Ehrenamtliche Mülltaucher: Rhein in Basel – Diese Funde überraschen selbst die Taucher

Jeroen Dierssen (links) und Sascha Meier befreien den Rhein vom Müll. Beide engagieren sich im Verein R(h)eingeworfen. Nach jedem Tauchgang landet der Unrat auf einer Matte. So wollen sie die Passanten für eine saubere Umwelt sensibilisieren
Michael Werndorff- Ehrenamtliche Taucher von R(h)eingeworfen räumen bei Basel Müll aus dem Rhein.
- Gefährliche Funde häufen sich – Messer, Glasscherben und scharfkantige Dosen.
- Hotspot ist die Dreirosenbrücke, wo sich Abfall schnell sammelt; Schwimmschuhe werden empfohlen.
- Die Gruppe zeigt die Funde vor Ort und auf Instagram, um Passanten zu sensibilisieren.
- Ausstellung geplant: 2. bis 7. September treffen Flussfunde auf künstlerische Arbeiten.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Jeroen Dierssen taucht aus dem Rhein auf, in der Hand hält er ein scharfes Küchenmesser: „Das will man nicht im Fuß stecken haben, ganz schön gefährlich.“ Zudem findet er noch jede Menge Schnapsflaschen, Kronkorken und Glasscherben, die er bei jedem Tauchgang vom Grund des Rheins holt und in einem Netz sammelt. Die Sicht unter Wasser könnte kaum besser sein, meint Mitstreiter Sascha Meier.
Beide engagieren sich im gemeinnützigen Verein R(h)eingeworfen, in dem ehrenamtliche Taucher regelmäßig Abfall aus dem Rhein bei Basel holen. Ausgestattet mit Taucherbrille, -schuhen und Neoprenanzug tauchen die beiden am Ufer vor dem Museum Kleines Klingental immer wieder ab und suchen, was andere weggeworfen oder verloren haben. Nachdem der erste Tauchgang nur Müll zutage fördert, landen wenig später auch Sonnenbrillen im Netz, um anschließend mit dem Unrat auf einem ausgelegten blauen Transparent den Passanten präsentiert zu werden.
Der Verein macht dabei auf sich und die Verschmutzung des Rheins aufmerksam. „Unsere Mission ist es, den Rhein und seine Ufer vom Abfall zu befreien. Wir wollen die Passanten sensibilisieren und zeigen die verborgene und verschmutzte Welt unter Wasser“, sagt Meier. „Und das gelingt uns bisweilen auch. Die Müllproblematik sei schon einmal schlimmer gewesen“, ergänzt Dierssen.
Abfall geht nie aus
Noch ist die blaue Matte so gut wie leer. Bis zum Abend soll sich das noch ändern, weiß der Vereinsvorsitzende. Der Abfall scheint jedenfalls nie auszugehen. Entweder lande der Unrat vor Ort im Fluss, oder der Rhein bringe ihn von flussaufwärts mit, erklärt er. Besonders schlimm sei es an der Dreirosenbrücke, wo sich der Dreck im Rekordtempo sammelt. Das sei ein Fass ohne Boden.
„Lag das etwa alles auf dem Grund?“, will ein Passant wissen, der etwas nachdenklich auf das Sammelsurium blickt. „Ja, das werfen die Leute unachtsam in den Fluss“, so Dierssen. Besonders gefährlich sei dies unmittelbar am Ufer an den Einstiegsstellen. Daher rät er dringend dazu, Schwimmschuhe zu tragen. „Danke für eure Arbeit, die Leute lernen es immer noch nicht“, sagt der Passant und spaziert weiter.

Scherben, Messer, scharfkantige Dosen: Unter Wasser lauern viele Gefahren.
Michael WerndorffNoch mehr Müll
Es kommt Nachschub: Ein Dritter im Bunde – ein ehemaliger Berufstaucher – kippt weiteren Müll auf die Matte. Eine Plastikrose, aufgeschnittene, scharfkantige Getränkedosen und noch mehr Kronkorken glitzern unter der heißen Sommersonne. Die ehrenamtlichen Mülltaucher präsentieren ihre Funde regelmäßig auf ihrem Instagram-Account. Geknackte Fahrradschlösser, Smartphones, Geldbörsen – manchmal mit, manchmal ohne Ausweise – Metallschrott, Laptops und Velos. Eine komplette Stereoanlage haben die Taucher auch schon an Land geschleppt. „Wir finden so ziemlich alles“, sagt Meier schmunzelnd. „Uns hat jüngst die Anfrage einer Frau erreicht, ob wir ihren verlorenen Ring bei der Dreirosenbrücke suchen können. Wir haben das Schmuckstück gefunden und konnten es der Frau zurückgeben“, berichtet Dierssen. „Die Freude war riesig.“ Auch versuche man immer wieder, die Besitzer von geklauten Ausweisen ausfindig zu machen.
Velo zweimal geklaut
Es gibt aber auch unschöne Erlebnisse: Jüngst habe man ein teures Elektrovelo aus dem Rhein gefischt und die Polizei in Kenntnis gesetzt. „Die sagten, wir sollen es abstellen, man kümmere sich darum. Dann lief es aber anders. Weil die Polizei das Fahrrad doch nicht abgeholt hatte, wurde es ein weiteres Mal geklaut“, moniert Dierssen. Die Besitzerin, die das Fahrrad auf dem Instagram-Konto des Vereins wiedererkannt hatte, ging leer aus.
Das Tauchen sei anstrengend: „Luft anhalten und der Kampf gegen die Strömung – den ganzen Tag. Es macht aber sehr viel Spaß, und wir tun etwas für die Allgemeinheit“, betont Meier. Wie man zu diesem Hobby kommt? Am Anfang stand eine Scherbe. In diese sei Gründerin Karin Brunner vor einigen Jahren getreten, und dann entstand die Idee, den Rhein vom Abfall zu befreien. Dierssen teilt Brunners Negativerlebnis: Nach dem Tritt in eine Scherbe sei der Sommer für ihn gelaufen gewesen, ärgert er sich rückblickend. Ein besonderes Augenmerk legen die Müllsammler daher auf die Ein- und Ausstiegsstellen am Rhein.

Der Verein betreibt Öffentlichkeitsarbeit und freut sich über Unterstützer.
Michael WerndorffAusstellung geplant
Mittlerweile ist Brunner weggezogen, die Mitstreiter machen ohne das Gründungsmitglied weiter. Das Ziel: Der gemeinnützige Verein soll weiter wachsen und bekannter werden. Mittlerweile erhalten die Taucher Unterstützung von der Christoph Merian Stiftung, vom Kultur- und Begegnungsort kHaus und dem Projekt Franck Areal. Mit dem finanziellen Zustupf kann der Verein seine Arbeit weiter ausbauen und professioneller betreiben. Man freue sich aber auch über Geld- und Sachspenden: Neoprenanzüge und Brillen würden immer benötigt. Übrigens: Der meiste Müll landet bei der Stadtreinigung, ausgesuchte Stücke und Kuriositäten wollen die mittlerweile 17 aktiven Mitglieder aber in einer Ausstellung präsentieren. So treffen vom 2. bis 7. September Flussfunde auf künstlerische Interpretationen, verrät Dierssen. „Das wird ein Treffpunkt für alle Generationen, um über den Schutz unseres Rheins ins Gespräch zu kommen und gemeinsam aktiv zu werden.“ Weitere Infos erhalten Interessierte unter www.rheingeworfen.ch.