Tribute-Konzert in Lahr
: Musiker verneigen sich vor Stefan Maier

Weggefährten des verstorbenen Gitarristen spielten zu seinen Ehren im Schlachthof. Das Konzert war eine bewegende Hommage an den Lahrer.
Von
Jürgen Haberer
Lahr
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Jürgen Herrmann (links) und Henning Lehmann traten auf die Bühne.

red

Ein Konzert als letztes „Farewell“ für einen alten Freund und Weggefährten, dazu ein Spendentopf, der mit rund 2000 Euro den Grundstein für eine kleine Stiftung zur Förderung der musikalischen Jugendarbeit im Popbereich gelegt hat: Sechs Wochen nach der Trauerfeier auf dem Bergfriedhof, bei der bereits Bandkollege Harry Braun mit Eric Claptons Welthit „Tears in Heaven“ einen musikalischen Gruß hinterließ, hat sich die Lahrer Musikszene mit einem Tributkonzert von Stefan Maier verabschiedet.

Knapp zwei Dutzend Musiker, die irgendwann mit dem versierten Gitarristen und langjährigen Stadtredakteur der Lahrer Zeitung auf der Bühne standen, spielten am Donnerstag in fünf Bands und Projektformationen, die eigens für den Anlass zusammengewürfelt worden waren. Es war ein vierstündiger Konzertmarathon mit fliegenden Wechseln, moderiert und zusammengehalten von Nicolaus Wilhelm und Matthias Ambs, die immer wieder kleine Anekdoten einstreuten, an Wegmarken im musikalischen Werdegang Maiers erinnerten.

Maiers alte Band spielte seine Lieblingssongs

Für Ambs, den Schlagzeuger seiner ersten Band und Macher hinter dem Line Up des Abends, war es ein kleines Trostpflaster für die kurzfristige Absage seines eigenen Trios „The Oriental Voodoo Conference“: Bassist Andreas Schmidt hat sich bei der Arbeit in der Schreinerei die Finger gequetscht, muss für eine Weile pausieren.

„Tuff Enuff“ mit Harry Braun

Foto: Haberer

Den Einstieg besorgte „Tuff Enuff“, die Band, mit der Maier an Weihnachten 2022 sein letztes Konzert im Schlachthof absolviert hatte. Frontmann Harry Braun, wie Ambs bereits zu Schulzeiten gemeinsam mit Stefan Maier am Start, hatte für den gut 30-minütigen Auftritt ein Set mit einigen von Stefan Lieblingssongs zusammengestellt. Material von den Beatles und den Rolling Stones, von Cream und The Who, Klassiker von Chuck Berry. Britischer Pop aus den legendären 1960ern und erdiger Blues, das musikalische Lebenselixier von Stefan Maier, dessen Gitarrenparts am Donnerstag von Dominik Müller übernommen wurden.

Berni Weiss

Foto: Haberer

Es folgten Berni Weiss (Gitarre, Gesang) und Herbert Steiner (Gitarre, Gesang), die unter anderem bei „Hanna Wilhelm & Friends“ immer wieder mit am Start gewesen waren. Sie setzten mit ruhigen, atmosphärisch dichten Popklassikern einen Kontrapunkt, für zusätzliche Farbe sorgte Saxofonist Wolfgang Schaudt.

Auftritt erinnert an die legendären „Pub Allstars“

In der kurzen Umbaupause gab es eine Einlage von Nicolaus Wilhelm (Gesang) und Gerry Maier (Gitarre, Gesang). Randy Newmans „You‘ve Got a Friend in Me“, eine Ode an die Freundschaft, wegen einigen Textaussetzern verknüpft mit einer entschuldigenden Reminiszenz an Stefan Maiers Perfektionismus: „Stefan, wir haben es vergeigt“.

Danach folgte die Gruppe „Schüttelfrost“, die ihn immer wieder als Gastmusiker verpflichtet hatte. Joachim Bauer (Gesang, Gitarre), Gerry Maier (Gitarre), Markus Moser (Bass) und Taner Demiralay am Schlagzeug. Eigene Songs mit knackigen Riffs, schrägen Texten und Spaßfaktor.

An die Zeit der legendären „Pub Allstars“ mit Stefan Maier, Tommy Sauter (Gitarre) und Henning Lehmann (Gitarre, Gesang) erinnerte der Auftritt von Lehmann & Friends, für den sich die beiden Letztgenannten mit Bassist Chris Scherer, Jürgen Herrmann (Saxofon) und dessen Bruder Eddy am Schlagzeug zusammengetan hatten.

Der Einstieg war schlichtweg grandios: Ein freies Intro von Jürgen Herrmann, im Duo mit Henning Lehmann überführt in David Bowies „This is not America“. Ein politisches Statement, das heute vielleicht noch zutreffender ist als in den 1980er-Jahren. Das Quintett setzte musikalisch das atmosphärisch dichte Glanzlicht des Abends.

Isolde Wawrin

Foto: Haberer

Das Finale besorgte die legendäre, mit Stefan Maier an der Gitarre 1996 nach fast drei Jahrzehnten wiederbelebte Formation IFE United. Isolde Wawrin (Gesang), Wolfgang Lauer (Bass, Gesang), Roland Zitzlaff (Keyboard) und Horst Munz (Schlagzeug) von der Urbesetzung der ursprünglich in den 1960er-Jahren gegründeten Gruppe, alle mittlerweile jenseits der 70, traten noch einmal gemeinsam auf. Dazu Gerry Maier an der Gitarre.

Sie spürten dem besonderen „Spirit“ der legendären „Sixties“ nach. Der mit „Somebody to Love“, von „Jefferson Airplane“ eingeleitete Set erinnerte an die musikalische Aufbruchstimmung jener Zeit, das Spiel mit der wilden Ekstase des Blues, den psychedelischen Exkursionen jener Ära.

Stefan Maier musste sich seinerzeit erst in das Repertoire einarbeiten, hat „IFE United“ aber zu neuem Schwung und Glanz verholfen, wie der kanadische Sänger Doug Gros in einer von Horst Munz verlesenen Grußbotschaft aus Übersee betonte.

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