Zu geringe Nachfrage
: Die Waldkita Rust hat keine Zukunft

Angesichts der geringen Nachfrage wird die Einrichtung geschlossen. Gleichzeitig wird an einem neuen Naturkonzept gearbeitet.
Von
Moritz Wolf
Rust
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Der Ruster Waldkindergarten – hier eine Aufnahme aus dem Jahr 2019 – wird zum Kindergartenjahr 26/27 geschlossen. Dafür gab der Gemeinderat grünes Licht. (Archivfoto)

Mutz

Das Interesse an der Gemeinderatssitzung am Montagabend war ungewöhnlich groß. Die gut gefüllten Plätze erklärten mit einem Thema, das viele Ruster direkt betrifft: die Kindergartenbedarfsplanung. Jahr für Jahr soll diese Klarheit schaffen bei der Frage, wie der Anspruch auf Kinderbetreuung erfüllt werden kann. Die Ruster Verwaltung rechnet angesichts der generell niedrigen Geburtenrate und dem in der Vergangenheit ausgebauten Betreuungsangebot mit einem „mittelfristig erhöhtem Platzangebot“. Die Bedarfsplanung für die kommenden Jahre weist laut Verwaltung zwischen 30 und 50 freie Plätze in allen 16 Kindergartengruppen Rusts aus. Besonders viele freie Plätze gibt es im Waldkindergarten der Elzwiesen Kita. Deren Waldgruppe soll nun mangels Nachfrage geschlossen werden.

Bürgermeister Kai-Achim Klare erinnerte daran, dass die Entscheidung, den Waldkindergarten zu schließen, für viel Diskussion gesorgt hatte. Die Gemeinde habe den Kindergartenausbau sehr schnell vorangetrieben. Das Ziel, so Klare: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sicherstellen. Es sei eine bemerkenswerte Situation, dass es in Rust mehr Plätze als Nachfrage gebe und zudem der Regelplatz für Ruster Familien kostenfrei sei (siehe Info). Die Entscheidung, den 2015 am Oberwald eingerichteten Waldkindergarten zu schließen, sei keine wirtschaftliche, betonte Klare.

Der Gemeinde erkennt einen klaren Grund, weshalb die Nachfrage so gering ist. Dies liege vor allem an den verkürzten Betreuungszeiten bis 14 Uhr, die Teil des Konzepts sind. Ein längerer Aufenthalt bei allen Witterungsbedingungen wird für Kinder nicht empfohlen. Gerade in Rust bestehe aber eine hohe Nachfrage nach Ganztagesplätzen, so Kämmerin Marion Fleig.

Mehr Naturpädagogik im Elzwiesenkindergarten

„Wir haben zwei Alternativen“, erklärte Klare. Eltern, die ihr Kind weiterhin in einer Naturkita betreuen lassen wollen, haben diese Möglichkeit. Da es inzwischen auch in Ringsheim ein Waldkindergarten gibt, dürfen die Ruster Kinder dorthin wechseln. Gleichzeitig plant Rust, die Naturpädagogik zu stärken – auch auf Wunsch der Eltern. Im Elzwiesenkindergarten soll eine Gruppe den Schwerpunkt „Naturpädagogik“ erhalten, der mit häufigen Aufenthalten im Freien verbunden sein soll. Die Mehrheit des Gremiums votierte für den Vorschlag.

„Es lässt mich nicht unberührt“, meinte Ratsmitglied Jörg Herdrich mit Blick auf Gespräche mit Eltern. Er warf die Frage in den Raum, ob es genügend Werbung für die Waldkita gegeben habe. Er stimmte gegen den Antrag.

So erging es auch Rätin Teresa Lang: „Ich finde es aus pädagogischer Sicht nicht gut.“ Zwar begrüße sie die Alternativen, habe aber Zweifel am Zeitplan. Das Konzept für die Elzwiesenkita soll bis zum Jahr 2026/27 ausgearbeitet sein.

Benjamin Peter verteidigte hingegen den Schritt. Von manchen Eltern geäußerte Vorwürfe wie „wir werden nicht gehört“ oder „wir sind hier nicht erwünscht“ weise er ausdrücklich zurück. Stimmen aus der Bürgerschaft würde er sehr ernst nehmen. Die Gemeinde müsse die Lage aber nüchtern betrachten. Das neue Konzept nannte Peter „nicht gleich, aber adäquat“.

Ewald Scherer kritisierte ebenfalls manche Vorwürfe von Eltern zur Schließung der Waldkita. Früher sei er tendenziell pro Waldkita gewesen, erinnerte er sich. Er glaube, dass es bis in einem Jahr eine gute Lösung gebe. Er forderte, dass die Eltern bei der Erarbeitung des Naturpädagogik-Konzepts beteiligt werden. Auch Karl-Heinz Debacher ist vom künftigen Konzept überzeugt. „Wir haben so viel geballtes Know-how“, befand er mit Blick auf das Naturzentrum Rheinauen. „Das wird bis 2026 klappen“, so Debacher.

Info – Kitakosten

Rust übernimmt für Kinder aus der Gemeinde die Kosten für den sogenannten Regelplatz. Das soll auch künftig für Eltern gelten, die ihr Kind im Ringsheimer Waldkindergarten betreuen lassen wollen. Sie profitieren also weiterhin von den Zuschüssen. Für Auswärtige Kinder, die in Rust eine Kita besuchen, werden die Kosten für den Regelplatz nicht übernommen.

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