Seit 25 Jahren: So lernen Senioren in Lahr gemeinsam das Internet kennen

Die Teilnehmer des PC-Clubs helfen sich gegenseitig bei Problemen mit dem Laptop, PC oder Smartphone.
DahmsDie Stimmung ist andächtig, die Anwesenden im Kellerraum der Stadtmühle halten Sektgläser in den Händen – es gibt etwas zu feiern. Seit genau 25 Jahren treffen sich Senioren an diesem Ort, um fitter im Umgang mit dem Handy, PC oder Laptop zu werden. Was im Jahr 2000 als zusätzliches Angebot zu einem PC-Kurs bei der Stadt begann, entwickelte sich schnell zu einer echten Institution, erzählt Irmgard Junker unserer Redaktion. Sie ist das einzige Gründungsmitglied, das auch heute immer noch dabei ist.
Aus den ersten Interessenten habe sich recht schnell ein harter Kern von etwa zehn Personen entwickelt, die regelmäßig teilnahmen. Die Stadt habe damals PCs für den Raum gespendet, die Teilnehmer waren alle aus dem Arbeitsleben ausgeschieden. Damals hätten sie sich vor allem gegenseitig mit den technischen Herausforderungen unterstützt. „Der eine kannte sich mit Fotos aus, die andere wusste, wie man Formulare ausdruckt“ erinnert sich Junker. „So hat jeder seinen Teil beigetragen“.
Heute, ein Vierteljahrhundert später, gibt es in der digitalen Welt immer noch viel zu lernen und der PC-Club erfreut sich seit jeher großer Beliebtheit. Zum Jubiläum ist auch Rüdiger Metzger-Tessen als Ehrengast erschienen. Er gründete im September 2000 den PC-Club. Inzwischen tagt der Club unter anderem Namen, wie Edwin Fischer, Leiter der Stadtmühle, in seiner Rede erzählt: „Wir haben abgestimmt über den Namen und uns für Digitalhilfe hoch drei entschieden. Die drei steht für PC, Laptop, Handy, aber wer weiß was in den nächsten Jahren noch dazukommen wird. Ganz egal, bei allem wird es hier Unterstützung geben.“ Fischer blickt gemeinsam mit den anwesenden Teilnehmern zurück auf 25 spannende Jahre, erinnert unter anderem an die Coronazeit. „Wenn wir uns da gegenseitig nicht bei den Videokonferenzen unterstützt hätten, hätten wir zu niemandem Kontakt haben können“.
Früher tagte der Club an zwei Donnerstagen im Monat – seit 2014 sind es drei. Das Modell habe sich auch ein wenig gewandelt. Während die Senioren sich früher vor allem untereinander Hilfe gaben, seien es heute zusätzlich auch sieben Ehrenamtliche, die dort für Fragen zur Verfügung stehen. Einer von ihnen ist der Softwareentwickler Stefan Feuerstein. Er kommt seit einem Jahr regelmäßig zum Digitalhilfe-Club, um sein Wissen an die ältere Generation weiterzugeben. „Es geht mir vor allem darum, mich für etwas Sinnvolles zu engagieren“ erzählt er unserer Redaktion. „Man sieht, wie die Leute Stück für Stück sicherer im Umgang mit den Geräten werden“.
Alle Fragen sind bei den Treffen willkommen
Auch auf der Jubiläumsfeier kommen Fragen rund um Digitales nicht zu kurz. Zu Beginn der Sitzung erzählt jeder Teilnehmer kurz, mit welchem Problem er sich heute befassen möchte. Daraufhin finden sich Teilnehmer und Helfer, je nachdem wer sich womit auskennt. „Ich hab aus Versehen die Verbindung von meinem Handy zum Laptop gelöscht“ sagt ein Teilnehmer. „Meine Söhne verschicken immer Sprachnachrichten, ich möchte das jetzt auch endlich lernen“ äußert sich ein anderer. Bei ihren Problemen helfen ihnen im Anschluss die Ehrenamtlichen, manchmal wissen aber auch andere Teilnehmer, was zu tun ist.

Blickten auf das Erreichte zurück (von links): Irmgard Junker, Rüdiger Metzger-Tessen und Edwin Fischer
Foto: DahmsEine von ihnen ist schon seit 2007 dabei. „Es gibt immer was neues zu lernen“ erzählt sie uns. Sie nutze ihr Smartphone vor allem, um mit ihren Kindern zu kommunizieren, aber auch um die neusten Nachrichten zu lesen und Fotos zu machen. Dabei mache ihr die Vergesslichkeit im Alter zunehmend zu schaffen. „Es fällt mir schwer, mir die Sachen alle zu merken. Die Tastaturen sind immer so klein.“ Ein weiteres Problem sei für sie, dass vieles auf dem Smartphone sich auf Englisch abspielt. „Wenn man das nicht beherrscht, kommt man schnell an seine Grenzen. Dann muss es mir immer wieder jemand erklären. Manchmal zweifle ich da schon an mir selbst“. Sie und die anderen Teilnehmer seien daher froh, dass es solche Angebote wie den PC-Club in der Stadtmühle gibt. „Dann muss ich nicht ständig bei meinen Kindern anrufen, wenn ich eine Frage habe“ erzählt eine andere Teilnehmerin.
Der Kurs richte sich explizit an Senioren, gibt Gründungsmitglied Irmgard Junker preis. „Wir fragen die Teilnehmer hier nicht nach dem Alter, aber die meisten sind schon über 80“. Immer wieder ließen sich neue Gesichter bei den Treffen blicken, auch am Jubiläumstermin kommt eine neue Teilnehmerin dazu. Das Angebot der Stadtmühle verbreite sich ganz ohne Werbung zwischen den Menschen in Lahr, weil sie sich gegenseitig davon erzählen, berichtet Junker weiter.
Den Mitgliedern des PC-Clubs gehe es inzwischen nicht mehr nur noch um Hilfe bei Technik-Problemen, sondern auch um das Miteinander. In 25 Jahren habe sich dort eine echte Gemeinschaft entwickelt, einmal im Jahr gibt es einen gemeinsamen Ausflug, sowie am Jahresende eine Weihnachtsfeier. „Mir bedeutet es persönlich viel, hier mit den anderen zusammen zu sein“ sagt Junker. „Wir kommen aber bei unseren Treffen kaum zum Reden, weil es immer so viel mit der Technik zu lernen gibt“.
Auf der Jubiläumsfeier stoßen die Mitglieder des PC-Clubs „auf die nächsten 25 Jahre“ an. Junker erklärt uns: „Wir machen einfach das, was uns Freude bereitet. Und dieser Club tut das besonders.“
Die Anfänge
Rüdiger Metzger-Tessen gründete den PC-Club als Zusatzangebot zu einigen Kursen, die in der Stadtmühle angeboten wurden. Zum ersten Termin im September 2000 sind 23 Interessenten erschienen. Die Stadt stattete den Raum mit gespendeten PCs aus, für die Nutzung des Internets mussten die Mitglieder damals noch einen kleinen Beitrag zahlen.