Bildhauer aus Efringen-Kirchen: Reinhard Bombsch: „Die Kunst verbindet Kopf und Herz“

Reinhard Bombsch, der Bildhauer aus Efringen-Kirchen, bei der Arbeit in seiner Werkstatt.
Siegfried FeuchterAuch mit 71 Jahren ist Reinhard Bombsch, noch regelmäßig in der Werkstatt hinter seinem Wohnhaus in der Neusetze in Efringen-Kirchen anzutreffen. Seit 45 Jahren ist er als Künstler selbstständig und hat erfolgreich im In- und Ausland ausgestellt sowie an zahlreichen Symposien teilgenommen.
Dort kreiert er aus Sandstein, Granit und Marmor oder auch aus Metall Figuren und Kunstobjekte, oft in naturalistischem Stil. Nicht nur die figurative Bildhauerei, die Figuren in dreidimensionalen Materialien darstellt, hat es dem Bildhauer angetan. Reinhard Bombsch, der sich gerne in der Natur und in Gesellschaft für seine Arbeiten inspirieren lässt, ist auch oft mit dem Zeichenstift zugange.
Denn: „Zeichnen ist für mich die Basis“, sagt der kreative Künstler, der zwar offiziell Rentner ist, sich jedoch noch täglich in irgendeiner Form mit der Kunst beschäftigt. „Das steckt einfach in mir drin.“
Wie wichtig Kunst und Kultur sind, beschreibt Bombsch mit folgenden Worten: „Kultur ist nicht das Sahnehäubchen, sondern das Fundament. Kunst verbindet Kopf und Herz, Denken und Empathie.“ Und der Efringen-Kirchener Bildhauer fügt hinzu: „Die Kreativität ist es doch, die die Menschheit voranbringt.“
Auch wenn er dank Stammkunden keine Probleme mit Aufträgen hat, bezeichnet er die heutige Zeit für Künstler „ein hartes Brot“. Denn in Zeiten strikter Sparmaßnahmen hielten sich die Kommunen mit dem Kauf von Kunstobjekten stark zurück.
Schon als Jugendlicher ein Faible für die Kunst
Reinhard Bombsch, in Weil am Rhein geboren und aufgewachsen, hatte schon als Jugendlicher ein Faible für die Kunst. Als Schüler gewann er seinen ersten Wettbewerb im Zeichnen. Nach dem Besuch des Kant-Gymnasiums folgte die Schule für Gestaltung in Basel, ehe er 1974 und 1975 in Pforzheim die Fachhochschule für Gestaltung besuchte.
Hier prägte ihn, menschlich wie künstlerisch, vor allem Professor Jürgen Brodwolf, der bekannte Bildhauer und Objektkünstler. 1976 wechselte Reinhard Bombsch an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste nach Stuttgart und studierte bei Koryphäen wie den Professoren Alfred Hrdlicka oder Karl-Henning Seemann bis 1982 Bildhauerei und Zeichnung.
Figuren als Markenzeichen
Noch während seines Studiums hatte er an einer Wochenendausstellung in Weil am Rhein teilgenommen und dabei die damalige Rathausspitze mit Otto Boll, Peter Willmann und Fritz Schöne kennengelernt. Die drei waren beeindruckt von seinen Arbeiten und erteilten ihm nach dieser Begegnung den Auftrag für die Gestaltung des 1982 eingeweihten Brunnens in der Kaufring-Passage.
„Bombsch gestaltete die Figuren so wie sie zu seinem Markenzeichen werden sollten: wesentliche Umrisse sind naturalistisch aus dem Stein geschält, andere Bereiche bleiben unbehauen und verkörpern den Prozess, der dem Leben innewohnt“, hatte der langjährige Weiler Kulturamtsleiter Tonio Paßlick zu dieser Skulptur festgestellt, die die vier Ortsteile symbolisiert.
Spuren in Stadt und Region
Es folgten zahlreiche Kunstobjekte in Stadt und Region sowie weit darüber hinaus, mit denen sich Reinhard Bombsch einen Namen machte.
Zum Beispiel sind dies das KZ-Denkmal „Lager Heuberg“ in Erinnerung an eines der ersten Konzentrationslager der Nazis im südwestdeutschen Raum, die Marmorskulptur „Orpheus und Eurydike“ bei der Weiler Stadtbibliothek, das Kunstwerk „Haut-Hülle-nah“ vor dem Hadid-Bau im Dreiländergarten, die Bronze-Skulptur „Saulus“ an der Weiler Hauptstraße oder auf dem Hebelplatz die sanft geschwungene Stahl-Banderole mit der Aufschrift „Liebe Gustave“, mit der er an den Schriftsteller Johann Peter Hebel und dessen Freundin, die Weiler Pfarrerstochter Gustave Fecht, erinnert.
Kunst im Kreisverkehr
Sein „Trübliring“ in Efringen-Kirchen gehört zur Kunst im Kreisverkehr, ebenso wie die 2001 aus 27 Aluminiumplatten entstandene Skulptur auf dem Dreispitz mit seinem 24 Meter großen Durchmesser in Binzen. Das Objekt mit seinen drei acht Meter langen Metallspitzen symbolisiert sowohl die drei aus verschiedenen Richtungen aufeinander treffenden Straßen als auch das Dreiländereck.

Die Kreiskunst in Binzen ist an diesem Ort geblieben (Archivbild)
Foto: Alexandra GünzschelZu den in jüngerer Vergangenheit von Seiten übergeordneter Behörden entfachten Diskussionen über eine angebliche Gefahrenquelle sagt der Träger des Markgräfler Kunstpreises Kopf schüttelnd: „Das hat mich doch sprachlos gemacht.“ Nach dem jüngst gefundenen Kompromiss, der den Erhalt der Dreispitz-Skulptur sichert, meint Reinhard Bombsch nun gelassen: „Ich hoffe, die Sache ist jetzt gegessen.“
Bodenständiger und kreativer Markgräfler
Reinhard Bombsch, der bodenständige und kreative Markgräfler, der immer vor Ideen sprüht und diese auch ohne Auftrag umsetzt („ich mache eher zu viel als zu wenig“), engagiert sich über seine künstlerische Tätigkeit hinaus in der Flüchtlingshilfe und in der Kleiderkammer Istein.
Dies führt er auch auf seinen familiären Hintergrund zurück, da seine Eltern während des Zweiten Weltkriegs aus ihrer Heimat in der Slowakei vertrieben worden waren. Auch in der Agenda-Gruppe Kultur in Efringen-Kirchen bringt sich Bombsch ein, der zudem 18 Jahre beim Kunstverein Weil am Rhein Kurator war.
Und ein Thema, das ihn intensiv beschäftigt, wie sein Bücherregal in seinem Atelier sowie seine 1992 entstandenen Zeichnungen unterstreichen, ist Kaspar Hauser, der als „rätselhafter Findling“ bekannt wurde.
Nach Sardinien zum Ausspannen
Wenn der Vater eines erwachsenen Sohnes ausspannen will, zieht es ihn einmal im Jahr mit seiner Frau auf seine Lieblingsinsel Sardinien. Die Skier, mit denen er viele Winter in Saas Fee die Hänge hinab schwang, hat er inzwischen beiseitegestellt. Dafür hat er längst, das japanische Bogenschießen, für sich entdeckt.
Schon zweimal war er in Japan. „Bogen ist ein rituelles Objekt, kein Kampfgerät“, sagt Reinhard Bombsch, der 2010 auch Schweizer Mannschaftsmeister in dieser Sportart wurde. Ob Bogenschießen oder Kunst – hohe Konzentration ist stets erforderlich.