Burefasnacht in Auggen
: Wenn die Schlawiner losgelassen werden, bleibt kein Auge trocken

Mit ihrem Programm an zwei Abenden in einer vollbesetzten Sonnberghalle setzten die Auggener Schlawinergilde wieder Maßstäbe in Sachen Kreativität, Wortwitz und Tanz.
Von
Volker Münch
Auggen
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Yoga und Sekt, das schmeckt am Schwätzbänkli, wie Ruthild Muser, Laura Kiefer, Gabi Kiefer und Theresa Schäfer unter Beweis stellten.

Volker Münch

Oberschlawinerin Theresa Kiefer konnte nach der Premiere am Freitagabend stolz auf ihre Truppe sein.

Ob Garde, Einzelakteure oder Gruppenauftritte, die Auggener Schlawiner sorgten fast vier Stunden lang für närrische Kurzweil und einige Bühnenkracher.

Dafür sind die Auggener Narren bekannt und damit wurden sie ihrem diesjährigen Fasnachtsmotto „Dumm g’schwätzt isch gli, besser muesch si!“ bestens gerecht.

Eine Reise durch das Weltgeschehen unternahm der ehemalige Pfarrer in Auggen, Gernot Schulze-Wegener, und servierte „ein Jahr von besonderem Kaliber“.

Er streifte die Wachablösung an der Spitze der Bundesregierung mit Wahl von „Fritze Merz“ als Bundeskanzler, den steigenden Zuspruch für die „Kacknasen der AfD“, das schuldenfinanzierte Sondervermögen und bewertete die große Koalition als „Gurkentruppe“.

Genauso hart ins Gericht ging Schulze-Wegener auch mit dem „wirres Zeug redenden Trump“.

Ehemaliger Pfarrer in der Bütt

Dann landete er in Auggen, wo er sich über Leerstände, wellige Straßen und über den einen oder anderen Fauxpas mancher Auggener Persönlichkeit ausließ.

Als Putzteufel mit einem „Arbeitsalmosen weit unter dem Mindestlohn“ fegte im wahrsten Sinne des Wortes Putzfrau Elke Muser über die Bühne und prangerte die Wegwerfsentimentalität an.

Getanzt wurde viel und sehr gut beim Schlawinerabend in Auggen.

Foto: Volker Münch

Zu den Höhepunkten gehörte das Frauen-Quartett Ruthild Muser, Laura Kiefer, Gabi Kiefer und Theresa Schäfer mit ihrer urkomischen Nummer als „Oberdorffrauen“. Sie verbanden Yoga und Sektgenuss beim Schwätzbänkle und entwickelten daraus die ungewöhnliche Kombination zum Sektzirkeltraining.

Yoga und Sekt als neuer Fitness-Trend

Allerdings gingen die Vorstellungen zu Yoga und Wein weit auseinander. Erst als „Shiva“ sich mit einer Yogafigur als Tisch für Sektgläser anbot, war auch die bisher „bewegungsunwillige“ Ruthild Muser eine überzeugte Teilnehmerin.

Legendär: Ehrenschlawinerin Gerda Reinecker mit Tochter Beate Golay und den Enkelinnen Amy und Lou

Foto: Volker Münch

Wie nabelt sich heute die Jugend vom Elternhaus ab? Dazu erzählten Gerda Reinecker in ihrer Rolle als Oma, Beate Golay als Mutter und ihre Töchter Amy und Lou ihre ganz eigene Geschichte, angefangen von der gescheiterten Weitergabe des Familienporzellans bis hin zur Nutzung des „Bankkärtlis“ der geliebten Mama, damit der Neustart in der Ferne gelingen kann.

Charmant, mit viel Witz und tollen Reimen brachte das Familienquartett einen tollen Auftritt auf die Bühne.

Zipfelbuebe ziehen Winzerfest durch den Kakao

Ein Garant für ausgelassene Stimmung sind die „Zipfelbuebe“ (Jürgen Gugelmeier, Tobi Meier, Erich Faisst), die in diesem Jahr von „Starsängerin und Zipfelmaidli ohne Zipfel“ Ruthild Muser unterstützt wurden. Mit Musik und Gesang und frechen Dialogen zogen sie das vergangene Winzerfest kräftig durch den Kakao. Als „Stimmungsbänd, die alles, aber nur nicht richtig spielt“ sorgten sie mit ihrer eigenwilligen Sichtweise für eine Lachsalve nach den anderen.

Auch der Gardenachwuchs ist beim Schlawinerabend in Auggen immer dabei.

Foto: Volker Münch

Sie machten weder vor der Essensqualität, dem geringen Gästestrom am Freitagabend noch vor dem alles verdeckenden Werbezaun halt. Der Zaun nannten sie auch als Grund für ausbleibende Besucher, denn: „Die hänn des Fescht nit g’sehe!“.

Ehrenschlawinerin in Top-Form

Einen echten Höhepunkt setzte Ehrenschlawinerin Gerda Reinecker, die mit ihren teils bissigen, aber immer lustigen Reimen so manchen Auggenern mit ihren kleinen Verfehlungen des Alltags pointiert den Narrenspiegel vorhielt.

Ob es der ehemalige WG-Geschäftsführer Thomas Basler war, der sich im Kalender irrte und mutterseelenallein vor der Sonnberghalle auf die Generalversammlung der Winzergenossenschaft wartete, oder ob Bürgermeister Ulli Waldkirch zwangsläufig auf sein Auto verzichten musste, nicht wegen eines möglichen Führerscheinentzugs, sondern wegen seines Unvermögens sein Vehikel rechtzeitig aus einer Tiefgarage zu holen: Die Ehrenschlawinerin brachte den Saal zum Beben.

Tritte ins Fettnäpfchen

Dabei machte sie auch nicht vor sich selbst und ihren Tritten ins Fettnäpfchen halt und nahm auch den Schlawinerrat kräftig auf die Schippe. Ein wahrer Augenschmaus sind die Tänze der Garden der Schlawinergilde.

Showtanz der Garde vom Feinsten

Ob es die Jüngsten mit dem klassischen Marsch oder als Feen beim Showtanz waren, oder die Garde I mit ihren tollen Tänzen – Marsch und Showtanz zum Thema Liebe – die Gardemädchen sorgten für Begeisterungsstürme beim Publikum und durften erst nach Zugaben von der Bühne. Die Schlawiner setzten wieder tolle närrische Akzente und bewiesen, dass sie definitiv zu den besten Bühnenfasnächtler der Region gehören.