Titel bei French Open: Das erwarten Tennistrainer durch den Sieg Alexander Zverevs an der Basis

Alexander Zverev schrieb mit seinem Sieg in Roland Garros deutsche Tennisgeschichte. In Südbaden gibt es in der Sportart kontinuierlich Zuwachs.
EnaSÜDLICHE ORTENAU. Nach langen Anläufen und wiederholtem Scheitern setzte sich Alexander Zverev in Paris durch seinen Finalerfolg in Roland Garros erstmals die Krone eines Siegers im Kreise der Grand- Slam-Turniere auf. So erfreulich der Erfolg des Hamburgers auch ist – bedeutet das nun auch für den deutschen und den badischen Tennissport einen Schub? Die realistische Antwort dazu lautet: Von einer Wiederholung des Booms wie zu Glanzzeiten der deutschen Tennis-Größen Stefanie Graf (Brühl) und Boris Becker (Leimen) sollte niemand ausgehen. Doch wie steht es mit dem generellen Trend nach dem Erfolgserlebnis in Paris?
Hier gilt es, Zahlen und faktische Entwicklung differenziert zu betrachten. Die Datenlage zeigt: Der Trend beim deutschen Tennisbund weist statistisch seit fünf Jahren – 2021 gab es 1,3 Millionen Mitglieder – klar nach oben. Ende 2025 wurden 1,5 Millionen Mitglieder gezählt. Zum fünften Mal nacheinander steigerte sich die Quote zwischen Werten von 1,2 und 4,5 Prozent. Gerade im Bereich der Kinder und Jugendlichen wird bundesweit zugelegt.
Impulse im Spitzenbereich erst einmal nicht erwartet
Hintergrund dieser mittlerweile stabilisierten Entwicklung war unter anderem die Corona-Pandemie. Tennis als kontaktloser Einzelsport im Freien war, anders als andere Sportarten, frühzeitiger wieder möglich. „Wir beobachten diese Entwicklung in unseren TSG-Partnervereinen Lahr und Emmendingen ebenso. Der Trend ist seit Corona nicht abgeflacht und auch die angebotenen Schnupperkurse, vor allem für Erwachsene, sind sehr oft voll belegt“, berichtet Cheftrainer Hernan Valenzuela von der TSG Lahr/Emmendingen.
Das ist die eine Seite, doch wie sieht es im Spitzentennis personell nach Zverev aus? Mit Yannick Hanfmann (Karlsruhe/ATP-Platz 53), Daniel Altmaier (Kempen/57), Jan-Lennard Struff (Warstein/80), Laura Siegemund (Filderstadt/47), Tatjana Maria (Bad Saulgau/54) und Eva Lys (ursprünglich aus der Ukraine, wohnhaft in Hamburg/81) wird ein Sextett aktuell um Rang 80 in den Weltranglisten notiert.
Das klingt nicht so schlecht, doch nach Turniererfolgen sucht man einige Zeit. Struff siegte im Frühjahr 2024 bei den BMW Open in München, Hanfmann immerhin auf der Challenger-Tour in Hagen im August 2025. Zuletzt wurden im Topniveau hauptsächlich Doppelerfolge errungen. „Für den sportlichen Spitzenbereich erwarte ich trotz Zverevs erfreulichem Grand- Slam-Sieg mittelbar keine größeren Impulse im deutschen Tennis“, ist Valenzuela skeptisch. Für den Breitensport kann er sich dagegen „gut vorstellen, dass sich weiter mehr Menschen für den Tennissport interessieren.“
Auch beim badischen Tennisverband lässt sich der Aufwärtstrend der vergangenen fünf Jahre, wenngleich etwas gedämpfter, verifizieren. Stand man 2023 bei rund 117.000 Mitgliedern, waren es Ende 2025 rund 122.000. Vor allem im Nachwuchs- und Bereich der aktiven Erwachsenen wurden Zuwächse verzeichnet. „Dass der Wert nun schon im fünften Jahr hintereinander nach oben geht, zeigt deutlich: Der badische Tennissport ist attraktiv und lebendig“, sagt BTV-Präsident Stefan Bitenc.
Lob für bessere Vernetzung mit dem Verband
Auf der Verbandsebene wurde strukturell in den vergangenen Jahren manches Detail angestoßen. Oliver Killeweit, Cheftrainer des TC BW Oberweier, lobt die Vernetzung. „Beispielsweise werden Sichtungen großzügiger gehandhabt und man setzt frühzeitig an“, hat er beobachtet. Allerdings würden diese Dinge, schon allein aufgrund der reinen Größe des DTB und der Autonomie der Landesverbände, zwei bis drei Jahre brauchen, bis sie griffen.
Hinzu kommt, dass man Tennis nicht etwa mit Fußball oder anderen Sportarten vergleichen sollte. „Im Fußball hast du dein Training und auch ganz andere finanzielle Unterstützung, wenn es mal um Bekleidung oder Bälle geht. Oder du wirst auch mal zu Spielen gefahren. Tennis ist dagegen per se schon finanziell aufwendig und dazu kommen noch Reisen und Turnierteilnahmen. Von Verbandsseite wird zwar schon etwas finanziell unterstützt, aber doch insgesamt recht wenig. Wer also nicht gerade finanziell besser gestellt ist, kann durchaus Probleme bekommen“, skizziert Killeweit.
Ein steigendes Interesse im Breitenbereich sieht Killeweit analog zu Trainerkollege Valenzuela. „Das kann man sehen und auch im Spitzenbereich habe ich die Hoffnung, dass in den kommenden Jahren einige gute junge Talente hinterher kommen“, hält er fest.
Als Galionsfigur eines neuen kommenden deutschen Tennismärchens wie in den 90er-Jahren sollte man den 29-jährigen Alexander Zverev realistischerweise nicht erwarten. Doch der Trend für die Gesamtsportart weist, sowohl bundesweit als auch regional, stabil nach oben.