Ausbildung im Fokus: Kritik an Schließung der Gewerbe Akademie Schopfheim

Bei der Informationsveranstaltung der Handwerkskammer Freiburg zur Reform der überbetrieblichen Ausbildung im Landkreis Lörrach wurde kritisch und kontrovers diskutiert.
Handwerkskammer Freiburg- Handwerkskammer plant Lernortkooperation mit drei gewerblichen Schulen im Landkreis Lörrach.
- Ziel ist wohnortnahe überbetriebliche Ausbildung und eine dauerhaft tragfähige Struktur.
- Gründe: sinkende Ausbildungszahlen, hoher Sanierungsbedarf und Fördervoraussetzungen.
- Gewerbe Akademie Schopfheim erfüllt Auslastung nicht mehr – Schließung gilt als unumgänglich.
- Kritik an Kommunikation wird laut, Kammer betont Qualität und wirtschaftliche Verantwortung.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Handwerkskammer Freiburg informierte die Betriebe über die Hintergründe des seit mehreren Jahren laufenden Reformprozesses und stellte die geplante Lernortkooperation mit den drei gewerblichen Schulen des Landkreises Lörrach vor.
Vorbehaltlich der Entscheidungen der Vollversammlung der Handwerkskammer sowie des Kreistags des Landkreises Lörrach soll damit die mehrwöchige überbetriebliche Ausbildung für einen Großteil der Handwerksberufe weiterhin wohnortnah im Landkreis stattfinden.
„Unser Ziel war immer klar: Wir wollen die Qualität der Ausbildung sichern und gleichzeitig eine Lösung finden, die für unsere Betriebe dauerhaft tragfähig ist“, erklärte Christof Burger, Präsident der Handwerkskammer Freiburg. „Auch wollen wir den Wunsch der IG, das Bildungsangebot weiterhin wohnortnah anzubieten, umsetzen. Die jetzt geplante Lernortkooperation in unmittelbarer Nähe zu den Ausbildungsbetrieben anzubieten, ist eine tolle Lösung, die nur dank der äußerst konstruktiven Gespräche mit dem Landkreis möglich ist. Dafür möchten wir uns ausdrücklich bedanken.“
Hintergrund der Reform sind grundlegende Veränderungen in der beruflichen Bildung. Die Handwerkskammer Freiburg befasst sich laut einer Mitteilung vom Freitag seit Jahren mit der Zukunft ihrer Bildungsstätten. Der demografische Wandel hat zu deutlich sinkenden Ausbildungszahlen geführt. Gleichzeitig besteht an den Bildungsstandorten erheblicher Sanierungs- und Modernisierungsbedarf.
Vollversammlung trifft Grundsatzbeschluss
Bereits 2023 hatte die Vollversammlung der Handwerkskammer auf Grundlage von Machbarkeitsstudien einen Grundsatzbeschluss zur Neuordnung der Bildungsinfrastruktur gefasst. Die strategische Richtung lautet: Konzentration und Kooperation. „Wir können die Bildungsstruktur von heute nicht dauerhaft mit den Voraussetzungen der 1980er Jahre betreiben“, sagte Burger. „Weniger Teilnehmer, nicht ausreichend ausgelastete Werkstätten, erheblicher Investitionsbedarf und der Verlust staatlicher Förderfähigkeit zwingen uns dazu, unsere Strukturen neu zu ordnen.“ Dabei gehe es ausdrücklich nicht darum, einzelne Regionen oder Standorte gegeneinander auszuspielen, heißt es weiter. Die Handwerkskammer trage Verantwortung für rund 16.000 Mitgliedsbetriebe im gesamten Kammerbezirk. „Wir müssen die berufliche Bildung für das gesamte südbadische Handwerk zukunftsfähig aufstellen“, so Burger.
Ein entscheidender Faktor sei die Förderfähigkeit der Bildungsangebote. Staatliche Zuschüsse von Bund und Land seien unter anderem an bestimmte Auslastungsvoraussetzungen gebunden. Die Gewerbe Akademie Schopfheim erfülle diese Voraussetzungen leider nicht mehr. „Wenn öffentliche Zuschüsse wegfallen, müssen die Kosten am Ende die Handwerksbetriebe tragen“, betonte Burger. „Wir sind deshalb verpflichtet, mit den Pflichtbeiträgen unserer Mitgliedsbetriebe verantwortungsvoll umzugehen. Die Belastung der Betriebe darf nicht durch dauerhaft nicht tragfähige Strukturen weiter steigen.“
Schließung sei leider unumgänglich
Die Entscheidung über die Schließung sei leider unumgänglich. Der Standort Schopfheim sei über Jahrzehnte ein wichtiger Bestandteil der handwerklichen Bildungslandschaft gewesen und noch zwischen 2016 und 2019 in Teilen modernisiert worden. „Niemand hat Schopfheim bewusst geschwächt“, stellte Burger klar. „Wir haben über Jahre nach Perspektiven gesucht und unterschiedliche Vorschläge sorgfältig geprüft. Am Ende konnten wir jedoch kein Konzept erkennen, das einen langfristigen, wirtschaftlich tragfähigen und dauerhaft förderfähigen Betrieb der Gewerbe Akademie ermöglicht.“ Mit der geplanten Lernortkooperation an den drei gewerblichen Schulen des Landkreises Lörrach sei nun eine neue Perspektive entstanden. Bislang nicht genutzte oder freie Räume der Schulen sollen künftig für die überbetriebliche Ausbildung genutzt werden. Vorgesehen sei dies für die Ausbildungsberufe Elektroniker, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Schreiner, Friseur, Metallbauer sowie Feinwerkmechaniker.
Suche nach geeigneten Räumen geht weiter
Für das Gewerk Kraftfahrzeugtechnik und die Berufe der Bauwirtschaft würden weiterhin nach geeigneten Räumen am Berufsschulstandort gesucht. Die neue Struktur soll dabei mehr sein als eine reine räumliche Verlagerung. Durch die engere Zusammenarbeit von Ausbildungsbetrieben, Berufsschulen und überbetrieblicher Ausbildung könnten Theorie und Praxis künftig noch besser miteinander verzahnt werden. „Entscheidend ist nicht die Adresse eines Gebäudes, sondern die Qualität der Ausbildung“, sagte Burger. „Mit der Lernortkooperation sichern wir nicht nur die wohnortnahe Ausbildung im Landkreis. Wir schaffen zugleich die Möglichkeit, die verschiedenen Lernorte der dualen Ausbildung enger miteinander zu verbinden.“
Kritik wird laut
Bei der Informationsveranstaltung wurden auch kritische Stimmen zur geplanten Schließung der Gewerbe Akademie Schopfheim laut. Bemängelt wurden die aus Sicht vieler Teilnehmer schlechte Kommunikation und fehlende Transparenz der Kammer. Die Schließung der Gewerbe Akademie würde dem Handwerk in der Region schaden und die Attraktivität einer Ausbildung würde für junge Menschen stark sinken, so die Befürchtungen. Burger machte deutlich, dass die Handwerkskammer Verständnis für die Sorgen und die emotionale Bindung an den Standort habe. Gleichzeitig könne die Zukunft der Bildungsinfrastruktur nicht allein aus der Perspektive eines einzelnen Standorts betrachtet werden, schreibt die Kammer. Entscheidend seien die langfristige Qualität der Ausbildung, die Förderfähigkeit und eine wirtschaftlich verantwortungsvolle Lösung für das gesamte Handwerk.
