Von Kippenheim bis Rust
: Die Narren haben die Rathäuser des Südbezirks erobert

Alle Schlüssel wurden erfolgreich in Gewahrsam genommen, die Bürgermeister von Ettenheim, Kappel-Grafenhausen, Kippenheim, Mahlberg, Ringsheim und Rust sind nun abgesetzt: Bis Aschermittwoch bestimmen die jeweiligen Zünfte, wo es lang geht.
Von
Sandra Decoux,Michael Masson, SilviaSchillinger-Teschnerund Rudi Rest
Ettenheim
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Weit mehr als hundert Hemdglunker forderten in Orschweier die Herausgabe des Rathausschlüssels.

Decoux

Die Rathäuser der Gemeinden Ettenheim, Kappel-Grafenhausen, Kippenheim, Mahlberg, Ringsheim und Rust sind fest in Narrenhand.

Nicht alle Bürgermeister gaben ihre Schlüssel freiwillig her, sondern lieferten sich einen Kampf mit den Narren.

Hoorig stellen in Ettenheim 24 Meter hohen Narrenbaum

Ettenheim: Die Narrengesellschaft Hoorig rief die Ettenheimer am Donnerstagabend zum Hemdglunkerumzug auf.

Zuvor stellte die Narrengesellschaft jedoch einen 24 Meter hohen Narrenbaum mit Muskelkraft vor dem Rathaus auf. Danach zogen die Narren angeführt von der Stadtkapelle den Muckedatscher und Saublodere durch die Straßen.

Philipp Klotz wird zuerst aus Grafenhausen und dann aus Kappel vertrieben

Kappel-Grafenhausen: Auch wenn es eine Premiere für Bürgermeister Philipp Klotz war, ließen die Grafenhausener Hexen keine Gnade walten. Als Klotz den Schlüssel nicht gleich rausrücken wollte, stürmten die Hexen samt Teufel das Rathaus in Grafenhausen und gelangten so an den Schlüssel. Auf einem alten Leiterwagen wurde der Bürgermeister unter einer großen Anzahl von Hexen des Dorfes verband, so dass er in Kappel „bi de Schnooge“ weiter regieren kann, so Oberzunftmeister Benjamin Utz.

Nach einem schaurigen Hexentanz und den Klängen der Musikkapelle Grafenhausen setzte sich ein großer Umzug von Hemdklunker in Bewegung. In der Halle gab es traditionell eine Heiße Wurst mit Weck für die kleinen Narren. Einen große Hexen-Galama mit live Band sorgte für gute Unterhaltung für das närrische Publikum.

Auch in Kappel war Klotz später kein Glück beschieden: Nach einem Hemdglunkerumzug vertrieben ihn die Rhinschnooge ebenfalls und feierten danach vor dem Rathaus und in den Wirtschaften.

Drei Monate nach der Wiederwahl wird Matthias Gutbrod wieder abgesetzt

Kippenheim: Nur ein paar Tage mehr als drei Monate konnte sich Kippenheims Bürgermeister Matthias Gutbrod nach seiner Wiederwahl im Amt behaupten. Am Schmutzigen Donnerstag schleppten ihn die Schelmewinkler unter lauten Jubelrufen aus dem Rathaus zum Narrengericht.

Dort wurde er entmachtet und musste Rathausschlüssel und Gemeindekasse in die Hände der Narren übergeben. Der kurze Prozess, der ihm dortgemacht wurde, wurde von den zahlreich erschienenen Kippener Hexen, Moorebätscher und dem „gemeinen Volk“ lautstark bejubelt. Mit wilden Tänzen um das Hexenfeuer herum wurde die erfolgreiche Stürmung des Kippenheimer Rathauses gefeiert.

Zu gewollt schrägen Tönen der Guggenmusik setzten sich die Eroberer im traditionellen Hemdglunkerumzug in Richtung Schützenhaus in Bewegung, wo der Sieg zünftig gefeiert wurde.

Narren suchen in Orschweier nach Geld

Orschweier: Der traditionelle Hermdglunkerumzug der „Hornig“ endete am Orschweierer Rathaus. Dort wurde vehement und lautstark die Schlüsselübergabe an das Narrenvolk gefordert. Ortsvorsteher Bernd Dosch und Bürgermeister Dietmar Benz, beide in Geldschein-Jacken gewandet, erwarteten am Hintereingang des Rathauses die mehr als hundert Narren samt vieler Kinder. Obwohl: „Mir hen kei Geld meh, s’isch alles für die Halle weg!“ Gemeint ist deren laufender Millionenumbau, bei dem man am Grundstein vier rätselhafte Umschläge gefunden hatte, in denen noch Rücklagen für Notzeiten vermutet wurden. Die wurden sodann quasi verlost. Folgerichtig fanden der Hornigen-Oberzunftmeister Volker Kern und sein Stellvertreter Felix Schaub unterschiedliche Stoff-Geldscheine im Riesenformat, während Fasentprinz Rene eine Niete zog. Doch weil Prinzessin Janah mit einem erwischten 500-Euro-Tuch das meiste Glück hatte, wurde ihr widerstandslos der Rathausschlüssel überreicht.

„Wir ziehen uns für ein paar Tage zurück“, verkündete Benz und flachste, dass die Narrenregierung mit ihrer übernommenen Macht ja nichts falsch machen könne, weil es im Rathaus überhaupt kein Geld mehr zum Ausgeben gebe. Dennoch reichte es noch, um die hell begeisterten Kinder per Gutsele-Würfen aus dem oberen Fenster zu erfreuen und die erwachsene Narrenschar mit einem Gläschen Wein und ausgebackenen badischen Scherben zu erquicken. Unter denen fanden sich übrigens im Gegensatz zu früheren Zeiten nur noch recht wenige echte Nachthemden-Träger.

Eine große Schar Hemdglunker eroberte das Ringsheimer Rathaus

Ringsheim: Zahlreiche Hemdglunker zogen durch Ringsheim – darunter auch viele Familien mit Kindern. Bürgermeister Pascal Weber wies sie daraufhin, was er alles speziell für Familien in Ringsheim getan habe. Aber das beeindruckte weder die Narren noch die Rämässer-Königin Luisa Ringwald noch Oberzunftmeisterin Eva Obergföll: Sie nahmen Weber den Schlüssel ab, stürmten gemeinsam das Rathaus und läuteten die närrische Zeit ein. Danach ging die Party im Bürgerhaus weiter.

Jetzt regiert in Rust der Vogt

Rust: Seit dem Schmutzigen Donnerstag haben die Narren unter der Herrschaft von Vogt Mike dem Ersten das Sagen in Rust. Noch bis Dienstagabend ist der Vogt im Besitz des Rathausschlüssels. Aus diesem Grund bleibt das Rathaus auch am Montag und Dienstag geschlossen. Ab Aschermittwoch ist das Rathaus dann wieder zu den gewohnten Öffnungszeiten für die Bürger geöffnet. Bürgermeister Kai-Achim Klare freut sich in der Zwischenzeit über eine kleine Auszeit.

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