Seelbach
: Drei Häuser streiten um den Titel

Ist das Gasthaus "Löwen" auf dem Schönberg das älteste Gasthaus Deutschlands?
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Lahrer Zeitung
Seelbach
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Das Gasthaus "Löwen" auf dem Schönberg wird zum ersten Mal 1231 urkundlich erwähnt. Foto: Baublies

Lahrer Zeitung

Von Endrik Baublies

Schönberg. Das Gasthaus "Löwen" auf der Passhöhe unterhalb des Schönbergs ist urkundlich 1231 das erste Mal erwähnt. Stimmt aber der Hinweis "Ältester Gasthof Deutschlands"?

Es gibt zwei weitere Gasthäuser, die das Privileg für sich beanspruchen: das Gasthaus "Zum roten Bären" am Freiburger Schwabentor und "Zum Riesen" im unterfränkischen Miltenberg.

Der Name "Zum Riesen" wird laut Wikipedia zum ersten Mal im Jahr 1158 erwähnt. Damit ist aber ein nicht erhaltenes Gebäude gemeint. Die erste Urkunde des Gasthauses, das heute noch existiert, stammt erst aus dem Jahr 1411. Das Gasthaus "Zum roten Bären" gehört baugeschichtlich in die Gründerzeit der Stadt. Die Fundamente stammen aus dem letzten Drittel des elften Jahrhunderts. Die Liste der Wirte lässt sich bis ins Jahr 1311 zurückdatieren. Die Daten, seit wann diese zwei Gasthäuser genau existieren, sind also nicht sehr präzise. Laut der Hinweistafel auf dem Schönberg und dem Eintrag auf der Webseite der Gemeinde Seelbach wird der "Löwen" im Jahre 1231 das erste Mal genannt.

Der Autor Gerhard Finkbeiner nennt im Buch "Seelbach im Schuttertal" den "Löwen" neutral, "einen der drei ältesten Gasthöfe Deutschlands". Die Besiedlung des Schönbergs ist aber sicher sehr viel älter. Das aber lässt sich mangels einer schriftlichen Dokumentation nur indirekt oder mittels der Archäologie erklären.

Da die Passstraße mit dem Geschlecht der Geroldsecker verbunden ist, lohnt sich der Blick auf dieses. In der Ortenau ist es seit dem Jahr 1139 nachgewiesen. Allerdings könnte eine elsässische Nebenlinie des Herrschergeschlechts bis in die karolingische Zeit zurückreichen. Der Bau der Tiefburg der Gerolds-ecker (der erhaltene Storchenturm in Lahr) lässt sich auf das Jahr 1218 datieren. Die Burg auf dem Schönberg ist in der Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet worden.

Der Bau der Tiefburg, und damit die Gründung Lahrs geschah sicher mit der Erlaubnis des Stauferkaisers Friedrich II., vielleicht sogar auf dessen Anordnung. Dasselbe gilt für den Bau des herrschaftlichen Wohnsitzes auf dem Schönberg, der heutigen Ruine. Es gibt dazu keine Dokumentation, war aber Usus. Der Kaiser erteilte eine Art Baurecht. Die prächtige Anlage war ein klares Zeichen der Herrschaft der Herren von Geroldseck. Zudem fiel der Straße aus dem Schuttertal über Prinzbach ins Kinzigtal eine wichtige Bedeutung zu, da Prinzbach Silberminen besaß. Die planmäßige Anlage des Stammsitzes, der Tiefburg Lahr und der Burg auf dem Schönberg, setzte eine entsprechende Besiedlung voraus. Diese wird es eine geraume Zeit vorher gegeben haben. Durch archäologische Funde ist belegt, dass hier die Römer ab der Mitte des zweiten Jahrhunderts unterwegs waren. Die Nennung des "Löwen" auf dem "Schúnberg" im Jahre 1231 ist also nur das älteste erhaltene Dokument.

Umgekehrt ließe sich diese Indizienkette genauso für den "Roten Bären" oder den "Riesen" auch führen. Damit bleibt letztendlich ungeklärt, wer denn nun das Privileg "ältester Gasthof Deutschlands" zu Recht führt.

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