Ortenauer Fußballer befragt: Klub-WM bekommt ein schlechtes Zeugnis ausgestellt

Leroy Sané vergibt gegen Benfica Lissabon eine Chance. Dass die Teams mit Spielern, die schon fix den Verein verlassen,antreten, ist ein Turnier-Kritikpunkt.
HoppeDie Klub-WM hat einen schweren Stand. Vor Ort sind die Stadien in den USA häufig nur halbvoll, die Favoriten aus Europa haben meistens ein zu leichtes Spiel, als das Spannung aufkommen würde und die hohen Temperaturen zehren die Spieler aus. Doch mit dem Start der K.O.-Runde am Samstag werden die Duelle prominenter. Wie blicken die hiesigen Fußballer auf das Turnier? Sind die K.O.-Spiele der Moment, wo sie einschalten? Unsere Redaktion hat sich umgehört, wie groß das Klub-WM-Fieber ist.
Konstantin Fries, Kapitän des SC Lahr: Der 25-Jährige Edeltechniker von der Dammenmühle ist im Bilde, wenn es um die Ergebnisse bei der Klub-WM geht. „Die schaue ich mir an. Ich habe aber noch kein Spiel verfolgt“, sagt der deutsche Kleinfeld-Nationalspieler.
Er hält den Zeitpunkt des Wettbewerbs mitten in der Vorbereitung für die neue Saison für unpassend. „Und die Teams spielen ja auch mit ihrem alten Kader, also kann ich keinen Eindruck von den Neuzugängen für die kommende Runde gewinnen. Dadurch interessiert mich der Wettbewerb noch weniger“, so Fries.
Es könnte trotzdem im Laufe des Turniers noch passieren, dass der Lahrer Kapitän sich Spiele ansieht. „Vielleicht bin ich ab dem Halbfinale dabei. Dann müssten aber schon Dortmund, Bayern oder beide noch im Rennen sein“, hält Fries fest.
Ralf Arndt, Vorsitzender des SV Rust: Der Herzensverein des SVR-Vorstands spielt bei der Klub-WM mit. Das macht den Wettbewerb für Arndt allerdings trotzdem nicht zu einem Ereignis, dass er unbedingt schauen muss. „Ich finde, dort geht es nur um das große Geld. Und wenn dann noch so ein 10:0 von Bayern gegen Auckland dazukommt, ist auch der sportliche Wert gleich Null“, so Arndt. „40 Millionen, die zum Beispiel Bayern jetzt schon in der Gruppenphase verdient haben soll, sind abartig“, ergänzt der BVB-Fan.
Arndt schaue „mit einem Auge manchmal zu“, hat aber noch kein komplettes Live-Spiel verfolgt. „Da war ich lieber beim Halbfinalsieg unser U 21 bei der EM gegen Frankreich vor dem Bildschirm oder gucke mir die kommende Frauenfußball-EM an“, so der Vorsitzende des Bezirksligisten.
In der K.O.-Runde wird er seine Dortmunder dann aber wohl schon einmal sehen wollen. „Allerdings nicht zu irgendwelchen nächtlichen Anstoßzeiten“, schränkt Arndt dabei ein.
Yannic Prieto, Spieler SV Niederschopfheim: Der frisch gebackene Verbandsliga-Aufsteiger lehnt die Klub-WM ab. „Ich sehe nur ab und zu mal Ergebnisse. Als engagierter Freiburg-Fan halte ich es aber für ungerecht, welche abnormalen Summen Bayern und Dortmund dort einstreichen. Sie haben es sportlich zwar verdient, an dem Turnier teilzunehmen, aber das finanzielle Ungleichgewicht in der Bundesliga wird durch diese Klub-WM zunehmen. Da haben eingetragene Vereine wie Freiburg irgendwann keine Chance mehr“, hält der Ex-SC-Lahr-Spieler fest.
Ab dem Halbfinale könnte er sich vorstellen, auch mal ein Spiel zu sehen. „Ich bin ja auch sehr interessiert am Fußball. Wenn ich schaue, dann aber komplett emotionslos.“
Luke Schröder, Spielausschuss-Mitglied beim FV Dinglingen: „Ich sehe von der Klub-WM kaum etwas. Das ist ein unnötiger Wettbewerb, der weit weg von der Idee des Fußballs ist“, sagt Schröder, der mit Dinglingen in die Bezirksliga aufgestiegen ist. „Den Auftakt der Bayern gegen Auckland hab ich gesehen. Das hat mir dann schon gereicht. Für die Spieler ist das bei der Hitze auch eine Tortur“, hält er fest.
Christoph Lawicki, Trainer FSV Seelbach: Der Coach der Tal-Kicker sieht ein wenig von den Spielen. „Im Italien-Urlaub war es mal eine Halbzeit. Ich weiß, was da so passiert und kenne die Ergebnisse“, erklärt er. Er kann dem Turnier auch etwas Gutes abgewinnen: „Es ist wirklich mal etwas anderes, solche Mannschaften zu sehen. Der Kommerz steht trotzdem klar im Vordergrund.“
