Debatte um Tierhaltung: Warum der Basler Zoo an der Gorillahaltung festhält

Die Gorilla-Zucht sorgt nach den jüngsten Vorfällen für Kritik.
Zoo Basel- Zoo Basel hält trotz Kritik an Haltung und Zucht von Gorillas fest.
- Auslöser: Einschläferung von Mobali nach Bissverletzungen durch Silberrücken Yeba.
- FFW fordert Ende der Zucht und mehr Transparenz zu den Umständen des Vorfalls.
- Stiftung kritisiert soziale Zwänge, Männchenüberschuss und Nutzen von Reservepopulationen.
- Zoo verweist auf EEP der EAZA und ein IUCN-Papier 2023 – Beitrag von Zoos zum Artenschutz.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Naturschutzstiftung Fondation Franz Weber (FFW) hat einen umfangreichen Text veröffentlicht, in dem sie einerseits mehr Transparenz zu den Umständen fordert, die zur Einschläferung des elfjährigen Gorilla-Männchens Mobali führten. Andererseits kritisiert die Stiftung die Zucht von Gorillas in Gefangenschaft im Allgemeinen und fordert vom Zoo Basel, sein Programm einzustellen.
Die Nachrichtenagentur Keystone-SDA hat den Zoo Basel am Dienstag um eine Stellungnahme ersucht. Dieser will an der Haltung und Zucht von Gorillas festhalten, wie eine Sprecherin schreibt. Er beteilige sich zwar an der Erhaltung außerhalb des natürlichen Lebensraums (ex-situ) der Europäischen Vereinigung von Zoos und Aquarien (EEP der EAZA), führe aber kein eigenes Zuchtprogramm.
Anlass waren Nachrichten aus dem Zoo Basel von vergangener Woche. Mobali wurde eingeschläfert, nachdem ihm der Silberrücken Yeba (14) Bissverletzungen im Genitalbereich zugefügt hatte. Im selben Zeitraum wurde bekannt, dass Yeba auch ein vier Tage altes Jungtier zu Tode gebissen hatte – ein Unfall während Rangeleien mit der Mutter des Neugeborenen.
Kritik an der Zucht
In ihrem Text hält die FFW fest, dass sie das System zur Zucht von Gorillas in Gefangenschaft seit langer Zeit kritisiere. Konkret bemängelt sie daran drei zentrale Punkte, die aus ihrer Sicht gegen solche Zuchtprogramme sprechen. Es geht um die soziale Situation der Tiere in einem menschengemachten System, einen dadurch entstehenden Überschuss von Männchen sowie den aus Sicht der FFW mangelnden Bedarf einer Reservepopulation zur Erhaltung von Gorilla-Arten.
Erstens könnten die Tiere ihre Sozialpartner im Zoo nicht frei wählen, die Gruppe nicht verlassen und Konflikten nicht räumlich ausweichen, wie sie dies unter natürlichen Bedingungen könnten, schreibt die Stiftung. Stattdessen würden die Gruppen von Menschen zusammengestellt, die Tiere zwischen Zoos transferiert, kastriert oder voneinander getrennt gehalten.
Zoo von Qualität überzeugt
Der Zolli schreibt allgemein dazu, dass er von der Qualität seiner Primatenhaltung überzeugt sei. Wäre dies nicht der Fall, würde er die Haltung der entsprechenden Arten sofort einstellen, heißt es. Zweitens werden männliche und weibliche Gorillas in etwa gleicher Zahl geboren, wie es bei der FFW heißt. Da die Zuchtgruppen in Zoos aber meistens aus einem dominanten Männchen und mehreren Weibchen bestünden, komme es so zu einem unnatürlichen Überschuss an Männchen. Trotz Maßnahmen wie der Verringerung der Zahl züchtender Weibchen, der Bildung von Junggesellengruppen, Kastrationen und der Tötung überschüssigen Männchen bleibe das Problem bestehen, heißt es weiter.
Kastration ist schwerwiegender Eingriff
Die Kastration sei zudem ein schwerwiegender Eingriff mit nicht absehbaren Folgen, der Harmonie nicht garantiere. Für den Zoo Basel bildet der Vorfall zwischen Yeba und Mobali die Ausnahme von der Regel. Im europäischen Ex-situ-Programm lebten knapp vierzig kastrierte Gorillas. Viele dieser Tiere hätten einen Silberrückenwechsel mitgemacht, der jeweils erfolgreich verlaufen sei.
Und drittens kritisiert die FFW, dass eine Reservepopulation in Gefangenschaft gar nicht zu den empfohlenen Arterhaltungsmaßnahmen der Internationalen Union für die Erhaltung der Natur (IUCN) gehöre. Diese konzentrierten sich vor allem auf den Schutz wildlebender Gorillas und ihrer Lebensräume, die von Wilderei und Krankheiten bedroht seien. Die Auswilderung von Menschenaffen sei eine „äußerst komplexe und risikoreiche Artenschutzmaßnahme“.
Positionspapier veröffentlicht
Demgegenüber schreibt der Zoo, dass eine Kommission der IUCN im Jahr 2023 ein Positionspapier veröffentlicht habe, in dem sie den „bedeutenden Beitrag“ anerkenne, den Zoos, botanische Gärten und Aquarien zum weltweiten Artenschutz leisteten. Im Rahmen des „One Plan Approach“ (Ein-Plan-Zugang) planen Verantwortliche von wild und unter menschlicher Obhut lebenden Populationen gemeinsam den Artenerhalt in gesunden Ökosystemen, wie die Spezialistengruppe für Erhaltplanung der IUCN auf ihrer Webseite schreibt. Der Zoo hält fest, dass damit eine Lücke geschlossen werde.
