Dorfjubiläum: In Feuerbach gibt es gleich doppelt Grund zu feiern

Freuen sich auf das Doppeljubiläum: Ortsvorsteher Björn Trupp (links) und Gesangsvereinsvorsitzender Karl-Heinz Deiß.
Siegfried Feuchter„Vor 50 Jahren haben wir schon gemeinsam gefeiert, als unser Ort 700 Jahre alt und der Gesangverein 100 Jahre alt wurde“, sagt Ortsvorsteher Björn Trupp im Gespräch mit unserer Zeitung und fügt hinzu: „Gemeinsam lässt sich so ein Fest besser stemmen.“ Der promovierte Chemiker, der seit 30 Jahren in dem idyllisch gelegenen Ort lebt, steht seit einem Jahr an der Spitze Feuerbachs. Wie intakt die Dorfgemeinschaft ist, unterstreicht auch Karl-Heinz Deiß, seit mehr als 30 Jahren Vorsitzender des Gesangvereins. Der Chor ist inzwischen der einzige Verein in Feuerbach. Darüber hinaus gibt es noch die Freiwillige Feuerwehr.
Gemeinschaft wird gelebt
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich ein gravierender Strukturwandel vollzogen. Gleichwohl stellt Trupp fest: „Wir leben hier herrlich – eingebettet in eine Naturlandschaft.“ Und Deiß bekräftigt: „Bei uns im Dorf wird die Gemeinschaft gelebt.“ Entsprechend wird am Samstag, 12., und Sonntag,13. Juli, auch kräftig gefeiert.
Den Strukturwandel macht der Feuerbacher Ortsvorsteher besonders an einer Zahl fest: 1966 gab es noch 30 landwirtschaftliche Betriebe im Ort, heute dagegen keinen einzigen Vollerwerbsbetrieb mehr. Weitere wichtige Einschnitte: 1972 hat nach mehr als 400 Jahren die Grund- und Hauptschule geschlossen, 1976 der Gemischtwarenladen und seit 1994, als der „Rebstock“ zumachte, gibt es kein Gasthaus mehr. Mit Ausnahme eines Friseurgeschäfts hat Feuerbach keinen Gewerbebetrieb mehr. „Wir sind zum reinen Wohn- und Pendlerort geworden“, betont der Ortsvorsteher, der jedoch das idyllisch gelegene Dorf als „liebens- und lebenswert“ hervorhebt. Dies lässt sich auch daran ablesen, dass zahlreiche junge Familien im Ort leben. Auch ein Waldorfkindergarten hat Feuerbach, der aus einer Spielgruppe 1987 hervorgegangen ist.
Die Gemeindereform wird positiv bewertet
Positiv bewerten sowohl Trupp als auch Deiß die Gemeindereform, als 1974 Feuerbach in die Stadt Kandern integriert wurde. Denn ansonsten hätte der Ort mit seiner schwachen Finanzkraft den Ausbau der Infrastruktur nicht stemmen können. Ohnehin sei die Zusammenarbeit mit der Kernstadt sehr gut. Durch das Neubaugebiet mit seinen 21 Bauplätzen rechnet der Ortsvorsteher damit, dass Feuerbach seine Einwohnerzahl in naher Zukunft um 20 Prozent steigern wird.
Gesangverein als Eckpfeiler
Ein Eckpfeiler im dörflichen Leben ist seit jeher der Gesangverein mit seinen 35 Aktiven. Heute tritt der Verein als gemischter Chor unter der musikalischen Leitung von Ulrike Rombach auf. Außerdem gibt es noch einen Kinder- und Jugendchor mit 27 Kindern. „Bei uns ist alles im Lot“, freut sich Vorsitzender Deiß, der unter anderem mit den Mitgliedern zur Belebung des dörflichen Lebens Jahr für Jahr einen 1. Mai-Hock und im Herbst ein Sauserfest veranstaltet.
Auch dem Ortschaftsrat ist das Gemeinschaftsleben ein wichtiges Anliegen, weshalb die Lokalpolitiker an jedem ersten Mittwoch des Monats zu einem zwanglosen Beisammensein in den „Sumpfkeller“ beim Gemeindesaal einladen. Gerne genutzt werden auch die Boulebahn und der „toll angelegte Spielplatz“, der demnächst ein neues Klettergerüst erhält. Nicht nur für das Gemeinschaftsleben ist der Gemeindesaal von Bedeutung, er wird auch vielfach für private Feiern aller Art gemietet und stark genutzt. „Der muss unbedingt erhalten werden“, betonen Trupp und Deiß unisono.
Vor 1275 Jahren hieß es „Fiurbach“
Die erste urkundliche Erwähnung Feuerbachs, das damals noch „Fiurbach“ hieß, datiert zwar aus dem Jahr 1275, doch Funde aus der Jungsteinzeit (5000 bis 2000 v. Chr.) weisen darauf hin, dass die Gemarkung schon viel früher besiedelt war. Mehrfach wurde der Ort während des Bauernkriegs und während des Dreißigjährigen Kriegs zerstört. Eine bedeutende Rolle spielte in der Historie ab dem 13. Jahrhundert der Johanniterorden, der den Ort prägte. 1966 wurde die Kirche in Johanniterkirche umbenannt, die als Besonderheit die Ogel eines Silbermann-Schülers und einen aus Lindenholz geschnitzten Christus aus der Barockzeit hat.
Rotwein aus Feuerbach
Ein wichtiger Werbeträger ist der über den Ort hinaus bekannte „Feuerbacher Rote“. Seit 1382 wird in Feuerbach in bester Südlage Weinbau betrieben, wobei der Spätburgunder Rotwein bis heute ein sehr gutes Renommee genießt. Heute gibt es noch zwölf Hektar Reben, die sorgsam gepflegt und auf denen ausschließlich Spätburgunder angebaut werden.
Und den Namen Feuerbach hat auch die bekannte, 2019 im Alter von 85 Jahren verstorbene Heimatdichterin „s’Breiti-Lieseli“ (Lisel Meier) mit ihren Versen und Auftritten in der Region nach außen getragen. Kostprobe eines Loblieds auf ihr „Heimetörtli“: „S lit absits im ä enge Tal, s’isch chlei un doch voll Wärmi. Sin Gäßli drin au chrumm un schmal, es zieht eim nit in d Ferni.“