Vom Tief zurück auf die Bühne
: Rapper aus Lahr startet in Berlin durch

Maximilian Eichner – Künstlername „Maximilian 86“ – hat seine alte Heimat Lahr hinter sich gelassen und in der Hauptstadt neu angefangen. Nach einer schweren Krise will er nun mit seinen Songs Karriere machen.
Von
Saskia Hug
Lahr/Berlin
Jetzt in der App anhören
Maximilian Eichner blickt voller Zuversicht und Optimismus in die Zukunft. Er ist in seinem neuen Leben in Berlin angekommen und widmet sich voll und ganz seiner Musik.

Maximilian Eichner blickt voller Zuversicht und Optimismus in die Zukunft. Er ist in seinem neuen Leben in Berlin angekommen und widmet sich voll und ganz seiner Musik.

Mojo-Entertainment
  • Rapper Maximilian 86 zieht nach Berlin und richtet sein Leben vollständig auf Musik aus.
  • Nach einer schweren Depression entschied er sich für Therapie, Neuanfang und offene Worte.
  • Seit März 2025 neuer Künstlername, monatliche Releases – „Durch die Hölle“ erzielt Reichweite.
  • Auf TikTok gibt es über 3000 Beiträge, auf Spotify rund 110.000 Streams zu diesem Song.
  • Im Herbst plant er Konzerte in Offenburg und Berlin; Auftritt auch beim Lahrer Event „Die Brücke“.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Noch vor drei Jahren wusste Maximilian Eichner nicht, wie es weitergehen soll. Heute spricht der 40-Jährige mit großer Selbstverständlichkeit von großen Bühnen, neuen Songs und einer Karriere als Musiker. „Die Frage, ob es funktioniert, stellt sich für mich nicht mehr“, sagt er. „Die Frage ist nur noch, wann.“

Eichner, der unter dem Namen Maximilian 86 Musik macht, hat einen langen Weg hinter sich. 2023 sei er „komplett am Ende“ gewesen. Er leidet unter Depressionen, zieht sich zurück und steht vor einer Entscheidung, die sein Leben verändert. Heute lebt er in Berlin, veröffentlicht regelmäßig neue Songs und baut sich Schritt für Schritt eine Karriere auf. Die Musik, die lange nur ein Teil seines Lebens war, ist für ihn inzwischen dessen Mittelpunkt.

Dabei beginnt alles in Lahr. Mit 13 Jahren entdeckt Eichner den Rap für sich. „Seitdem habe ich nie wieder aufgehört“, sagt er. 2006 steht er erstmals in seiner Heimatstadt auf der Bühne. In der damaligen Diskothek DOG folgen zahlreiche weitere Auftritte. Auch bei Freestyle-Battles und Konzerten in ganz Deutschland ist er unterwegs und trägt den Namen der Stadt nach außen.

Doch von der Musik allein kann Eichner nicht leben. Von 2009 bis 2023 arbeitet er im sozialen Bereich. Als Arbeitserzieher unterstützt er junge Erwachsene dabei, eine berufliche und soziale Perspektive zu finden. Er zieht nach Offenburg, gründet eine Familie und macht weiterhin Musik.

LZ aktuell
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Kreis Lahr Montag bis Freitag im kompakten Überblick.

Sein Wissen gibt er in Workshops im Lahrer Schlachthof weiter

Auch in Lahr bleibt er aktiv. Von 2018 bis 2023 gibt Eichner wöchentlich Rap-Workshops für Kinder und Jugendliche im Schlachthof. Er will ihnen zeigen, dass Hip-Hop mehr sein kann als Musik – nämlich eine Möglichkeit, sich auszudrücken und gehört zu werden.

Im Laufe des Jahr 2023 ändert sich alles. Eichner nennt diese Zeit „Edge of the Cliff“. Er sei schwer depressiv und „komplett am Ende“ gewesen. Irgendwann habe er nur noch zwei Möglichkeiten gesehen: „Entweder du guckst jetzt, wie du wieder auf die Beine kommst. Oder du gehst ein und bist weg.“

Er entscheidet sich fürs Leben. Und für einen radikalen Neuanfang. Eichner verlässt Offenburg und zieht nach Berlin. Freunde stehen ihm zur Seite, dazu kommen Therapie und Klinik. Schritt für Schritt kämpft er sich zurück. Gleichzeitig verändert sich sein Blick auf die Musik. „Es gibt nichts anderes für mich“, sagt er. „Ich bin Musiker, wenn ich aufwache, und Musiker, wenn ich schlafen gehe.“

Berlin bietet ihm dafür neue Möglichkeiten. Über die Musik hat er bereits Kontakte geknüpft, nun taucht er immer tiefer in die Szene ein. Er arbeitet mit Produzenten und anderen Künstlern, schreibt neue Songs und wird persönlicher. Im März 2025 macht er auch äußerlich einen Schnitt: Aus Maximum One wird Maximilian 86.

Seitdem veröffentlicht er etwa einmal im Monat ein neues Lied. Eines davon sticht heraus: „Durch die Hölle“. Auf TikTok verbreitet sich der Song, mehr als 3000 Beiträge entstehen dazu. Auf Spotify erreicht er inzwischen rund 110.000 Streams.

Für Eichner sind die Zahlen allerdings nicht das Entscheidende. Es sind die Nachrichten seiner Hörer. Menschen schreiben ihm, dass seine Songs ihnen in schwierigen Zeiten geholfen haben. „Jeder Song, den ich mache, ist für irgendjemanden da draußen irgendwo eine kleine Heilung“, sagt er.

Deshalb spricht Eichner offen über Depressionen, Suizidgedanken und Ausgrenzung. Er weiß, wie schwer es sein kann, über die eigenen Probleme zu reden. Nachdem er sich selbst geöffnet habe, hätten sich Menschen aus seinem Umfeld von ihm abgewandt. Heute will er anderen Mut machen, sich nicht zu verstecken und Hilfe anzunehmen.

Auch auf der Bühne macht er keine großen Unterschiede zwischen Künstler und Publikum. Bei einem Konzert im vergangenen Oktober in Offenburg verlässt er irgendwann die Bühne, setzt sich mitten in die Fans und performt dort seinen Song. Gefühle zu zeigen, gehört für ihn dazu. Ebenso wie die eigene Komfortzone zu verlassen. „Es gibt zwei Dinge, die uns killen: Scham und Angst.“

Sein Leben in Berlin besteht inzwischen aus Musik, Arbeit und seinem engsten Umfeld. Rund 30 Stunden pro Woche arbeitet Eichner weiterhin als Sozialarbeiter. Den Rest seiner Zeit steckt er in seine Karriere: Songs schreiben, Videos schneiden, Social Media, Auftritte organisieren. Das meiste macht er selbst. Unterstützung bekommt er von Menschen, die schon lange an seiner Seite sind. „Meine Freunde sind meine Familie“, sagt Eichner. Auch sein 14-jähriger Sohn ist regelmäßig in Berlin und bei Auftritten dabei. „Mein Leben besteht aus meinem Sohn, meiner Musik und meinen Leuten – mehr brauche ich nicht.“

In Berlin ist er eine feste Größe

Und dann ist da noch Sido. Während der Corona-Zeit nimmt Eichner an einem Aufruf des Berliner Rappers teil. Gesucht wird ein Song über den kleinen Papierstreifen an Zigarettenpackungen. Eichner gewinnt. Seitdem kennt Sido ihn und holt ihn inzwischen zweimal auf die Bühne.

Für Eichner ist das ein Zeichen, dass sich etwas bewegt. Seine ersten Schritte auf dem Weg zu größeren Bühnen sind gemacht. Im Herbst stehen Auftritte in Offenburg und Berlin an. Für das Berliner Konzert haben Fans bereits Tickets aus Hamburg, Magdeburg, Erfurt, Mainz, Leipzig und Zürich gekauft. Manche wollen ihn bei beiden Konzerten sehen. „Die reisen wegen mir an. Das ist schon eine Ehre“, sagt er.

Berlin ist inzwischen sein Lebensmittelpunkt. Trotzdem bleibt die Verbindung zur Heimat. Lahr und Offenburg gehören zu seiner Geschichte – und sollen auch Teil seiner Zukunft bleiben. Einmal im Jahr möchte Eichner in der Heimat auftreten, kleiner und persönlicher, mit den alten Songs.

„Ich vergesse nicht, wo ich herkomme“, sagt er. Vor drei Jahren stand Eichner selbst am Abgrund. Heute steht er auf der Bühne im Rampenlicht. Und er hat ein klares Ziel: Er will nach oben.

Podiumsdiskussion in Lahr

Der Verein „Die Brücke“ in Lahr plant am 10. Oktober ein Hip-Hop-Event mit einer Podiumsdiskussion zur Förderung der Sichtbarkeit von mentaler Gesundheit. Maximilian 86 wird dort auftreten und an der Podiumsdiskussion teilnehmen. Die Veranstaltung richtet sich an Krisen- und psychiatrieerfahrene Menschen, Angehörige, Fachpersonal, Kooperationspartner sowie interessierte Bürger. Hintergrund: Der Verein „Die Brücke Lahr“ setzt sich für die gesellschaftliche Inklusion von Menschen in psychischer Not ein und veranstaltet regelmäßig Öffentlichkeits- und Diskussionsformate.