Basler Rheintunnel
: Damit Autofahrer nicht im Stau stehen

Ein neuer Rheintunnel soll die chronisch überlastete Osttangente in Basel entlasten. Das Vorhaben wurde zwar im November 2024 an der Wahlurne versenkt, es steht aber nach wie vor auf der politischen Agenda.
Von
Michael Werndorff
Basel
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Die Basler Osttangente ist regelmäßig überlastet. Rufe nach einem Rheintunnel werden lauter.

Die Basler Osttangente ist regelmäßig überlastet. Rufe nach einem Rheintunnel werden lauter.

Michael Werndorff
  • Geplanter Rheintunnel soll Basels Osttangente entlasten – Projekt bleibt politisch umkämpft.
  • Volk lehnte Ausbau am 24. November 2024 ab, beide Basel unterstützen nur mit Auflagen.
  • Befürworter sehen Entlastung, Kritiker warnen vor mehr Autoverkehr und fordern Verkehrswende.
  • A2 mit rund 125.000 Fahrzeugen täglich, 600 bis 1000 Staustunden im Jahr 2022.
  • Planung: mehrere Röhren, Portale bei Birsfelden/Muttenz und Badischem Bahnhof, neue Brücken.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Kaum ein Infrastrukturprojekt in der Region Basel steht so exemplarisch für den Streit um die Zukunft der Mobilität wie der geplante Rheintunnel. Die unterirdische Rheinunterquerung zur Entlastung der staugeplagten Osttangente haben die Schweizer zwar im Rahmen der Abstimmung über den Nationalstraßen-Ausbau am 24. November 2024 abgelehnt, dennoch unterstützen die beiden Basel eine Wiederaufnahme – allerdings ausdrücklich nur zusammen mit flankierenden Maßnahmen, wie sie jetzt in ihrer Stellungnahme zum Schweizer Ausbauprogramm für Nationalstraßen und Eisenbahninfrastruktur „Verkehr 45“, betonten.

Für die Befürworter ist der auf 2,6 Milliarden Franken geschätzte Tunnel die überfällige Antwort auf eine überlastete Osttangente, für die Kritiker ein Symbol einer Verkehrspolitik, die den Autoverkehr ausgerechnet dort ausbauen will, wo die Stadt am Rheinknie eigentlich mehr Platz für Menschen, Grün und öffentlichen Verkehr schaffen möchte.

Kritik erntet der Kanton erneut vom Verkehrsclub beider Basel (VCS). Die beiden Kantone würden weder das Abstimmungsergebnis vom 24. November 2024 akzeptieren noch sich beim Bund mit den Anliegen der Region durchsetzen. „Für die Entwicklung der Bahninfrastruktur, die nachhaltige Mobilität und die Umwelt in der Region Basel ist das eine schlechte Entwicklung.“

Die unveränderte Neuauflage des Rheintunnels werde man nicht akzeptieren, so der VCS in einer ersten Stellungnahme. Vor dem Hintergrund der erneut aufflammenden Debatte ist der Rheintunnel längst mehr als ein umstrittenes Straßenbauprojekt. Er ist zum Politikum geworden – und zu einer grundsätzlichen Frage: Soll die Region ihre Verkehrsprobleme insbesondere durch zusätzliche Kapazitäten auf der Straße lösen? Oder muss sie die Verkehrswende vorantreiben und die knappen Flächen in der Stadt neu verteilen?

Mehrwert für die Bevölkerung schaffen

Beide Basel unterstützen das Projekt jedenfalls mit Vorbehalt: „Das Vorhaben muss so weiterentwickelt werden, dass zusätzlich zu den bisherigen Planungen Mehrwerte für die Bevölkerung geschaffen werden. Insbesondere soll nach der Sanierung der Osttangente das untergeordnete Straßennetz der Stadt und der angrenzenden Baselbieter Gemeinden entlastet werden“, betont Isaac Reber, Vorsteher der Bau- und Umweltschutzdirektion Basel-Landschaft.

Wie wichtig das ist, zeige sich an der Verkehrsüberlastung in der Region, wenn Teile der Osttangente aufgrund von Sanierungsarbeiten gesperrt sind, heißt es weiter. Des Weiteren teilt der Landkanton die Sicht, dass das Vorhaben nur mit flankierenden Maßnahmen mehrheitsfähig wird, wozu auch der Ausbau des Engpasses Hagnau-Augst gehöre. Basel-Stadt fordert hinsichtlich der Planungen für einen Tunnel unter anderem die Integration eines direkten Anschlusses vom Kleinhüninger Rheinhafen, um den Schwerverkehr direkt in den Rheintunnel abzuleiten.

Über die A2 rollt der gesamte Durchgangsverkehr

Dass dringender Handlungsbedarf besteht, wissen Politik und Autofahrer: Über die A2, die sogenannte Osttangente, rollt der gesamte Durchgangsverkehr von Süden nach Norden –­rund 125.000 Fahrzeuge täglich. Staus und stockender Verkehr stellen die Verkehrsteilnehmer regelmäßig vor eine Geduldsprobe. Die Schweizer Straßenbehörden registrierten im Jahr 2022 je nach Richtung und Abschnitt 600 bis 1000 Staustunden, also zwei bis drei Staustunden täglich. „Die Überlastung hat ein Ausmaß erreicht, das für Bevölkerung, Wirtschaft und Umwelt zunehmend untragbar ist“, erklärte jüngst die Allianz für einen Rheintunnel in einer gemeinsamen Stellungnahme. Der Tunnel sei das zentrale Entlastungsprojekt für die gesamte Region.

Bei einer Infoveranstaltung Ende 2023 erklärte das Astra, der Rheintunnel würde den Verkehr verflüssigen und die Osttangente sowie Stadt und Agglomeration vom Ausweichverkehr entlasten. „Das Verkehrsaufkommen auf der Osttangente zwischen den Verzweigungen Hagnau und Wiese sinkt im Prognosezeitpunkt 2040 mit dem Rheintunnel um rund 30 Prozent. Ausgewählte Basler Straßen werden um zehn bis 20 Prozent entlastet“, so die Behörde. Insgesamt reduziere sich der Verkehr im Straßennetz des Kantons Basel-Stadt um vier Prozent oder 45.000 Fahrzeugkilometer. In einem dichten, hochbelasteten städtischen Straßennetz sei das eine große Veränderung.

Mehrere Röhren geplant

Die bisherigen Planungen sehen zwei zweispurige und zwei einspurige Röhren vor, die an die bestehenden Verbindungen von und nach Deutschland und Frankreich anknüpfen. Die beiden Hauptröhren sind 3,6 beziehungsweise 3,8 Kilometer lang. Das südliche Tunnelportal Birsfelden/Muttenz liegt beim Kreisel Rheinfelder-Birsfelderstraße. In Fahrtrichtung Norden befindet sich das nördliche Tunnelportal beim Badischen Bahnhof unmittelbar neben den Gleisen. Zwei neue Brücken stellen bei der Verzweigung Wiese die Anschlüsse nach Deutschland und Frankreich sicher. Wer von Deutschland Richtung Schweiz fährt, erreicht den Rheintunnel über das Tunnelportal Wiese, wie aus den Planungen hervorgeht.