauft werde.
Hinzu kommen zwei verpachtete PV-Anlagen sowie 16 PV-Anlagen, die im Mieterstromprojekt in Zusammenarbeit mit der naturenergie AG betrieben würden und die insgesamt 339 Mietwohneinheiten mit umweltfreundlichem Strom versorgten.
Mit ihrem Kraftwerkspark aus 106 PV-Aufdachanlagen und einem Anteil von gut 25 Prozent am Freiflächensolarpark „Am Rhein“ bei Rheinfelden-Herten betrage die gesamte installierte Leistung 4957 Kilowattpeak (kWp).
Die erzeugte Strommenge von rund 4,2 Millionen Kilowattstunden (kWh) entspreche rechnerisch dem Bedarf von rund 1530 Drei-Personen-Haushalten; zugleich würden etwa 4200 Tonnen CO₂ pro Jahr eingespart.
Im Jahr 2025 nahm die Genossenschaft mehrere neue Anlagen in Betrieb: unter anderem auf dem Hauptgebäude der Buttenbergschule in Inzlingen, auf dem sanierten Dach des Nebengebäudes des Hebel-Gymnasiums in Lörrach, auf dem Neubau der Sporthalle Fridolinschule in Stetten sowie auf Gebäuden in Binzen, heißt es.
Dazu zählen die zweite Anlage bei Resin mit einer Leistung von 100 kWp und eine 65-kWp-Anlage auf dem Nebengebäude des Rathauses. Eine kleinere Anlage mit 12,3 kWp auf dem Dach des Küchentrakts der Festhalle Fahrnau wurde unter Verwendung rückgebauter Module realisiert.
Grünwuchs und Verschattung spielen wichtige Rolle
Die ertragsstärksten Anlagen waren 2025 die neue PV-Anlage auf dem Dach der Buttenbergschule in Inzlingen mit 1115 kWh/kWp sowie die PV-Anlage auf dem Sportheim Binzen mit 1104 kWh/kWp. Mit zunehmendem Alter der elektrotechnischen Komponenten steige der Wartungsaufwand einer PV-Anlage.
Neben technischen Problemen spielten dabei auch Grünwuchs und Verschattung eine wichtige Rolle. Zur Überwachung setzt die Genossenschaft Inspektionsflüge mit Drohnen ein, um frühzeitig Maßnahmen einleiten zu können. Im Solarpark Herten habe eine Kombination aus Grünpflege und Modulreinigung Wirkung gezeigt: Nach einer unter den Erwartungen liegenden Produktion im Vorjahr habe die Maßnahme zu einer Ertragssteigerung von rund zwölf Prozent gezeigt.
Zugleich verweist die Genossenschaft in ihrer Mitteilung darauf, dass Modulreinigungen stets unter technischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten bewertet werden müssen.
Anspruchsvoll aber wirtschaftlich erfolgreich
Insgesamt war 2025 für die Bürgerenergie Dreiländereck ein anspruchsvolles, aber wirtschaftlich erfolgreiches Geschäftsjahr. Die bessere Sonneneinstrahlung im Vergleich zum Jahr 2024 habe ebenso wie technische und organisatorische Maßnahmen dazu beigetragen, Verschattung, Wartungsaufwand und veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu bewältigen. So konnte ein Bilanzgewinn von 109.000 Euro erwirtschaftet werden.
Die Genossenschaft schließt das erfolgreiche Geschäftsjahr 2025 mit einer Dividendenausschüttung an die Mitglieder von 2,5 Prozent ab.
Herausforderung: Investitionsentscheidungen für neue PV-Anlagen
Zu den künftigen Herausforderungen zählen vor allem Investitionsentscheidungen für neue PV-Anlagen unter den seit Februar 2025 geltenden gesetzlichen Vorgaben.
Dazu gehören unter anderem Regelungen zur Einspeisebegrenzung, zur Vergütung bei negativen Strompreisen und zur erleichterten Direktvermarktung. Die Genossenschaft sieht sich dennoch gut aufgestellt, um ihren Ausbaukurs in der Region fortzusetzen.
Genossenschaft
Die Bürgerenergie
Dreiländereck ist eine unabhängige, im Jahr 2012 von Bürgern gegründete Energiegenossenschaft mit Sitz in Binzen. Mit aktuell 478 Mitgliedern engagiert sie sich für eine nachhaltige, faire und regionale Energieversorgung. Als Partnerin von Kommunen, Gewerbe und Wohnungsbauunternehmen ist die Genossenschaft im Dreiländereck mit 106 PV-Anlagen und einem Eigenkapital von rund 3,2 Millionen Euro gut aufgestellt. Neue Mitglieder sind willkommen. Kontakt: Geschäftsführer Dirk Uhrhan, E-Mail: uhrhan@be3land.de