Eine Million Euro Schaden: Nach verheerendem Brand in Lörrach - Betroffene suchen Wohnungen

Die Ruine des ausgebrannten Hauses zeugt von dem Brand, der in der Nacht auf den ersten Weihnachtstag ausgebrochen ist. Das Schicksal der betroffenen Familien bewegt die Menschen in der Stadt weiter, wie die Spendenbereitschaft zeigt.
Adrian Steineck„Da sitzen die Familien an Heiligabend bei der Bescherung – und in der Nacht verlieren sie alles!“ Fassungslos erzählt eine Frau beim Einkaufen einer Bekannten von den tragischen Geschehnissen des Brandes in der Nacht zum ersten Weihnachtsfeiertag. Das Schicksal der Familien, die ihre Wohnungen, teilweise ihr ganzes Hab und Gut verloren haben, bewegt. Und mündet in große Spendenbereitschaft.
Der Schaden des Brandes wird inzwischen auf eine Million Euro geschätzt, erklärt Pressesprecher Christoph Efinger auf Nachfrage. Der 46-jährige Mann, der versucht hatte, den Brand zu löschen, musste mit schweren Verbrennungen in eine Spezialklinik nach Zürich gebracht werden. In Lebensgefahr ist er laut Polizei nicht. Um die Brandursache zu klären, seien derzeit Techniker vor Ort, auch der Verletzte werde befragt, sobald dies möglich sei. „Ich rechne nicht mit einer Klärung noch in diesem Jahr“, sagt Efinger.
Gerade die Brandursache treibt die Menschen verständlicherweise um. Efinger stellt daher klar, dass es sich bei der Brandquelle um einen „technischen Kamin“ gehandelt habe, was nicht bedeute, dass ein klassischer Holzofen entbrannt sei. Ob es sich um einen Defekt oder falsche Bedienung gehandelt habe, sei noch völlig offen.
Man kann sich wohl nur ansatzweise vorstellen, wie es den betroffenen Familien geht, wenn geliebte Gegenstände, Erinnerungsstücke, Kleidung, Dokumente verbrannt oder von Löschwasser beschädigt sind.
Familie kann nichts retten
„Es gibt eine Familie, die hat wirklich gar nichts retten können“, erzählt Angelika Mauch vom Familienzentrum. Sie hat noch am Folgetag gedacht: „Wir müssen helfen. Wir können das.“ Neben Musiker Peter Geiselhart, der als erster eine Spendenaktion startete, und Gastronom Mick Gäntzel hat sie daher eine umfassende Initiative organisiert.
Schließlich sei sie bestens vernetzt, Whatsapp-Gruppen von Eltern und Mitarbeitern funktionierten wie die berühmte Buschtrommel. Kurz nach ihrem Aufruf wurden die ersten Sachspenden vorbeigebracht. „Mittlerweile haben wir über 100 Mails mit Angeboten, wir konnten noch gar nicht alle beantworten“, erzählt sie. Was natürlich auch benötigt wird, sind Möbel. „Uns werden ganz tolle Sachen angeboten, ganze Sitzgruppen“, begeistert sie sich.
Wohnungen gesucht
Der Haken an der Sache: Da die betroffenen Familien noch keine feste neue Bleibe haben, müssen Möbel oder Waschmaschine zunächst untergestellt werden. „Wir bräuchten dringend einen Lagerraum oder Container zum Unterstellen, bis Wohnraum gefunden ist“, so ihr Appell. Am nötigsten seien daher Wohnungsangebote. Eines ist bereits eingegangen. Der Besichtigungstermin ist zeitnah. Mauch hofft, dass es passt. Bislang wohnen die Betroffenen in Ferienwohnungen, Hotels oder bei Freunden. „Die neuen Wohnungen sollten in Lörrach sein. Damit die Familien in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können“, wünscht sich Mauch.
Bei der Annahme von Sachspenden müsse sie bis 11. Januar einen Schnitt machen. „Wir müssen die Angebote Schritt für Schritt abarbeiten.“
Betroffene müssen Trauerarbeit leisten
Angelika Mauch ist überwältigt von der Resonanz. Auch ein Arzt sei extra vorbeigekommen, damit er den Betroffenen benötigte Rezepte ausstellen kann.
Zu Herzen geht ihr das Schicksal der Betroffenen. Die müssten jetzt eine Art Trauerarbeit leisten. Viele verstünden erst nach und nach, wie viel sie verloren haben. „Die Familien sind alle sehr tapfer und auch sehr nett und solidarisch zueinander“, hebt sie hervor. Sie versichert, dass Geldspenden eins zu eins den Betroffenen zukommen.
Entsetzt ist sie hingegen über den Voyeurismus vieler Menschen angesichts des tragischen Schicksals anderer.
„Das nimmt einen mit“
Diesen beklagt auch Feuerwehrmann Michael Ortlieb. Ihm geht das Schicksal der Menschen sehr ans Herz – auch als Profi. „Wer sagt, er könne das problemlos Zuhause ablegen, dem glaube ich nicht. Das nimmt einen schon mit.“

Der Ort des Brandes, von der Straße her gesehen
Foto: Adrian SteineckDer Leiter der Lörracher Feuerwehr hatte eigentlich über die Weihnachtstage dienstfrei. Angesichts der Größe des Einsatzes – rund 150 Kräfte waren insgesamt vor Ort – habe er sich aber natürlich auch zum Brandort begeben, erzählt er unserer Redaktion. Stolz ist er auf die Einsatzbereitschaft seiner Kameraden, von denen viele nachts ihre Familien oder Freunde allein lassen mussten. „Ich selbst bin am Folgetag erst gegen 14 Uhr wieder Zuhause gewesen. Wenn man ab 2 Uhr nachts im Einsatz ist, ist der Tag dann natürlich gelaufen.“ Zumal anschließend Kleidung und Material gewaschen, geprüft und wieder fit gemacht werden müssten.
Voyeurismus beklagt
Auch Michael Ortlieb ist irritiert von der unliebsamen Schar an Neugierigen und Gaffern, die sich bei solchen Katastrophen meist sehr schnell einfinden – und alles filmen. „In diesem Fall war es nachts nicht ganz so extrem, weil viele schliefen.“ An den Folgetagen allerdings pilgerten sehr viele Schaulustige zu den Brandruinen. „Das gehört sich nicht.“ Zeugen von Unfällen sollten lieber Hilfe rufen, anstatt Videos zu drehen. Doch seit dem Handyzeitalter erlebe er die Lust am Filmen von Unfällen oder Katastrophen alltäglich in seiner Arbeit. „Wir müssen zunehmend mit Sichtschutz aufrüsten.“
Vorsicht bei Böllern
An Silvester hat der Lörracher Feuerwehr-Chef Dienst. Und hofft auf die Vernunft der Menschen: „Hände weg von illegalen, selbstgebauten Böllern.“ Damit nicht wieder Menschen durch einen Brand ihre Heimat verlieren.
Wer ein Wohnungsangebot hat, kann dies per Mail an info@kinderland-loerrach.de unter dem Stichwort Wohnung mailen.