Wichtige Rollen in jungen Jahren
: Die Freilichtspiele Seelbach setzen auf Nachwuchsschauspieler

Sie sind zwischen zehn und 14 Jahre alt, gehören teils aber trotzdem schon seit Längerem zu den Darstellern bei den Seelbacher Freilichtspielen. Auch bei der Inszenierung von „Glöckner von Notre Dame“ wirken die jüngsten Mitglieder des Ensembles mit.
Von
Endrik Baublies
Seelbach
Jetzt in der App anhören
Die jüngsten Ensemblemitglieder  opfern viel Zeit in den Sommerferien, um bei „Der Glöckner von Notre Dame“ mitwirken zu können.

Die jüngsten Ensemblemitglieder opfern viel Zeit in den Sommerferien, um bei „Der Glöckner von Notre Dame“ mitwirken zu können.

Baublies
  • Freilichtspiele Seelbach setzen bei „Der Glöckner von Notre Dame“ auf Nachwuchs.
  • Kinder zwischen zehn und 14 Jahren spielen „Kinderartisten“ und das „Volk von Paris“.
  • Einige haben Sprechrollen, trainieren Jonglage und proben abends in den Sommerferien.
  • Regisseurin Katja Thost-Hauser und Choreografin Silvia Franke binden Kinder gezielt ein.
  • Achtung: Alle Vorstellungen sind ausverkauft – keine Tickets über private Social-Media-Accounts kaufen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Alle Kinder bitte zu mir.“ Regisseurin Katja Thost-Hauser hat nach den Gesangsproben zu „Der Glöckner von Notre Dame“ am Dienstag dieser Woche eine neue Idee. Um was es sich handelt? Auf jeden Fall gibt es danach nicht zu übersehende Wechsel bei den Kostümen.

In dem Stück spielen Lotta Eble, Erika und Eva Herzog, Sofia Nagibauer, Lia Siefert, Sarah Wenzel, Emma Griesbaum, Naemi Franke und Anne Haas die „Kinderartisten“ im Zirkus. Der macht vor den Toren von Paris zur Weltausstellung Station. Emma, Naemi und Anne haben zudem Sprechrollen, die unterschiedlich groß ausfallen. Naemi wird – das war schon bei den ersten Proben vor 14 Tagen nicht zu übersehen und nicht zu überhören – Steine erweichen. Anne liest dem „Stein“, der weich werden soll, gehörig die Leviten – sprich sie redet dem Schurken des Stücks ins Gewissen. Gelegentlich gibt es noch Worte, die wunderbar passen, auch wenn sie aus der Mode gekommen sind.

„Wir nerven“ – mit diesen Worten beschreiben die Kinder ihre Rollen im Stück

Die meisten Kinderartisten haben noch keine Sprechrolle: Sie treten als Jongleure auf, tanzen und singen mit den Älteren mit. Im Stück spielen sie zudem das, was auf dem Theater im antiken Griechenland der Chor war: Sie kommentieren und verstärken – größtenteils mit Gesten – das Geschehen auf der Bühne im Seelbacher Klostergarten. Der Begriff „Kinder“hat sich für sie seit Jahren eingebürgert, auch wenn die Jüngsten von ihnen mittlerweile zwischen zehn und 14 Jahre alt sind.

Nach den Gesangsproben beschreiben Emma, Naemi und Anne im Gespräch mit unserer Redaktion ihre Rollen. Anne verwendet das Wort „kämpferisch“, Naemi spricht von „Zurückhaltung“ und „Mut“. Bei „zurückhaltend“ schließt sich Emma an. Aus ihrer eigenen Sicht hört sich ihre Aufgabe im Stück so an: „Wir nerven“ – auch „Quatschmachen“ gehöre dazu. Außerdem spielen sie das „Volk von Paris“ und: „Wir halten zusammen.“ Auf die Frage nach möglichem Lampenfieber sind sich alle einig, dass das bei ihnen noch keine Rolle spielt. Thost-Hauser erinnert sich, dass sie bei der Inszenierung von „Die Schöne und das Biest“ Kinder das erste Mal gezielt als Darsteller einbaute. Silvia Franke, die seit Jahren für die Choreografie verantwortlich ist, hatte damals die Idee, die Kindertanzgruppe aus der Eulenzunft (wo sie im Vorstand ist) einzusetzen. Diese Gruppe trainiert sie auch.

LZ aktuell
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Kreis Lahr Montag bis Freitag im kompakten Überblick.
Anne Haas hat die wohl größte Rolle unter den Kinderdarstellern. Hier  hat sie  eine  gemeinsame Szene mit einer der Hauptfiguren des Stücks.

Anne Haas hat die wohl größte Rolle unter den Kinderdarstellern. Hier hat sie eine gemeinsame Szene mit einer der Hauptfiguren des Stücks.

Baublies

Ein Beispiel, welche Rolle die Jüngsten im Ensemble haben, ist Lia Franke, die ältere Schwester von Naemi. Sie hat, sagt die Mutter Silvia Franke, bei „Sissi“ (2015) das erste mal bei den Freilichtspielen mitgewirkt. Dem Autor ist sie bei der Romanze „Der Sturm“ (von William Shakespeare) im Jahr 2019 besonders aufgefallen. Damals spielte sie eine nicht ganz einfache Aufgabe am Steuerrad – unterstützt von Siegried Schnurr: das Entsetzen bei einem kompletten Schiffsuntergang.

Die Jüngsten im Ensemble der Freilichtspiele proben nicht mehr und nicht weniger als die erwachsenen Darsteller aus der Region. Das heißt, drei Wochen am Ende der Sommerferien jeden Abend (ohne Sonntage) mehrere Stunden auf der Bühne im Klostergarten oder im Bürgerhaus zu stehen und zu üben, zu üben und zu üben. Frank Schwörer, der als Wolfsmensch mitspielt, ergänzt, dass die Kinderartisten Jonglage und andere Dinge, die zu einem Zirkus gehören, zusätzlich trainiert haben.

Welche Bedeutung die Freilichtspiele für die „Kinderartisten“ haben, ist einfach zu erklären. Alle möchten im kommenden Jahr wieder mitspielen. Anne ergänzt, dass die Familie die Sommerferien immer nach den Proben und den Aufführungen plant.

Achtung: falsche Tickets

Die Freilichtspiele Seelbach sind in diesem Jahr komplett ausverkauft (wir haben bereits berichtet), dennoch sind offenbar Tickets im Umlauf, die aber keine Gültigkeit besitzen. Die Gemeinde warnt in den sozialen Medien vor Ticketbetrug und weist darauf hin, dass es keine offiziellen Restkarten für die sechs Vorstellungen bis zum 20. September gibt. „Bitte keine Karten über private Accounts auf Social Media kaufen“, heißt es in dem Beitrag weiter.