750 Jahre Feuerbach: Schauspieler lassen die Vergangenheit aufleben

„Amtsbote“ Samuel war nicht zu überhören. Beim Rundgang erlebten frühere Berufsstände ihre Wiederauferstehung.
Gudrun GehrDer zweite Jubiläumstag wurde im voll besetzten Festzelt durch einen Festgottesdienst mit Pfarrerin Séverine Bacigalupo eröffnet.
Landrätin Marion Dammann lobte in ihrem Grußwort insbesondere das ausgeprägte ehrenamtliche Engagement im Ort. Bereits im Festtagebuch hatte sie ferner festgehalten: „Seit 1974 ist Feuerbach eine Bereicherung der Stadt Kandern. Besonderer Respekt gebührt dem Gesangverein, dessen Gründung 160 Jahre zurückliegt, und seiner aktiven Sangesgemeinschaft.“
Ortsvorsteher Björn Trupp ehrte „die gute Seele von Feuerbach“, Christa Brucker, mit einem Präsent. Sie geht nunmehr in den Ruhestand und sorgte mehr als 25 Jahre lang für Ordnung in den öffentlichen Gebäude in Feuerbach. Sie sei immer dann zur Stelle gewesen, wenn Not am Mann war. und blieb dem Dorf treu, obwohl sie dort schon länger nicht mehr wohnte.
Des Weiteren unterhielt zum Frühschoppen die Zollkapelle Freiburg unter Leitung von Uwe Jordan.
21 Stationen durch das Dorf
Als Höhepunkt des Festreigens zeigte sich der historische Rundgang an 21 Stationen quer durch den Ort. In die Gestaltung des Rundwegs waren rund 50 Helfer involviert. Freiburger Schauspielschüler ließen die dörfliche Geschichte wieder aufleben: Vergangene Berufsstände, wie Ausrufer, Seiler oder Nachtwächter, erlebten ihre Wiederauferstehung. Der aus Feuerbach stammende Rebellenführer („Uffrüerer“) der Bauernaufstände von 1525, Hans Hammerstein, wurde präsentiert. Dieser rief in starker Choreographie lauthals die „Zwölf Artikel von Memmingen“ als frühe Formulierung von Menschenrechten aus. Vom Publikum gab es begeisterten Applaus.

Auch der Trachtenverein Kandern wollte sich den Besuch des historischen Rundganges nicht entgehen lassen.
Foto: Gudrun GehrVor Ort verkaufte ebenfalls Buchautor Harald Gritzner unter anderem seinen Roman „1525 – Kampf der Freiheit“. Anhand alter Fotos wurde der Farrenstall, der Laden mit dem Kaugummiautomaten oder das Milchhüsli vorgezeigt. An einem Stand konnte man Bekanntschaft mit „Ritter Otto von Staufen“ als Patron von Feuerbach machen. Am weiteren „Alamannen“-Stand erfolgten Informationen zur alamannischen Ernährung und zum Skelett eines alemannischen Kriegers, das bei Ausgrabungen 1954 gefunden wurde. Von Archäologen wurde dieses ins Colombi-Schloss nach Freiburg gebracht und ist seither trotz Suche von Feuerbacher Interessierten verschollen.
Ausstellung in der Kirche
In der Johanniterkirche fand eine Fotoausstellung zu der Geschichte ihrer Glocken statt, ihre Bibeln lagen geschützt zur Ansicht. Sie stammen aus den Jahren 1748, 1881 und 1896. An einem Stand gab es Anschauungsmaterial und eine Bestellmöglichkeit für „Wilde Öpfel“, deren Stecklinge aus Amerika stammen und im Feuerbachtal bestens gedeihen. Diese wurden von einem Besucher aus Amerika mitgebracht, der dorthin ausgewandert war.
Dorfbüttel und „Usruefer“ Samuel verkündete mit seiner durchdringenden Glocke das Neueste aus der Gemeinde, aus Zeiten, als noch kein „Gmeiblättli“ existierte. Vorführungen der Tätigkeiten früherer Berufe erfolgten vor interessiertem Publikum. Auch die kleinen Gäste kamen bei lustigen Mitmachstationen auf ihre Kosten.
Orchester spielen auf
Für die Gäste, die sich entschlossen, den Mittag gemütlich im Festzelt zu verbringen, gab es zur musikalischen Umrahmung ein Konzert des Harmonikaorchesters Kandern unter Leitung von Waltraud Sütterlin.