Brandschutz Maulburg/Schopfheim: Aufbruch in gemeinsame Zukunft der Feuerwehren besiegelt

Bereiten den Weg zur gemeinsamen Feuerwehr: Die Schopfheimer Bürgermeister Dirk Harscher (Vierter v.l.) und Jessica Lang (Fünfte v.l.), die Kommandanten Steffen Hofmann (Zweiter v.l.) und Dietmar Fink (Dritter v.r.) zusammen mit den zuständigen Mitarbeitern in Verwaltung und Feuerwehr.
Anja BertschAufbruchstimmung herrschte am Donnerstag im Schopfheimer Ratssaal bei der offiziellen Unterzeichnung der Vereinbarung über die interkommunale Zusammenarbeit in Sachen Feuerwehr: Die federführenden Akteure aus den Rathäusern und den beiden Feuerwehren aus Schopfheim und Maulburg zeigten sich einhellig überzeugt vom Weg in eine gemeinsame Zukunft. Angestoßen werde hier ein zukunftsweisender Prozess mit Vorbild-Charakter, der die Einsatzfähigkeit der Feuerwehr und damit die Sicherheit für die Bürger in der Raumschaft für die kommenden Jahrzehnte sichern soll, so die Botschaft.
Pilotprojekt mit Strahlkraft
„Wir gehen gemeinsam voran“, hielt Schopfheims Bürgermeister Dirk Harscher fest, denn: „Gemeinsam ist viel mehr möglich, als wenn jede Kommune weiter ihr Kirchturmdenken pflegt.“ Auch die Maulburger Amtskollegin Jessica Lang betonte die wachsende Bedeutung interkommunaler Zusammenarbeit grundsätzlich, und deren Notwendigkeit im konkreten Fall: „Es geht darum, die Leistungsfähigkeit der Feuerwehr vorzuhalten.“
Deutlich wurde in den Wortmeldungen auch der Pionierstatus, den eine derartige Zusammenführung bislang unabhängiger Feuerwehren hat. „Das ist ein Pilotprojekt mit Strahlkraft weit über den Landkreis hinaus“, so Lang.

Schopfheims Bürgermeister Dirk Harscher und Maulburgs Bürgermeisterin Jessica Lang bei der Unterzeichnung der Vereinbarung
Foto: Anja BertschWarum das ganze?
Die in beiden Kommunen erarbeiteten Feuerwehrbedarfspläne hinterlegen die Notwendigkeit einer Neujustierung eindrücklich: In Maulburg etwa gibt es jetzt bereits Probleme mit der Tagesverfügbarkeit der durchweg ehrenamtlichen Einsatzkräfte oder mit Blick auf die Ausstattung der Feuerwache.
In Schopfheim sehen sich die insgesamt sieben Abteilungen in Sachen Personalstärke, Verfügbarkeit und Schutzziele unterschiedlich, grundsätzlich aber ganz ordentlich aufgestellt – zumindest aktuell. Die Prognosen für die Zukunft allerdings sind unter anderem angesichts der Altersstruktur auch hier weniger rosig, der Handlungsbedarf offenkundig. Ebenso bei den sieben den Ansprüchen teils nicht mehr genügenden Feuerwachen. „Wir können stolz darauf sein, wie wir im Moment dastehen. Aber: Es muss weitergehen“, sagte in diesem Sinne der Schopfheimer Kommandant Steffen Hofmann.
„Klar ist: Es braucht Veränderung“
Unisono betonten die Anwesenden die Synergieeffekte, die sich aus dem Zusammengehen ergeben sollen. Im Vordergrund stehe dabei ausdrücklich nicht das Sparpotenzial, sondern die Erhaltung der Einsatzfähigkeit, betonte Maulburgs Bürgermeisterin Jessica Lang: „Die Sicherheit ist eine kommunale Pflichtaufgabe.“
„Die Bedarfspläne zeigen ganz deutlich: Wir haben einfach Lücken“, stellte auch der Maulburger Kommandant Dietmar Fink in aller Deutlichkeit heraus. Klar sei daher: „Es braucht Veränderung.“ Angesichts dieser Tatsache sei es „besser, wir gestalten die Veränderung aktiv mit, als dass wir verändert werden“, zeigte sich Fink überzeugt.
Die Menschen mitnehmen
Damit war die Brücke geschlagen zu einem weiteren wichtigen Signal: „Wir müssen die Menschen mitnehmen und nicht im stillen Kämmerlein über die Köpfe der Mannschaften hinweg entscheiden“, betonte Bürgermeister Harscher. Das Zusammenführen von Einheiten, in denen Kameradschaft und Gemeinschaft existenzielle Werte sind, als große Herausforderung: Dass dies den Beteiligten bewusst ist, wurde auch in der weiteren Ausführung deutlich: „Wir können stolz auf unsere Mannschaften sein, dass wir diesen Weg gehen können. Das ist absolut keine Selbstverständlichkeit“, so etwa Kommandant Hofmann.
„Uns ist bewusst, dass nicht jeder diesen Schritt mitgehen wird“, so wiederum der Maulburger Kommandant Fink. „Aber ich denke, die Mehrheit hat verstanden, dass die Zukunft im Gemeinsamen liegt, wenn wir uns auf unseren Auftrag besinnen: Den Schutz der Bürger vor Gefahren“. Aus dieser Perspektive heraus sei klar: Ortsgrenzen sind für denjenigen, der Hilfe brauche, absolut kein entscheidendes Kriterium. Oliver Fuchs, stellvertretender Kommandant in Maulburg, richtete den Blick über die schiere Notwendigkeit hinaus: „Ich begreife das als große Chance und Aufbruch“.
Wo fängt man an?
Bei aller Euphorie: Die Zusammenführung der Feuerwehren ist eine Mammutaufgabe, für das es – Stichwort „Pionierprojekt“ – noch keine Blaupause gibt. Um den Prozess handhabbar zu machen, werden sieben Arbeitspakete geschnürt. Unter anderem geht es um die Rechtsform der Zusammenarbeit (Zweckverband? Vereinbarung innerhalb des Verwaltungsverbandes?) um Pool-Lösungen unter anderem in den Bereichen Atemschutz, Schlauch, Kleidung oder Funktechnik und um die Zusammenführung von Verwaltungsaufgaben, Aus- und Fortbildung.
Die Standortfrage
Nicht zuletzt geht es auch um die Frage, wo die „gemeinsam geführte Feuerwehr“ ihre(n) Standort(e) hat. In diesem Zusammenhang stehen (fast) alle aktuellen Feuerwachen zur Disposition: Angefangen bei der Maulburger Wache über die Standorte in sämtlichen Schopfheimer Ortsteilen (außer Gersbach) bis hin zur Schopfheimer Hauptwache. „Maulburg und Schopfheim können sich auch die Nutzung eines gemeinsamen Gebäudes vorstellen“, heißt es dazu in einem Arbeitspapier.
Ähnliches wäre am anderen Ortsende Schopfheims vorstellbar, sofern die Gemeinde Hausen ihre derzeitige Zurückhaltung aufgibt und sich entschließt, ebenfalls einem gemeinsamen Weg zu folgen. Aktuell herrscht hier noch Zurückhaltung.
Zeitplan und Meilensteine
„Ich habe die Vision, dass die Basis in ein bis zwei Jahren abgeschlossen ist“, erklärte Maulburgs stellvertretender Kommandant Michael Kreibich auf die Frage nach einem Zeithorizont für das Projekt: „Dann sollten wir wissen, wie die gemeinsame Zukunft aussehen soll.“ Für den Abschluss des Prozesses bis hin zu einer möglichen gemeinsamen Feuerwache wurde die Zeitspanne von fünf bis zehn Jahren genannt.
Info
Die Schopfheimer Feuerwehr
zählt in ihren sieben Abteilungen insgesamt 230 Aktive, beinahe 120 Mitglieder in Kinder- und Jugendfeuerwehr sowie 60 in der Altersmannschaft. Neben den ehrenamtlichen Kräften gibt es acht Hauptamtliche (sieben Stellen) in Kommando, Werkstätten und Verwaltung. Kommandant (hauptamtlich) ist Steffen Hofmann, Stellvertreter sind Julia Blum (hauptamtlich) sowie Markus Eichin (ehrenamtlich).
Die Maulburger Feuerwehr
hat 70 ehrenamtliche Mitglieder, davon 50 aktive Einsatzkräfte, sowie jeweils etwa zehn Mitglieder in Jugendfeuerwehr und Altersmannschaft. Kommandant ist Dietmar Fink, Stellvertreter sind Oliver Fuchs und Michael Kreibich.