„Von Angst bis Zuversicht“
: Die Lahrer Psychologin Martina Riedel hat ein Buch über Emotionen geschrieben

Unruhige Beine, geknetete Finger oder rote Flecken am Hals: Oft zeigt der Körper längst, was Menschen selbst noch nicht benennen können. Martina Riedel befasst sich damit in ihrem Buch.
Von
Saskia Hug
Lahr
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Die Lahrer Psychologin Martina Riedel ist stolz auf ihr Buch.

Die Lahrer Psychologin Martina Riedel ist stolz auf ihr Buch.

Saskia Hug
  • Psychologin Martina Riedel veröffentlicht „Von Angst bis Zuversicht – Gefühle bewusst wahrnehmen“.
  • Ziel: Menschen sollen körperliche Signale deuten und eigene Emotionen präziser benennen.
  • Buch verbindet Gefühle mit Farben, Geräuschen, Körperempfindungen und Fotos als Zugangshilfe.
  • Übungen laden zum Innehalten ein, etwa Hand auf Herz oder Bauch legen und in den Körper spüren.
  • Entstanden im EHP-Verlag: rund ein Jahr Arbeit, seit Mai 2024 etwa 350 verkaufte Exemplare.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Warum beginnen Menschen mit den Beinen zu wippen wenn sie über ihre Gefühle sprechen sollen? Beobachtungen wie diese aus ihrer Arbeit als Psychologin haben Martina Riedel aus Lahr dazu bewegt, ein Buch zu schreiben. Es trägt den Titel „Von Angst bis Zuversicht – Gefühle bewusst wahrnehmen“ und soll Menschen helfen, ihre Emotionen besser zu verstehen und in Worte zu fassen.

„Ich habe immer wieder gemerkt, dass bei meinen Patienten emotional etwas passiert, bevor sie überhaupt darüber sprechen können“, erzählt Riedel. Während einer Therapiesitzung beobachtet sie genau, wie sich Gefühle körperlich ausdrücken. Manche werden unruhig, andere verändern ihre Gesichtsfarbe oder kneten ihre Hände. Diese Reaktionen übergeht sie nicht, sondern spricht sie im passenden Moment an.

Leser sollen besseren Zugang zu Gefühlen finden

Ihre Erfahrung zeigt: Vielen Menschen fällt es schwer, ihre Gefühle klar zu benennen. Statt zu sagen, dass sie traurig, wütend oder beschämt sind, beschreiben sie nur, sie seien nervös oder unruhig. Selbst wenn Patienten von Wut sprechen, steckt dahinter häufig eine feinere Gefühlsnuance, etwa Zorn oder sogar Hass. „Es gibt unglaublich viele Abstufungen von Gefühlen. Das ist wahnsinnig schwer auszudrücken“, sagt Riedel.

Besonders Scham sei oft schwer zu erkennen. Viele Betroffene sprechen stattdessen von Angst oder einem allgemeinen Unwohlsein. Mit ihrem Buch möchte die Psychologin ihren Patienten und anderen Lesern helfen, einen besseren Zugang zu ihren Emotionen zu finden. Denn sichtbare Reaktionen allein reichen nicht aus.

„Wenn jemand weint, denken wir sofort, er ist traurig. Aber Menschen können auch vor Freude oder Wut weinen.“ Was ein Therapeut wahrnimmt, sei nicht automatisch das, was der Patient tatsächlich empfindet. Entscheidend sei, dass Menschen selbst erkennen, was sie fühlen, was sie denken und welche inneren Überzeugungen sie leiten.

Jedes Gefühl wird von einer Fotografie begleitet

Für ihr Buch hat sich Riedel intensiv mit einzelnen Gefühlen beschäftigt. Sie fragte sich: Welche Farben gehören zu einem Gefühl, welche Geräusche, welche Bilder? Wie fühlt es sich im Körper an? Gefühle seien eng mit Erinnerungen verbunden. So könne etwa der Geruch eines Nudelsalats Ekel auslösen, wenn jemand als Kind nach dessen Verzehr einmal erbrechen musste. Jeder Mensch verbinde daher andere Bilder, Gerüche, Farben oder Körperempfindungen mit denselben Emotionen.

Um diesen Zugang zu erleichtern, wird jedes Gefühl im Buch von einer Fotografie begleitet. Die Bilder stammen zum Teil von Riedel selbst, zum Teil von der befreundeten künstlerischen Fotografin und Pädagogin Christa B. Schweizer aus Konstanz. Sie fotografiert ungewöhnliche Oberflächen aus Holz oder Metall und entdeckt darin Motive, die anderen verborgen bleiben.

Wie unterschiedlich Bilder wirken können, zeigt ein Erlebnis, das Riedel bis heute beeindruckt. Eine Patientin wählte ein Motiv mit vielen weißen und einem schwarzen Schaf unter dunklen Gewitterwolken. Für Riedel symbolisierte das Bild Traurigkeit und Ausgrenzung. Die Patientin empfand das anders. Nach ihrer Therapie sah sie sich selbst als „resilientes schwarzes Schaf“, das gelernt hatte, zu sich zu stehen. Das Gewitter verstand sie als Symbol dafür, in Zukunft auch schwierigen oder widrigen Lebensereignissen gewachsen zu sein. „Ich dachte zuerst, da sei etwas kräftig schiefgelaufen“, erinnert sich Riedel. „Dabei war genau das Gegenteil der Fall.“

Neben den Bildern enthält das Buch zahlreiche Übungen. Kurze Texte greifen Themen wie Körper und Organe auf und zeigen, wie eng körperliche Empfindungen und Gefühle verbunden sind. Auch bekannte Redewendungen wie „Das schlägt mir auf den Magen“ oder „Da ist dir eine Laus über die Leber gelaufen“ werden aufgegriffen. Die Leser werden eingeladen, sich Zeit zu nehmen, ruhig zu sitzen, eine Hand auf Herz oder Bauch zu legen und bewusst in ihren Körper hineinzuhorchen. So sollen sie mit sich selbst ins Gespräch kommen und ihre Gefühle achtsam wahrnehmen.

Riedel arbeitete rund ein Jahr an ihrem Buch

Erschienen ist das Buch im EHP-Verlag (Edition Humanistische Psychologie), der sich auf Literatur zur Gestaltungs- und Humanistischen Psychologie spezialisiert hat. Für Riedel war es eine freudige Überraschung, dass der Verlag ihr Buch veröffentlicht hat. Der Verleger habe ihr erzählt, ein so farbenreich gestaltetes Werk mit zahlreichen Bildern habe er bislang nicht herausgebracht.

Etwa ein Jahr arbeitete Riedel an ihrem Buch. Hin und wieder erwachte sie nachts mit neuen Ideen und schrieb diese umgehend auf. „Das Buch ist in einem Prozess entstanden“, sagt sie. Vorab geplant, Autorin zu werden, habe sie nicht.

Seit Mai 2024 wurden rund 350 Exemplare verkauft. Zwei Lesungen hat Riedel inzwischen gehalten und dabei viel positives Feedback erhalten. Ihr Buch versteht sie nicht als Werk, das man einmal liest und anschließend ins Regal stellt. Vielmehr soll es immer wieder zur Hand genommen werden – als Inspiration und Einladung, sich mit den eigenen Gefühlen auseinanderzusetzen.

Zur Person

Martina Riedel ist Diplom-Psychologin mit einer kassenärztlichen Praxis und arbeitet seit 2000 in Lahr. Ihre Schwerpunkte sind die Behandlung von Depressionen aber auch die Themen Selbstwert, persönliche Weiterentwicklung und Traumaverarbeitung sowie Krisen rund um die Geburt eines Kindes. Daneben ist sie als Supervisorin und Lehrtherapeutin des AK Psychosomatik und Psychotherapie Südbaden tätig.

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