Vom Kritiker zum Fan geworden
: Für Historiker Stefan Lindl ist der Europa-Park ein „Ort des guten Lebens“

In seinem neuen Buch erklärt der Autor, was den Ruster Park so besonders macht. Dabei geht er gezielt nicht auf die Achterbahnen ein.
Von
Christopher Piskadlo
Rust
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Stefan Lindl stellte im Hotel Colosseo des Europa-Parks sein neues Werk vor.

Piskadlo

Alte Schlösser, historische Fachwerkhäuser oder zerfallene Ruinen: Für Stefan Lindl ist geschichtsträchtige Architektur eine absolute Leidenschaft. Zum Ausdruck bringt er diese als Professor für Europäische Regionalgeschichte an der Universität Augsburg. Auch zahlreiche Bücher hat der Kulturhistoriker bereits geschrieben. Sein neustes unterscheidet sich jedoch von seinen bisherigen Werken. Unter dem Namen „Der Park – Eine Philosophie des guten Lebens“ befasst es sich mit dem Europa-Park und zeigt diesen von einer ungewohnten Seite.

Wie es dazu kam, erklärte Lindl am Dienstagmittag direkt vor Ort in Rust. Vor rund 70 Besuchern, darunter auch die Park-Chefs Roland und Jürgen Mack, stellte er seine Arbeit im Hotel Colosseo vor. „Ich habe dieses Buch überhaupt nicht geplant. Freizeitparks galten für mich als inhaltsarm, oberflächlich und überfüllt“, räumte er zu Beginn ein. Demnach gering waren die Erwartungen des gebürtigen Gernsbachers, als er – auf Wunsch seines Sohnes – das erste Mal den Europa-Park besuchte. „Bereits nach wenigen Metern habe ich meine Meinung geändert“, erinnerte er sich. Beeindruckt hätten ihn dabei nicht die Achterbahnen, sondern die authentische Gestaltung der Themenbereiche. „Mit so viel Liebe zum Detail und der Architektur mit kulturhistorischem Anspruch hatte ich nicht gerechnet“, so Lindl.

Der Historiker vergleicht den Park mit den Städten Danzig und Frankfurt

Dabei kopiere der Park nicht einfach nur. Vielmehr interpretiere er den Baustil der jeweiligen Länder in eigene Architektur und bette die Attraktionen in glaubhafte Lebenswelten ein. „Das unterscheidet den Europa-Park von seinen Konkurrenten“, betonte der Experte. Vergleichbar sei das Ganze mit der polnischen Stadt Danzig. Augenscheinlich bestehe der Ortskern aus historischen Gebäuden. In Wahrheit sind diese jedoch nicht älter als 80 Jahre. „Nach dem Zweiten Weltkrieg lag die Stadt in Schutt und Asche. Die Fassaden der Altstadt wurden akribisch wiederaufgebaut, während dahinter eine moderne Stadt entstand“, erklärte Lindl. Das sei unter anderem auch in der sogenannten neuen Frankfurter Altstadt der Fall. „Der Europa-Park wurde auf einer Fläche gebaut, die vor 50 Jahren nur aus Wiesen bestand. Man könnte jedoch meinen, dass die Gebäude schon immer dort waren“, so der Historiker.

Im Publikum waren unter anderem Jürgen Mack (links) und der Ruster Gemeinderat Karl-Heinz Debacher (Zweiter von rechts). Nicht im Bild, aber ebenfalls vor Ort: Park-Inhaber Roland Mack

Foto: Piskadlo

Und auch die „Formen der Memoria“ – also die Art, wie an Menschen im Park erinnert werden – sei sehr bewegend. „Von Vorfahren der Familie Mack bis hin zu berühmten Persönlichkeiten – alle werden bedacht. Das macht den Park zu einer historischen Erlebniswelt.“

Inhaber Roland Mack bedankte sich bei Lindl für den besonderen Blick auf den Park. „Wir wurden in der Vergangenheit mehrfach als den besten Freizeitpark der Welt ausgezeichnet. Und durch Ihr Buch wurde mir klar, weshalb“, lobte Mack den Historiker. „Sie haben mir die Augen geöffnet“, so der Park-Inhaber.

Info – Das Buch kaufen

Stefan Lindls Buch umfasst insgesamt 240 Seiten und ist im Internet unter www.shop.europapark.de für 49,99 Euro erhältlich.

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