Strom vom Dach: So vereint die Kippenheimer Kirche Denkmalschutz und Energiewende

Die evangelische Kirche in Kippenheim besitzt seit April eine Photovoltaikanlage.
Karlheinz RitterWer von Süden auf die evangelische Kirche in Kippenheim blickt, entdeckt seit einigen Wochen kaum noch Ziegel. 147 Solarmodule bedecken das Dach. Sobald die Photovoltaik-Anlage ans Netz angeschlossen ist, wird sie mit einer Leistung von 70 Kilowattpeak Strom einspeisen. Etwa zehn Mal so viel wie eine gewöhnliche Anlage auf einem Einfamilienhaus.
Wie kam dieser besondere Anblick auf einem Gotteshaus zustande? Karlheinz Ritter, im Kirchengemeinderat zuständig für Liegenschaften, klärt im Gespräch mit unserer Redaktion auf: „Der Landesverband der evangelischen Kirchen hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu werden. Strom soll bis 2034 nur aus erneuerbaren Quellen bezogen werden.“
Teil des eigenen Klimaschutzgesetzes sei die Verpflichtung, alle geeigneten Dächer mit einer Photovoltaikanlage zu belegen. Geprüft werden also Gemeindehäuser, Pfarrhäuser – und eben auch Kirchen. Die Friedenskirche an der B 3, sagt Ritter, eignet sich mit ihrem steilen Dach und der Ausrichtung nach Süden gut für Solarmodule.
Landesdenkmalbehörde lehnte zunächst ab
Ritter verhehlt nicht, dass im Kirchengemeinderat zunächst nicht alle von der Bestückung der Kirche begeistert waren: „Vorbehalte waren da. Aber wir haben gedacht, dass wegen des Denkmalschutzes nichts daraus wird“, sagt er. Tatsächlich habe man von der Landesdenkmalbehörde auch zunächst eine Absage erhalten.
Doch Flen Halm, Projektmanager des kirchlichen Unternehmens KSE Energie, das bei der Umsetzung der Energiewende unterstützt, sei ins Gespräch gegangen mit dem Ergebnis, dass Energiewende und Denkmalschutz miteinander vereinbar sind.
So wurde die Kirche nach Ostern mit einem Gerüst versehen – und nach und nach installierten Arbeiter die rund 200 Quadratmeter große Anlage. Die Kosten, sagt Ritter, trägt der Landesverband. Die Kirchengemeinde habe sogar noch eine einmalige Zuwendung erhalten.
PV-Anlage kommt bei Gottesdienstbesuchern gut an
Und was sagen die Gottesdienstbesucher? „Die Anlage kommt sehr gut an“, berichtet Ritter. „Es ist kein Schandfleck, es ist ein Bild, das reinpasst.“ Grund dafür sei unter anderem, dass man sich für ein Modell ohne auffällige Ränder entschieden habe, wodurch sich die Module gut aneinander fügen – und optisch fast mit dem übrigen Kirchendach verschmelzen. So überwiege der Stolz, als eine der ersten Kirchen in der Region über eine Photovoltaikanlage zu verfügen.
Noch produziert diese keinen Strom, verrät Ritter. Man warte derzeit darauf, dass die Anlage ans Netz angeschlossen wird. Ist dies passiert, werde man die Energie zunächst einspeisen. Langfristig will die Kirchengemeinde jedoch Batteriespeicher nutzen und sich selbst für Heizung und Licht mit Strom versorgen.
Friedenskirche
Die Geschichte der Friedenskirche reicht wohl bis ins achte Jahrhundert zurück. Archäologische Funde weisen auf einen ersten Kirchbau in Zusammenhang mit der Gründung des Orts im Jahr 763 hin. Das Turmfundament wurde wohl um das Jahr 1000 gelegt, das heutige Kirchengebäude entstand um 1500, musste nach einem Brand im 18. Jahrhundert jedoch wieder aufgebaut werden. Bis 1961 wurde sie auch von der katholischen Gemeinde genutzt.
