Wirtschaft: Lahrer Start-up will Getränkemarkt aufmischen

Nerea Ohler hat natürliche Elektrolytgetränke in drei Geschmacksrichtungen entwickelt.
Schabel- Lahrer Gründerin Nerea Ohler bringt „Elowell“: natürliche Elektrolytgetränke in drei Sorten.
- Start im Mai 2025 nach Kündigung bei s.Oliver – Finanzierung durch Kredit der Lahrer Volksbank.
- Erste Charge mit 20.000 Flaschen ohne Abnehmer, danach Klinkenputzen und viele Absagen.
- Rezeptur mit Labor in Hessen entwickelt, ohne künstliche Zusätze, in 0,33-Liter-Mehrwegflaschen.
- Vertrieb wächst: bei Getränke Altmeyer und in rund 40 Märkten, Zusage einer großen Kette liegt vor.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
An einem Tag im Juni 2025 wurde Nerea Ohler erst so richtig bewusst, in was für eine Mammutaufgabe sie sich gestürzt hatte. Da erhielt sie die erste Charge des von ihr entwickelten Getränks – 20.000 Flaschen „Elowell“ auf einen Schlag. Beim Anblick der Riesenlieferung habe sie Angst vor der eigenen Courage bekommen, erzählt die 26-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion.
Zu dem Zeitpunkt hatte sie noch keine Abnehmer an der Hand. Es gab keine Vereinbarung mit dem Einzelhandel oder Vertriebspartnern – dabei hatte sie schon sehr viel Zeit, Mühe und auch Geld investiert. Grund genug für mulmige Gefühle. Zumal die Getränkebranche auch noch als ausgesprochen schwierig gilt; die meisten Neugründungen scheitern.
Ohler erzählt vom schweren Start. Wie sie unzählige Klinken geputzt, bei Lebensmittelhändlern vorgesprochen hat, um sie zu bitten, ihre Getränke ins Sortiment aufzunehmen. Am Anfang habe sie nur Absagen bekommen.
Aufgewachsen ist Ohler in Seelbach. Nach dem Werkrealabschluss am dortigen Bildungszentrum machte sie eine Ausbildung zur Hotelfachfrau und die Fachhochschulreife, der sie ein Wirtschaftsstudium folgen ließ. Die quirlige, eloquente junge Frau stieg in die Modebranche ein und dort die Karriereleiter schnell nach oben. Zuletzt war sie bei s.Oliver für Strategie sowie Entwicklung zuständig und arbeitete dabei direkt der Geschäftsführung zu.
Für ihr Start-up hat sie einen attraktiven Job aufgegeben
Ihre Elektrolytgetränke entwickelte sie bereits, als sie noch bei dem Modekonzern beschäftigt war – das sei zunächst alles nebenher gelaufen, erzählt sie. Als ihr die Doppelbelastung zu viel wurde, habe sie gekündigt und ihr eigenes Unternehmen gegründet. Das war im Mai 2025. Beim Start in die Selbstständigkeit habe ihr die Lahrer Volksbank mit einem Kredit in beträchtlicher Höhe geholfen.
Stellt sich die Frage, weshalb man eine attraktive Festanstellung für die Ungewissheit des freien Unternehmertums aufgibt – ohne fertiges Produkt, Vertriebskanäle und Kunden. Damit konfrontiert, beginnt Ohler voller Begeisterung von ihrer Geschäftsidee zu berichten, die sie bei einem Auslandssemester in Mexiko bekommen habe. Dort habe sie am eigenen Leib erlebt, wie stark Flüssigkeits- und Mineralstoffmangel das Wohlbefinden beeinflussen kann.
An langen Unitagen habe sie sich erschöpft gefühlt und ihren Körper mit Elektrolytgetränken wieder ins Gleichgewicht gebracht - das sei in Mexiko normal. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland habe ihr das gefehlt. Medizinische Pulver und überzuckerte Energy-Drinks habe man zwar im Land. Aber keine natürlichen Elektrolytgetränke auf Basis von Bio-Früchten. Diese Lücke habe sie schließen wollen.
Hintergrund: Über eine ausgewogene Ernährung deckt der Körper seinen Bedarf an Elektrolyten normalerweise ab. In bestimmten Situationen gehen jedoch große Mengen an Mineralstoffen verloren, etwa durch Schwitzen beim Sport oder in großer Hitze, aber auch bei erhöhter Belastung oder Flüssigkeitsdefiziten. Sie selbst habe sich an anstrengenden Tagen teils ungesund ernährt sowie das Trinken vergessen und dann gespürt, dass ihr Körper Elektrolyte braucht, erzählt Ohler.
Zurück in Deutschland, habe sie sich daran gemacht, ihre Idee umzusetzen. Mit einem Heilpraktiker und einem Arzt habe sie verschiedenste Zusammensetzungen ausprobiert und Rezepturen getestet. „Wir wollten ein funktionales Getränk mit angenehmem Geschmack entwickeln“, erzählt sie.
Die Zusammenarbeit mit dem ersten Labor, an das sie sich wandte, habe nicht das erhoffte Ergebnis gebracht, das dort produzierte Getränk habe noch zu salzig geschmeckt. Den Durchbruch habe man durch das Zusammenspiel mit einem anderen Labor mit Abfüllbetrieb erzielt. In dem Labor in Hessen sei es gelungen, mit Bio-Fruchtsäften die perfekte Rezeptur zu finden.
Das Ergebnis aus mehr als zwei Jahren Entwicklungsarbeit sind Elektrolytgetränke in den drei Geschmacksrichtungen Maracuja/Orange, Zitrone/Minze sowie Rote Beeren, die in 0,33 -Liter-Mehrwegflaschen verkauft werden. Elowell versorge den Körper mit Magnesium, Calcium, Kalium sowie Natrium und komme dabei ohne künstliche Süß-, Farb- sowie Aromastoffe aus, betont Ohler.
Nun hatte sie das fertige Getränk, aber noch keine Abnehmer für ihre erste 20.000-Flaschen-Lieferung. Der erste Händler, der an sie geglaubt und ihre Getränke in sein Sortiment aufgenommen habe, sei Dirk Altmeyer gewesen. Für diese Unterstützung sei sie dankbar, erzählt Ohler.
Der Anfang ist gemacht, die Zahl der Kunden wächst
Mittlerweile kann Elowell außer bei Getränke Altmeyer in 40 Lebensmittelmärkten oder Geschäften erworben werden, etwa bei Edeka Kohler in Lahr, Friesenheim, Offenburg, Altenheim, außerdem in Scheck-In-Märkten, darunter auch in Frankfurt. In Kohlers E-Center in der Arena steht Elowell gleich rechts am Eingang der Getränkeabteilung, außerdem im Kühlschrank vor der Kasse auf Blickhöhe, wo die wertigen Produkte platziert werden.
Ohler erzählt im Gespräch mit unserer Redaktion vom Alltag als Gründerin eines Start-ups, in dem sie alles selbst macht. Sie packt und verschickt Online-Bestellungen, fährt Getränkekisten aus ihrem Lager am Lahrer Flugplatz zu Märkten und betreibt regelmäßig samstags Promotionsstände, bei denen sie Kunden auf ihre Getränke anspricht und einlädt, einen Schluck zu probieren.
Der Glaube an ihr Produkt treibe sie an, sagt sie. Über die positive Resonanz freue sie sich und habe noch einige Pläne. Sie wolle weitere Geschmacksrichtungen entwickeln und Elowell auch in Dosen herausbringen, um neue Käuferschichten zu erschließen. Und sie sei froh, dass sie die Zusage einer großen Lebensmittelkette habe, ihre Elektrolytgetränke in ihr Sortiment aufzunehmen. Wenn das klappt, werde es Elowell in Hunderten Märkten zu kaufen geben.
Der Autor hat ihre Getränke natürlich probiert - und war angetan. Den Geschmack kann man am ehesten mit mineralig-fruchtig beschreiben.
Der Markt ist hart umkämpft
Der Getränkemarkt ist durch extremen Verdrängungswettbewerb und eine enorme Markenvielfalt geprägt. Da ein Mensch pro Tag nur eine bestimmte Menge zu trinken vermag, können Hersteller meist nur wachsen, wenn sie der Konkurrenz Marktanteile abnehmen. Um in der Masse aufzufallen, müssen selbst Giganten wie Coca-Cola oder Red Bull Milliarden in Werbung und Sponsoring investieren.
