Vor vollem Haus
: Kabarettist Alfons sorgt in Lahr für Lacher – wird aber auch sehr ernst

Der Wahl-Hamburger Alfons hat am Samstagabend im ausverkauften Lahrer Parktheater ein flammendes Plädoyer für Europa gehalten. Die Mischung aus Humor und ernsten Worten kam beim Publikum sehr gut an.
Von
Endrik Baublies
Lahr
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Komiker Alfons überzeugte das Publikum im vollbesetzten Parktheater

/Baublies

Die Badener nennen die Art, wie Alfons Geschichte an Geschichte reihte, „von Hölzchen zum Stöckchen zu kommen“. Emmanuel Peterfalvi, der als Alfons seit Jahrzehnten mit Humor den Deutschen einen Spiegel vorhält, war beim Lahrer Auftritt nicht nur komisch. Seine Geschichten, bei denen Grandmére Erica, die „besten Freunde“ Jérôme und Jean-François, der Patron und Urgroßvater Henry Wahl sowie ein Brief von Olaf Scholz eine Rolle spielen, sind zum größten Teil wahr.

Der Patron, Urgroßvater André Wahl, Professor für Chemie in Nancy, wurde 1944 nach Auschwitz deportiert, wo er kurz danach ermordet wurde. Grandmére Erica Wahl folgte ihrem Vater freiwillig in das Todeslager und überlebte einen der sogenannten Todesmärsche kurz vor Kriegsende. Am Anfang erzählte Alfons diese Geschichte kurz.

In Lahr begleitete Lorenz Boesche am Flügel den Auftritt. Nach dieser Erzählung wurde es auf der Bühne dunkel, nur der Flügel war zu hören. Die Zuschauer waren sehr still geworden. Diese Geschichte entspricht der Wahrheit. Daher war es umso verwunderlicher, dass Grandmére später einen ehemaligen Aufseher eines KZ kennenlernte und daraus nach Jahren eine Freundschaft zwischen Täter und Opfer entstanden ist. Der bekannte Appell „Nie wieder“ wirkte umso mehr.

Sturm der Bastille ohne behördliche Erlaubnis

Aus dieser Episode leitete Alfons ein flammendes Plädoyer für die EU her. Er erinnerte, dass es seit 80 Jahren zwischen den Staaten, die heute zur EU gehören, keinen Krieg mehr gegeben hat. Der Komiker begründete das so: „Schlaue Politiker waren damals gleichzeitig im Amt“, mit dem Zusatz, dass das ein „historischer Zufall“ gewesen sei. Hier bekam Alfons den stärksten Applaus.

Alfons wäre nicht der Komiker, der er ist, wenn er aus den Unterschieden zwischen Deutschen und Franzosen nicht auch beißende Satire machen kann. Nach vielen Denküberlegungen, wie viele und lange Formulare es in deutschen Amtsstuben gibt, und der berechtigten Frage, wozu die Deutschen derlei Formulare benötigen würden, stellte er plötzlich die folgende Überlegung an: Was wäre wenn, die Franzosen für den Sturm der Bastille am 14. Juli 1789, erst eine behördliche Erlaubnis eingeholt hätten? Davor hatte er sich – schön altmodisch – echauffiert, wie dilettantisch die deutschen Bauernproteste aus der Sicht der revolutionsgestählten Franzosen wirken würden.

Die Idee zum neuen Programm „Jetzt noch Deutscherer“ hatte Alfons, als er einen Brief von Olaf Scholz, damals Oberbürgermeister von Hamburg, bekam, ob er denn nicht die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen wolle. Auch diese Geschichte ist wahr. Alfons zeigte am Ende seines Auftritts die entsprechenden Fotografien der Einbürgerungsfeier im Hamburger Rathaus samt Handschlag mit Scholz. Der Brief und die Überlegungen Peterfalvis, der seit dem Jahr 1991 in der Hansestadt lebt, standen gleich am Anfang des Programms, das mit Pause fast drei Stunden das Publikum im Parktheater bestens unterhielt. Die besten Freunde in Paris waren dagegen, Grandmére fand das weniger schlimm.

Viel Beifall für die ernsten Zwischentöne

Alfons hat durch die eigene Biografie und die seiner Vorfahren, die Erfahrungen und das Recht, die Unterschiede zwischen Deutschen und Franzosen zu beleuchten – egal ob mit Humor oder mit der notwendigen Ernsthaftigkeit. Den Humor, den viele der Besucher offensichtlich kennen und auch erwartet haben, hat Alfons gewohnt souverän präsentiert. Die Zwischentöne und ernsten Appelle, die „Alfons, jetzt noch deutscherer“ im Gegensatz zu anderen, früheren Auftritten hatte, waren angesichts der Gegenwart und eines Krieges in Europa berechtigt. Hier gab der Beifall dem Kenner beider Länder recht.

Di Grandmére-Stiftung

Ein Novum hat es beim Aufritt von Emmanuel Peterfalvi am Samstag im Lahrer Parktheater auch gegeben. Auf der Bühne kündigte Alfons an, dass er unter anderem für seine Gespräche an Schulen eine Stiftung ins Leben gerufen hat. Diese Stiftung heißt passenderweise Grandmére-Stiftung. Schüler bekommen die Möglichkeit, „Alfons, jetzt noch deutscherer“ zu besuchen. Der Komiker unterhält sich danach mit Schülern im Unterricht über die Prinzipien, die zur Integration Europas gehören. In Lahr hatten sich zur Vorstellung am Samstagabend allerdings keine Schulklassen angemeldet.

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