Touristen aus Großbritannien: 16 Stunden im Bus zum Blumenfest in Lahr

Stadtführerin Gabriele Bodri (Zweite von rechts) stellt den Teilnehmern der Führung Chrysanthemenkönigin Nayana I. vor, auf die die Gruppe beim Rundgang durch die Innenstadt zufällig getroffen ist.
Schabel- Britische Reisegruppe reiste 16 Stunden zur Chrysanthema in Lahr, Ankunft erst um 1 Uhr nachts.
- Grund der Verzögerung war eine stürmische Fährüberfahrt über den Ärmelkanal.
- Die 51 Gäste aus Buckinghamshire buchten bei Crusader Holidays eine fünftägige Tour.
- In Lahr führten Eva Mosmann und Gabriele Bodri durch die Beete – inkl. Kostprobe von Speisechrysanthemen.
- Stadt setzt 22 geschulte Gästeführer ein: Führungen erklären Inhalte und lenken Besucherströme.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Eine Britin erzählte dem Autor, dass die Anfahrt mit dem Reisebus für sie am Montag um 9 Uhr begonnen und viel länger als vorgesehen gedauert habe. Für 20 Uhr sei die Ankunft am Hotel in Kehl geplant gewesen, tatsächlich habe man erst um 1 Uhr nachts eingecheckt. Die Überfahrt mit der Fähre über den Ärmelkanal sei stürmisch gewesen, dort habe man viel Zeit verloren.
Die Engländer kamen aus der rund 60 Kilometer nordwestlich von London gelegenen Grafschaft Buckinghamshire. Bei einem dort ansässigen Reiseunternehmen namens Crusader Holidays hatten sie eine Tour mit dem Titel Black Forest Chrysanthemum Festival gebucht, fünf Tage für 559 britische Pfund (rund 670 Euro). Das Programm: Montag Anreise, Dienstag Titisee und Freiburg, Donnerstag Straßburg, Freitag die Rückfahrt. Höhepunkt sollte der Mittwoch mit dem Besuch in Lahr werden – das versprach die Aufmachung im Reisekatalog, wo der Fünf-Tages-Trip mit einem Foto der Chrysanthema beworben worden war.
Die Briten probieren, wie eine Chrysantheme schmeckt
Mittwoch, kurz vor 10.30 Uhr auf dem Rathausplatz. Neben dem Info-Point des Stadtmarketings unterhalten sich einige Stadtführer, unschwer zu erkennen an ihren roten Umhängen. Sie warten auf die ihnen zugewiesenen Gruppen, die alle pünktlich eintreffen, darunter die 51-köpfige Reisegesellschaft aus England. Sie wird vor Ort in zwei Gruppen aufgeteilt, die zwei Stadtführerinnen übernehmen, Eva Mosmann und Gabriele Bodri.
Bodri gehört seit 15 Jahren zum Kreis der Stadtführer in Lahr, die Spezialität der Kunsthistorikerin und selbstständigen Dozentin sind historische Führungen. Besuchern die Chrysanthema zu zeigen bereite ihr besondere Freude, da die Gäste der Blumenschau stets gut aufgelegt seien, erzählt sie dem Autor, bevor es losgeht. Für die Gruppe aus Großbritannien ist sie vom Stadtmarketing ihrer guten Englischkenntnisse wegen ausgewählt worden.
Bodri ist mit einer Umhängetasche unterwegs, aus der sie im Verlauf der Führung immer wieder Infomaterial hervorzieht. Am Storchenturm, der ersten Station, ist es eine historische Zeichnung, die das Lahrer Wahrzeichen als Teil einer einstigen Tiefburg zeigt. Außerdem eine Speisechrysantheme, von der sich die Teilnehmer der Führung ein Stück abzwacken und probieren dürfen. Die Briten kosten das Grün mit der aromatisch-würzigen Note und nicken anerkennend.
Zu allen Themenbeeten hat die Lahrerin interessante Hintergrundinfos parat. Bei der Stadtmühle erzählt sie etwa, dass das dortige Arrangement einem indischen Fest gewidmet ist und die violetten Chrysanthemen mit der Lichterkette den Ganges darstellen sollen, auf dem Kerzen schwimmen. Auf dem Schlossplatz macht Bodri ihre Zuhörer darauf aufmerksam, dass das Beet die deutsche und französische Nationalflagge zeigt.
Auch Hintergründiges erzählt sie. Am Sonnenplatz betont sie zum Beispiel, das das dortige Juweliergeschäft die Chrysanthema mit einer eigenen Blumenecke unterstützt, während vor der Filiale einer Modekette auf der anderen Straßenseite kein Blumenschmuck zu sehen sei. Nebenbei macht sie ein wenig Werbung für den örtlichen Einzelhandel und stellt den Engländern die Marktstraße als „main shopping street“ vor, als Haupteinkaufsmeile in Lahr.
Ein Paar erinnert sich an seine Flitterwochen
Es ist proppenvoll in der Innenstadt, am Urteilsplatz gibt's sogar einen kleinen Stau. Bodri muss warten, bis sie den dortigen Tausendblütler präsentieren kann - wobei die Gruppe zuvor noch dem Bähnle Platz machen muss, das sich mit der Hupe bemerkbar macht.
Eine Teilnehmerin der Führung fragt den Autor, weshalb es keine englischsprachigen Infotexte an den Beeten gibt. Der erwidert, dass halt vermutlich nicht so viele Engländer und Amerikaner die Chrysathema besuchen - und fragt die Britin, weshalb sie denn gekommen sei. Sie liebe Blumen, erwidert sie. Ein Paar erzählt, dass es vor 40 Jahren seine Flitterwochen im Schwarzwald verbracht habe und die Region nun wiedersehen wollte.
Bodri schafft eine angenehme Atmosphäre, betreibt auf dem Weg von Beet zu Beet Smalltalk mit ihren Gästen. Einen Engländer im T-Shirt fragt sie, ob ihm nicht kalt sei. Nein, keineswegs, so der kräftig gebaute Mann.
Als sich die gut eineinhalbstündige Führung ihrem Ende nähert, gesellt sich am Schlossplatz zufällig Nayana I. zu der Gruppe. Bodri stellt den Briten die Chrysanthemenkönigin vor, die in perfektem Englisch ein paar Worte mit ihnen wechselt. Die Engländer sind von der Blumenhoheit in ihrem farbenprächtigen Outfit begeistert und knipsen viele Fotos. Es ist der krönende Abschluss der rundum gelungenen Führung. Als Bodri sich kurz danach von ihren Gästen verabschiedet, erhält sie viel Beifall.
Zum Abschied fragt der Autor eine Britin, wie ihr die Chrysanthema gefällt - „very nice“, sehr hübsch, sagt sie.
Das sagt die Stadt
2025 habe es 280 Führungen über die Chrysanthema gegeben, in diesem Jahr peile man eine ähnliche Zahl an, so die Stadt auf Nachfrage. „Es ist sehr erfreulich, dass das dritte Wochenende stärker gebucht wird als im letzten Jahr“, heißt es aus dem Rathaus. Während des Blumenfestivals habe man 22 Gästeführer im Einsatz, alles ausgebildete Stadtführer, die zusätzlich für die Chrysanthema geschult worden sind. Etwa bei einem Rundgang mit Fabian Roßmanith, dem Leiter der Abteilung Grün und Umwelt, und einem Gespräch mit Stadtmarketing-Leiterin Martina Mundinger, die über die konzeptionelle Ausrichtung oder Fragen zur Infrastruktur informiert habe.
Die Gästeführungen seien insgesamt sehr wichtig, so die Verwaltung. Sie würden dazu beitragen, dass die Besucher der Chrysanthema die Innenstadt nicht nur besuchen, „sondern die gesamte Organisation und Inhalte des Blumenfestivals besser verstehen und bewusster wahrnehmen“. Darüber hinaus hätten die Führungen auch eine strategische Bedeutung: Sie ermöglichten, Besuchergruppen gezielt über die Nebenrouten zu führen, um stark frequentierte Bereiche, wie die Marktstraße, zu entlasten.

