Vor 20 Jahren gegründet
: Im Einsatz für die Stadt – so arbeitet die Lahrer Bürgerstiftung

Der Stiftungsvorstand hat ein positives Fazit gezogen und sich zuversichtlich zur weiteren Arbeit geäußert. Aktuell hat man das Suppenfest gerettet, das sonst den Sparzwängen der Stadt zum Opfer gefallen wäre.
Von
Herbert Schabel
Lahr
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Sie stellten die Arbeit der Stiftung vor (von links): Sabine Fink, Thorsten Mietzner, Wolfgang G. Müller, Josie Giedemann, Jörg Uffelmann und Lea Treick, Vorsitzende des Trägervereins „Kleine Strolche“. Auf dem Foto fehlt Martin Wichmann aus dem Stiftungsvorstand.

Sie stellten die Arbeit der Stiftung vor (von links): Sabine Fink, Thorsten Mietzner, Wolfgang G. Müller, Josie Giedemann, Jörg Uffelmann und Lea Treick, Vorsitzende des Trägervereins „Kleine Strolche“. Auf dem Foto fehlt Martin Wichmann aus dem Stiftungsvorstand.

Schabel
  • Bürgerstiftung Lahr rettet das Internationale Suppenfest mit 3000 Euro – sonst Ausfall.
  • Auch „Heiß auf Lesen“ der Mediathek fand statt, weil 1000 Euro vorfinanziert wurden.
  • Stiftung betont Unabhängigkeit: kein Ersatz städtischer Leistungen, Budget 20.000–25.000 Euro.
  • Vermögen wächst: Kapital rund 350.000 Euro, Nachlass mit Haus am Stadtpark für 600.000 Euro inseriert.
  • Kita Kleine Strolche gehört zum Stiftungsvermögen und erfüllt den Stiftungszweck ganzjährig.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wenn sich die Besucher des Internationalen Suppenfests am Samstag, 14. November, in der Mehrzweckhalle Köstlichkeiten aus fast aller Welt schmecken lassen, ist das nur möglich, weil die Bürgerstiftung eingesprungen ist.

Sie unterstützt das Event mit 3000 Euro – sonst wäre es in diesem Jahr ausgefallen, da die Stadt aufgrund ihrer Haushaltssperre den gewohnten Zuschuss dafür gestrichen hat.

Bereits die Buchclub-Aktion „Heiß auf Lesen“ der Lahrer Mediathek hatte es in diesem Sommer nur geben können, da die Stiftung hier ebenfalls Mittel vorgestreckt hatte – in diesem Fall 1000 Euro. Auch hier hatte die Stadt zuvor einen Rückzieher gemacht.

Das Suppenfest kann in diesem Jahr nur veranstaltet werden, weil die Bürgerstiftung es mit 3000 Euro unterstützt.

Das Suppenfest kann in diesem Jahr nur veranstaltet werden, weil die Bürgerstiftung es mit 3000 Euro unterstützt.

Stadt Lahr/Marc Schillinger

Wird die Stiftung nun regelmäßig Zahlungen übernehmen, die der Stadt zuviel werden? Auf die Frage unserer Redaktion kam Widerspruch von Wolfgang G. Müller, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung Lahr – Reichswaisenhaus 1885, wie ihr kompletter Name lautet.

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Es könne nicht sein, dass man immer einspringe, „wenn irgendwo der Kittel brennt“, so der Alt-OB beim Pressegespräch. Zumal das der Stiftung jährlich zur Verfügung stehende Geld – 20.000 bis 25.000 Euro – ­dafür gar nicht ausreiche.

Die Stiftung sei „kein Reparaturbetrieb staatlicher Leistungen“, bestätigte Thorsten Mietzner. Vielmehr sei der zivilgesellschaftliche Gedanke ihr Fundament, betonte der Stadtarchivar. Ihr Prinzip sei „von Bürgern für Bürger“.

Abgesehen davon wolle man dem Gemeinderat auch nicht die Verantwortung abnehmen, über städtische Ausgaben zu entscheiden, war bei dem Pressegespräch vom Vorstand zu hören. Das wäre nämlich der Fall, wenn ohnehin klar ist, dass die Bürgerstiftung bisherige städtische Zahlungen übernimmt.

Anlass für das Gespräch war das 20-Jährige der gemeinnützigen Institution, die am 23. Juni 2006 in der Orangerie des Stadtparks gegründet worden ist – seinerzeit noch unter dem Namen „Stiftung Bürger für Lahr“. Der Antrieb kam von Müller, der damals OB in Lahr war und Mietzner um die Federführung in der Gründungsphase gebeten hatte.

Müller zog jetzt ein positives Fazit und machte gleichzeitig einen optimistischen Ausblick. Denn über die Jahre habe man zunehmend „Wind unter die Flügel bekommen“, da das Kapital der Stiftung gestiegen sei, auf aktuell rund 350.000 Euro, und außerdem immer mehr Menschen deren Arbeit regelmäßig durch Spenden unterstützen würden. Man stehe finanziell deutlich stärker da als beim Start vor 20 Jahren.

Die Stiftung bietet eine wertvolle Immobilie am Stadtpark zum Kauf an

Ein außergewöhnliches Beispiel für die wachsende Unterstützung ist der Nachlass eines Lehrerehepaares, das die Bürgerstiftung als Haupterbe eingesetzt hat. Die hat damit ein Einfamilienhaus in bester Lage am Stadtpark geerbt.

Man habe bereits einen Interessenten an der Hand gehabt, der aber wieder abgesprungen sei, sagte Sabine Fink, die vorstandsintern mit der Abwicklung des Immobilienverkaufs betraut ist. Deshalb sei das Haus nun wieder für 600.000 Euro inseriert.

Der Stiftung sei es wichtig, respektvoll mit dem Erbe zu verfahren, daher sei auch die Nutzungsabsicht des Käufers von Bedeutung. „Es gilt, zwischen Erlös und angemessener Weiternutzung zu entscheiden“, so Fink.

Gelingt es, die Immobilie zu diesen Bedingungen an den Mann zu bringen, erhält die Stiftung 25 Prozent des Erlöses. Der Rest würde an andere gemeinnützige Organisationen gehen, die ebenfalls im Testament bedacht wurden, ihren Sitz aber nicht in Lahr haben.

Die bisher geförderten Vorhaben zeigen, wie vielfältig die Hilfe der Lahrer Bürgerstiftung ist. Unterstützt hat sie unter anderem die Nachbarschatfshilfe, den Förderverein der Schutterlindenbergschule, die Kulturinitiative Villa Jamm, den Schwarzwaldverein Reichenbach oder den Freundeskreis der Mediathek. Nicht jeder Förderantrag könne indes berücksichtigt werden, heißt es in einer Pressemitteilung zum 20-Jährigen der Stiftung.

Manchmal reicht das verfügbare Jahresbudget nicht aus, „in anderen Fällen lässt sich ein Vorhaben nicht ausreichend mit dem Satzungszweck der Stiftung verbinden“.

Man wolle etwas „in Bewegung bringen“, erklärte Müller die Förderentscheidungen. Das Suppenfest schaffe zum Beispiel Begegnungen innerhalb der Stadtgesellschaft, während die sommerliche Leseaktion der Mediathek Kinder an Bücher heranführe.

Müller kam auf die Entwicklung der Bürgerstiftung zu sprechen und erinnerte dabei an die ersten Förderer, das E-Werk Mittelbaden, die Badenova, die Regionalstiftung der Sparkasse und das Druckhaus Kaufmann.

Er betonte auch die Rollen der früheren Vorstandsvorsitzenden Joseph Foschepoth und Christoph R. Schalk sowie von Gerhard Silberer, Jürgen Schmidt, Klaus Kolberg, Uwe Nachtigall und Michael Schaible, die die Stiftung in unterschiedlichen verantwortlichen Funktionen ebenfalls nach vorn gebracht hätten.

Ein besonderer Wendepunkt war das Jahr 2021, wie bei dem Gespräch betont wurde. Denn am 7. Juni 2021 übertrug der Verein Erstes Deutsches Reichswaisenhaus sein Vermögen auf die Stiftung. Seither heißt sie Bürgerstiftung Lahr –­ Reichswaisenhaus 1885.

Der Name hebe die Lahrer Institution von anderen Bürgerstiftungen in Deutschland ab, „er ist ein Alleinstellungsmerkmal“, sagte Jörg Uffelmann.­ Er war Vorsitzender des Vereins Reichswaisenhaus und ist heute Mitglied im Stiftungsvorstand. Damals habe man den Grundstein für eine neue, zukunftsweisende Phase der Stiftungsgeschichte gelegt, war bei dem Pressegespräch zu hören.

In der Kita Kleine Strolche am Altenberg wird der Stiftungszweck gelebt

Mit der Übertragung wuchs nicht nur das Stiftungsvermögen erheblich. Auch ein besonderer Aufgabenschwerpunkt kam hinzu, wie in der von Josie Giedemann verfassten Mitteilung zum 20-Jährigen betont wird: Die Kita am Altenberg mit einem Wert von rund 2,4 Millionen Euro wurde in das Vermögen der Stiftung überführt.

Träger der Einrichtung ist die Elterninitiative „Die kleinen Strolche“. Die dort geleistete Betreuung und Förderung von Kindern entspreche in besonderer Weise dem Satzungszweck der Stiftung, heißt es. Damit wird dieser Zweck nicht nur durch einzelne Förderprojekte, sondern ganzjährig unmittelbar mit Leben erfüllt.

Die Kita hatten Müller und Co. auch als Schauplatz für das Gespräch gewählt. Die Pressevertreter bekamen geschmackvoll eingerichtete, lichtdurchflutete Räume zu sehen, in denen sich der Nachwuchs bestimmt wohlfühlt.

35 Kinder sind dort untergekommen, zehn in der Krippe und 25 im Kindergarten. Die Plätze seien sehr begehrt, man habe eine lange Warteliste, sagte Lea Treick, die Vorsitzende des Trägervereins. „Die Entwicklung der Kinder hier passt zum Geist der Bürgerstiftung“, betonte sie.

Info-Stand beim Lahrer Herbst

Anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Bürgerstiftung laden der Vorstand und das Kuratorium am Samstag, 26. September, ab 10 Uhr zu einem Infostand am Storchenturm ein.

Der Termin fällt mit dem von der Werbegemeinschaft veranstaltet–en Lahrer Herbst zusammen. Bei einer warmen Suppe soll Gelegenheit zu Begegnungen und einem persönlichen Gespräch über die Arbeit der Stiftung bestehen.

Wer wissen möchte, wie sie arbeitet, welche Projekte sie unterstützt oder wie er selbst mithelfen kann, sei willkommen, heißt es in der Ankündigung. Der Erlös wird dem Suppenfest am 14. November in der Mehrzweckhalle zugute kommen.