Weihnachten in Schutzräumen
: So wird Heiligabend in Ettenheims ukrainischer Partnergemeinde gefeiert

Seit dem russischen Angriff vor rund vier Jahren wird Heiligabend in der Ukraine mit großen Sorgen gefeiert – auch in Ettenheims Partnergemeinde Vilkhovetska.
Von
Christopher Piskadlo
Ettenheim
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Festliche Gewänder gehören zu den weihnachtlichen Traditionen, die in Vilkhovetska – trotz anhaltendem Krieg – erhalten werden.

privat

Die Gemeinde Vilkhovetska liegt im Westen der Ukraine. Rund 13 500 Menschen nennen die Kommune am Ufer des Flusses Teresva ihre Heimat. Seitdem im Februar 2022 der Krieg am anderen Ende des Landes ausbrach, ist auch in der Ettenheimer Partnergemeinde nichts mehr wie zuvor. „Es gibt hier keine direkten Kampfhandlungen, doch der Krieg ist täglich spürbar: durch Luftalarm, Nachrichten über Verluste an der Front und die ständige Sorge um unsere Angehörigen“, beschreibt die ukrainische Gemeindeverwaltung auf Anfrage unserer Redaktion.

Weihnachten ist in Vilkhovetska mit alten Traditionen verbunden. „Am Heiligen Abend versammeln sich die Familien an einem Tisch und bereiten zwölf Fastenspeisen zu, die die Apostel symbolisieren: darunter Kutja, Kompott, Warenyky, Krautrouladen, Fisch, Pilze und Bohnen. Die Häuser werden mit Weihnachtsbäumen geschmückt, Kinder gehen von Tür zu Tür zum Singen und in den Kirchen finden feierliche Gottesdienste statt“, beschreibt die Gemeinde ein typisches Fest, wie es noch vor dem Angriff begangen wurde.

Seit rund vier Jahren sieht das Ganze anders aus. „Der Krieg hat selbst unsere Feiertage verändert.“ Weihnachten werde bescheidener gefeiert, ohne große Veranstaltungen oder Menschenansammlungen. Auch beim Essen müssten Abstriche gemacht werden. So habe man oftmals nicht alle nötigen Zutaten für die traditionellen Speisen – und auch wenn aufgetischt wird, muss es im Notfall schnell gehen. „Oft wird das Abendessen durch Sirenen unterbrochen – und die Familie setzt den Heiligen Abend im Schutzraum fort.“

An vielen Esstischen bleiben Sitzplätze leer

Auch das familiäre Beisammensein ist an Weihnachten keine Selbstverständlichkeit. „In vielen Häusern bleibt ein Platz am Tisch leer, weil ein Angehöriger an der Front ist oder weil jemand gezwungen war, ins Ausland zu fliehen“, beschreibt die Gemeinde. Aber auch viele Binnenvertriebene – also Ukrainer, die einst im unmittelbaren Kriegsgebiet lebten, dann jedoch nach Vilkhovetska flüchteten – verbringen die Feiertage ohne ihre Liebsten. Insgesamt 2000 habe die Gemeinde seit Kriegsbeginn aufgenommen.

„Besondere Aufmerksamkeit gilt alleinstehenden Menschen, älteren Bürgern sowie Familien mit kleinen Kindern – für sie ist unsere Gemeinde zu einem neuen Zuhause geworden. In der Weihnachtszeit organisiert die Gemeinde gemeinsame Essen, verschiedene Veranstaltungen, verteilt Lebensmittelpakete, warme Kleidung und Geschenke für Kinder“, heißt es.

Auch in Vilkhovetska werden Krippen aufgestellt.

Foto: privat

Apropos Geschenke: Was liegt heute in Vilkhovetska unter den Tannenbäumen der Einwohner? „Die Gaben sind meist symbolisch – Süßigkeiten, warme Kleidung, Karten oder kleine handgemachte Erinnerungen“, so die Antwort. Demnach stehe nicht das Materielle im Vordergrund, sondern die Gemeinschaft. „Das Wichtigste ist, zusammen zu sein, einander zu unterstützen und gemeinsam für den Frieden zu beten.“ Weihnachten habe in diesen Zeiten neue Tiefe erhalten. „Für die Bewohner unserer Gemeinde ist Weihnachten ein Moment der Stille, der Besinnung und der Erinnerung daran, wofür wir standhalten: für das Leben, unsere Familien und die Zukunft unserer Kinder.“

Gemeinde ist dankbar für die Spenden aus Ettenheim

Eine große Hilfe seien der Gemeinde dabei die Spenden aus Ettenheim. „Die Partnerschaft ist zu einer echten Brücke der Unterstützung und des Vertrauens geworden“, betont die ukrainische Verwaltung. Besonders dankbar sei man für die gespendeten Solar-Module für die öffentlichen Gebäude. „In der Gemeinde kommt es regelmäßig zu Stromausfällen infolge der russischen Angriffe auf das ukrainische Energiesystem.“ Dabei gehen nicht nur die Lichter aus. Auch die Wärmeversorgung bricht ein. Auch hier hat die Stadt Abhilfe geschaffen: Ende November wurden neben Hilfsgütern auch 28 Holzöfen von der Barockstadt in die rund 1800 Kilometer entfernte Kommune geliefert. Diese seien bereits eingetroffen und in Betrieb. „Ein Teil der Öfen wird an unsere Soldaten weitergegeben, damit dieses Licht auch die Schützengräben erreicht. Sie schenken den Menschen Wärme in dem wohl dunkelsten Winter des Krieges“, so die Gemeinde. Denn es gebe in diesem Jahr bereits Frost und Schneefälle.

„In jeder Lieferung steckt mehr als nur ein Gegenstand. In jeder steckt ein Teil Güte und weihnachtliches Licht. Trotz aller Herausforderungen des Krieges begegnen wir den Festtagen mit dem Glauben an den Sieg des Guten und an eine friedliche Zukunft“, so die Gemeinde weiter.

Info – Die Partnerschaft

Die Stadt Ettenheim und die Gemeinde Vilkhovetska sind seit dem 12. November 2023 Partnerkommunen. An diesem Tag wurde die Zusammenarbeit besiegelt, Bürgermeister Bruno Metz und Mykhailo Tsiryk, Gemeindevorsteher von Vilkhovetska, unterzeichneten die entsprechende Urkunde.

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