Clout-Turnier in Müllheim: Ein Stofflappen markiert das Ziel

Die Schützengesellschaft organisiert zum achten Mal ein Clout-Turnier.
Alexander AnlickerDer Bogensport liegt im Trend. Erst vor zwölf Jahren hat der älteste Verein Müllheims, die 1563 gegründete Schützengesellschaft, das Bogenschießen in sein Angebot aufgenommen. Aus anfangs fünf Bogenenthusiasten ist mittlerweile die größte Abteilung des Vereins geworden. 60 Jugendliche und 60 Erwachsene trainieren regelmäßig auf dem Vereinsgelände am Müllheimer Eichwald, berichtet Jugendtrainerin Jasmin Wegling im Gespräch mit unserer Redaktion.
Geschossen wird bei den olympischen Disziplinen auf stehende Scheiben in 70 Meter Entfernung. Das kommt dem ursprünglichen Gedanken des Bogens als Jagdwaffe am nächsten.
Seit zehn Jahren, coronabedingt zum achten Mal, veranstaltet die Schützengesellschaft ein Clout-Bogenschießen. Dieses findet am Samstag, 20. Juni (Ausweichtermin 27. Juni), auf dem Müllheimer Segelfluggelände statt. Ein Schützenkollege hatte vor zehn Jahren die Idee, einmal ein Clout-Turnier zu machen.
Kriegstüchtigkeit im Mittelalter
Clout-Bogenschießen war ursprünglich eine Trainingsübung für Bogenschützen. Kriegstüchtigkeit war bereits im Mittelalter ein Thema. Schon der englische König Johann Ohneland beziehungsweise Jean Plantagenêt (1166 bis 1216) brauchte kriegsfähige Männer und forderte seine Untertanen dazu auf, das Bogenschießen zu üben. Bogenschützen spielten militärisch noch bis in die Renaissance eine wichtige Rolle. Der englische König Heinrich VIII. gebot Männern ein wöchentliches Bogentraining „at the Clout“. Dieses fand meist nach dem sonntäglichen Kirchgang statt. Außerdem musste jeder Mann drei Bögen mit je 24 Pfeilen besitzen. Auch musste damals jeder Gänsebesitzer jährlich fünf Eimer Gänsefedern abliefern.
Bei kriegerischen Auseinandersetzungen dienten die Bogenschützen dazu, den Vormarsch von gegnerischen Reitern und Fußsoldaten auf große Entfernung zu stoppen. Wichtig war dabei, dass der Pfeilregen – der auf die Gegner niederprasselte – möglichst dicht war.
Clout-Turnier auf dem Segelflugplatz
Der Begriff Clout bezeichnet einen Stofflappen, der auf einem Pfahl das Zentrum des Ziels markiert. Die „Zielscheibe“ wird dabei auf dem Boden markiert, und jeder der fünf Ringe hat dabei eine Breite von 1,50 Metern, so dass das Zielgebiet einen Durchmesser von 15 Metern hat. Geschossen wird dabei auf eine Entfernung von 165 Metern. Beim Clout-Turnier in Müllheim werden auch die Entfernungen 75 und 125 Meter angeboten.

Verkleidung ist durchaus erwünscht. Auch Jasmin Wegling schlüpft beim Clout-Bogenschießen gerne in historische Gewänder.
Foto: Alexander AnlickerDer Wettbewerb beginnt um 8.30 Uhr mit dem Einschießen, zuvor findet eine Pfeil- und Bogenkontrolle statt. Anschließend werden zwei Mal sechs Durchgänge à sechs Pfeilen geschossen. Bislang haben sich knapp 45 Bogenschützen für das Turnier angemeldet, berichtet Wegling und ergänzt: „Wir haben noch Platz für vier oder fünf weitere Schützen“. Mittelalterliche oder Renaissance Bekleidung ist durchaus erwünscht, sagt die Bogentrainerin, schließlich gehe es beim Clout-Bogenschießen um den Spaß. Interessierte können sich über die Internetseite sg-muellheim.de oder beim Bogenreferenten Hans-Peter Wegling, unter der E-Mail-Adresse hp.wegling@t-online.de, anmelden. Voraussetzung sind ein eigener Bogen und Pfeile sowie eine entsprechende Versicherung.
Zuschauer sind willkommen, sagt Jasmin Wegling. Hunde müssten angeleint sein und Kinder beaufsichtigt werden, verweist sie auf die strengen Sicherheitsbestimmungen. schließlich handele es sich beim Sportgerät Bogen immer noch um eine Waffe, macht sie deutlich.
Faszination Bogensport
Doch was macht nun die Faszination des Bogenschießens aus? Bogenschießen sei zum einen ein gutes mentales Training, um den Kopf frei zu bekommen, sagt Wegling. Zum anderen werden Körperhaltung und Körperspannung geschult. Der eine oder andere habe daher auch auf Anraten seines Arztes oder Physiotherapeuten den Weg zum Bogensport gefunden, ergänzt sie. Der Einstieg sei relativ einfach und günstig. Mit 150 bis 250 Euro bekomme man schon einen guten Bogen und Pfeile.