Zwei Stationen in Ettenheim
: So verlief die Artenschutz-Tour mit Regierungspräsident Carsten Gabbert

In Ettenheim sind viele bedrohte Tierarten wie Fledermäuse oder Schmetterlinge zuhause. Regierungspräsident Carsten Gabbert hat ihnen einen Besuch abgestattet.
Von
Benedikt Stahl
Ettenheim
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Regierungspräsident Carsten Gabbert (Mitte, weißes Hemd) erkundigte sich mit weitere Vertretern des Regierungspräsidiums nach den Arten im Naturschutzgebiet „Saure Matten“.

Stahl

Der erste Abschnitt der Tour war nicht leicht zu finden: Die große Wochenstube verbirgt sich hinter Hecken und liegt abseits der Straße bei der ehemaligen Holzindustrie Stoelcker. Die Wochenstube in Ettenheim biete rund 420 Mausohren ein Zuhause, und zwar im Keller einer ehemaligen Stuhlfabrik. „Artenschutz ist der Schutz unserer Lebensgrundlagen“, erklärte Regierungspräsident Carsten Gabbert an der ersten Station der Tour. Das Schwinden der Artenvielfalt fange nicht erst in Afrika an, sondern passiere auch schleichend vor unserer Haustür. Leider sei Artenschutz vor allem in Bezug auf Bauvorhaben negativ konnotiert. „Wir brauchen die Akzeptanz für unsere Themen in der Bevölkerung, sonst haben wir verloren“, war sich der Regierungspräsident sicher.

Susanne Hund vom Naturschutzreferat des Regierungspräsidiums berichtete, dass ihre Abteilung jährlich rund 500 Maßnahmen in und außerhalb der etwa 270 Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Freiburg umsetzt. Dabei konnte der Bestand gefährdeter Arten wie der Wiesenbrüter oder der Kiebitz stabilisiert werden. Die Sicherung von Winterquartieren von Fledermäusen gehöre auch zu den Aufgaben. Dennoch: „70 Prozent der Schmetterlinge und 60 Prozent der Vögel sind gefährdet.“ Wie es um die Fledermäuse steht, wusste Vera Leinert. Sie kümmere sich um das Artenschutzprogramm Fledermäuse. Es gebe etwa 25 Arten in Deutschland, das große Mausohr sei die verbreitetste Art. Die Ettenheimer Wochenstube sei seit 40 Jahren bekannt. „Es ist zentral, dass wir sie schützen“, forderte Leinert. Die Quartiere der Fledermäuse gehen nämlich zurück.

Edmund Hensle, der die Wochenstube ehrenamtlich betreut, fügte hinzu, dass die ersten Daten aus dem Jahr 1985 stammen. Die Fledermäuse verfügen über ein großes Jagdareal, welches sich bis nach Forkheim ins Elsass erstrecke, betonte Hensle. Die Daten der Tiere werden jährlich ans Land geschickt, um die Stichproben zu überprüfen. „Die Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium ist genial“, freute sich der ehemalige Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-Württemberg (AGF BW). Probleme werden schnell gelöst, denn das Vertrauen der Behörden in die Akteure sei entscheidend. Hund ergänzte: „Artenschutz braucht starke Partner!“

Ettenheimer Gebiet ist für Tierarten sehr wichtig

Der zweite Teil der Tour führte ins Naturschutzgebiet „Saure Matten“. Dies sei der Ausschnitt einer artenreichen Landschaft, die unter Naturschutz stehe, so Hund. Annika Steinle betreut das Artenschutzprogramm Schmetterlinge, von denen sich mehrere im Gebiet befinden. Insgesamt sei ihr Team für 80 Arten zuständig, einige davon seien sehr gefährdet. „Das Gebiet ist für die Schmetterlinge sehr wichtig“, unterstrich Steinle. Dies liege an den feuchten bis wechselfeuchten Wiesen, in denen etwa die streng geschützten Arten Heller und Dunkler Wiesenknopfameisenbläuling einen Lebensraum finden. Man müsse aber aufgrund des hochkomplexen Lebenszyklus aufpassen, dass nicht während der Ei-Phase bewirtschaftet werde. „Gegenseitige Rücksichtnahme ist das A und O“, betonte Steinle.

Ein weiterer Schwerpunkt des Artenschutzes seien die Amphibien, so Expertin Sandra Jentsch vom Regierungspräsidium. Die vielfältigen Lebensräume geben den Tieren die Möglichkeit, vom Sommer- ins Winterquartier zu wechseln. Das Schilf bei den Teichen sei drei bis vier Meter hoch und bleibe über den Winter stehen. „14 der 19 heimischen Amphibienarten gehen zurück“, warnte Jentsch. Mithilfe eines Gewässerprogramms könne man die Entwicklung verlangsamen. Die Gefahren seien jedoch präsent: der Wandertod, oder der Klimawandel.

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