Die gesamte Region im Blick
: Dauerausstellung im Lörracher Dreiländermuseum soll erneuert werden

Konzeptionell überzeugt die Dauerausstellung im Dreiländermuseum Lörrach noch immer. Aber: Sie ist in die Jahre gekommen. Nun hat das Museumsteam einen ambitionierten Plan.
Von
Bernhard Konrad
Lörrach
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Blick in die Dauerausstellung des Dreiländermuseums in Lörrach

Axel Hupfer

Als die „ExpoTri-Rhena“ Anfang der Nullerjahre eröffnet wurde, war Jan Merk noch als externer Berater dabei. Nach Stationen in Mosbach und Müllheim kehrte der Historiker 2023 als Leiter des Dreiländermuseums nach Lörrach zurück. Im Jahr 2002 war die Ausstellung mit ihrem trinationalen Ansatz, ihren interaktiven Elementen und der zweisprachigen Präsentation der Objekte innovativ und modern. Für die grenzüberschreitende Perspektive gelte das nach wie vor, sagt Merk. Aber nicht für die Auswahl der Exponate und die Gestaltung.

Punktuelle Modernisierung funktioniert nicht

Fast 25 Jahre! Für eine Dauerausstellung sei das eine lange Zeit, oft würden diese nach 15 bis spätestens 20 Jahre erneuert. In Lörrach war das aufgrund der finanziellen Situation der Stadt nicht möglich. „Mittlerweile“, so Merk, „gibt es für einige Mitmachstationen nicht einmal mehr Ersatzteile“. Zunächst waren punktuelle Modernisierungen der Schau im Gespräch, einzelne Justierungen hier und da. Letztlich wurde aber deutlich: „Das funktioniert nicht.“

Die Ausstellung widmet sich Geschichte und Gegenwart der Dreiländerregion. Zu vieles habe sich in zweieinhalb Jahrzehnten verändert, so Merk. Beispiel Demokratieabteilung: Stand die damalige Konzeption noch unter dem Eindruck des Mauerfalls und einem weitgehend unerschütterlichen Glauben an demokratische Strukturen als politisches Erfolgsmodell der Zukunft, so sei mittlerweile mehr als deutlich geworden, dass sich jede Generation den Wert von Demokratie, Menschenrechten und Mitbestimmungen aufs Neue bewusst machen müsse.

Jan Merk

Foto: Konrad

Aber auch Relevanz und Möglichkeiten des Einsatzes digitaler Elemente in der Ausstellung seien heute nicht mehr vergleichbar. Merk: „Die Sehgewohnheiten und Erwartungshaltungen sind völlig anders als zur Jahrhundertwende“. Und: Mittlerweile sei der Fundus an potenziellen Ausstellungsobjekten aus Frankreich und der Schweiz deutlich größer, sodass die trinationale Karte noch konsequenter ausgespielt werden könne.

„Kein Luxuswunsch“, sondern notwendig

Kurzum: Die Erneuerung der Lörracher Dauerausstellung sei „kein Luxuswunsch“, sondern eine Notwendigkeit, so Merk.

Und nun? Die Stadt wird eine Umgestaltung in großem Stil nicht finanzieren können, so viel ist klar. „Muss sie nicht“, sagt Merk. „Wir brauchen keine Unterstützung in Millionenhöhe.“ Das Museumsteam wolle die wesentlichen Schritte hin zur Modernisierung selbst vollziehen: in Teamarbeit und – von Fall zu Fall – unter Hinzuziehung externer Expertise.

Für die Finanzierung sind Drittmittel entscheidend

Für die Finanzierungsfrage sei die Akquise von Drittmitteln entscheidend, sprich: Fördergeld und Spenden. Konkret heißt das etwa: Zuschüsse aus den Interreg-Töpfen von EU und Schweiz, von der Stiftung „Orte der deutschen Demokratiegeschichte“ sowie Zuwendungen vom Lörracher Museumsverein und der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden. Thematisch gezielt werde sich das Deutsche Literaturarchiv Marbach für das Thema Johann Peter Hebel finanziell engagieren. Der Museumsleiter rechnet insgesamt „mit einem mittleren sechsstelligen Betrag“ für die Erneuerung der Ausstellung.

Zeithorizont: das Jubiläum des Museumsvereins

Der Zeithorizont ist ambitioniert, aber das Datum drängt sich auf: Wenn alles nach Plan läuft, soll die Dauerausstellung zur Feier des 100-jährigen Bestehens des Lörracher Museumsvereins Ende 2028 weitgehend neu aufgestellt sein.

Neben der stärkeren trinationalen Akzentuierung sollen jüngere Besucher besser abgeholt werden, nicht ausschließlich durch den Ausbau digitaler Angebote, sondern auch mit der Anknüpfung an zeitgenössische Phänomene: mit dem Demokratieindex aus dem Jahr 2020 als thematischer Ausgangspunkt politischer Fragestellungen. „Die Erzählung nimmt ihren Anfang in der Gegenwart“, erklärt Merk.

Darüber hinaus sollen aktuelle und zukunftsweisende Themen wie etwa Migrationsbewegungen im Dreiländereck in Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg erarbeitet werden.

Der Treppenaufgang als „Rückgrat der Kunst“

Zudem soll die Rolle der bildenden Kunst aufgewertet werden. Der großzügige Treppenaufgang wird als „Rückgrat der Kunst “ gestaltet. Das Dreiländermuseum zählt zahlreiche bedeutende und repräsentative Werke der Malerei zu seinen Objekten. Künftig prägen einige dieser Werke den Weg der Besucher auf der großen Treppe bis zum Obergeschoss des Hauses.

Kleine, vorgeschaltete „Kunsträume“ sollen in den Stockwerken der Dauerausstellung einen emotionalen Einstieg in die Themen der jeweiligen Etage bieten.

Insgesamt aber werden unter gestalterischen und museumspädagogischen Gesichtspunkten eher größere Raumeinheiten als zu viel Kleinteiligkeit den neuen Ansatz prägen. Wichtig sei auch, betont Merk: „Mitmachstationen werden ein Markenzeichen bleiben.“ Und schließlich sollen auch das Foyer und der Museumshof in die Neugestaltung der Dreiländerausstellung mit einbezogen werden.