Neue Regeln im Fokus
: Fußballer in der südlichen Ortenau haben noch Bedenken

Mit Beginn dieser Saison gelten weitere Befugnisse für die Schiedsrichter. Deren Durchsetzung wird in der Region noch kritisch gesehen.
Von
Janosch Lübke
Lahr
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Schiedsrichter Felix Günter zählt beim Einwurf die Zeit runter. Einige neue Regeln, die bei der WM schon Anwendung fanden, gelten jetzt auch in Südbaden.

Schiedsrichter Felix Günter zählt beim Einwurf die Zeit runter. Einige neue Regeln, die bei der WM schon Anwendung fanden, gelten jetzt auch in Südbaden.

IMAGO/Pressefoto Baumann
  • Neue Fußballregeln sollen Zeitspiel eindämmen und Nettospielzeit erhöhen – auch in Südbaden.
  • Trainer Lucca Größer war skeptisch, lobt nach der WM die Wirkung, sieht aber Umsetzungsprobleme.
  • Größer beklagt im Pokalspiel holprige Anwendung und Überforderung einzelner Schiedsrichter.
  • Kapitän Konstantin Fries begrüßt Anti-Zeitspiel, zweifelt an 5-Sekunden-Abstoß und 10-Sekunden-Wechsel.
  • Ex-Sportleiter Reiner Fautz befürwortet die Anpassungen, setzt auf Fingerspitzengefühl der Unparteiischen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Mehr Netto vom Brutto. Was sich viele Arbeitgeber bei den Steuerabgaben wünschen, wünscht sich auch der Südbadische Fußballverband bei der Spielzeit. Durch einige Regelanpassungen zum Zeitspiel, die auch schon bei der WM griffen, soll mehr Nettospielzeit entstehen (siehe Info). Zudem gibt es weitere kleine Neuheiten im Regelwerk. Wie wird sich das Spiel verändern und was halten die Fußballer der Region von den Anpassungen? Unsere Redaktion hat sich umgehört.

Lucca Größer, Trainer SV Rust: Als vor der Weltmeisterschaft bekannt wurde, dass einige neue Regeln ihre Premiere feiern, war der Ruster Trainer unter den Skeptikern. „Ich hatte die Vermutung, dass die Anpassungen eher für Chaos sorgen. Im Turnier wurden die Regeln dann aber gut umgesetzt und alles wurde schneller. Das hat mir gut gefallen und daher freue ich mich, dass die Regeln jetzt auch bei uns gelten“, so der 30-Jährige. „Zeitspiel ist in der vergangenen Saison deutlich aufgefallen, daher ist es notwendig, da gegenzusteuern“, so Größer. Beim Pokalspiel der Ruster gegen die SG Prechtal/Oberprechtal galt das neue Regelwerk schon. „Allerdings war ich da nicht zufrieden, weil die Umsetzung haperte. Wir mussten den Schiedsrichter häufiger drauf hinweisen, was jetzt gilt und in der Pause musste er selbst noch einmal nachlesen“, bemängelt der SVR-Coach. „Im Amateurfußball ist die Herausforderung für den Unparteiischen, gerade wenn er alleine auf dem Feld ist, aber auch schwieriger. Da wird es auch zur Überforderung der Schiedsrichter kommen“, vermutet Größer.

Konstantin Fries, Kapitän SC Lahr: Der Lahrer Flügelstürmer ist bei den neuen Regeln geteilter Meinung. „Ich mag kein Zeitspiel und wo es absichtlich betrieben wird, sollte es auch unterbunden werden. Die Frage ist aber, wie die Regeln umgesetzt werden. Am Wochenende habe ich ein Spiel gesehen, wo der Schiedsrichter beim Abstoß die fünf Sekunden runtergezählt hat, wo der Torwart erst einmal den Ball holen musste. Er war die ganze Zeit im Vollsprint, denn wir haben in den Spielklassen ja auch keine Ballkinder um den ganzen Platz herum. Zehn Sekunden Zeit bei einer Auswechslung halte ich auch für kaum einhaltbar“, so der Kapitän der Dammenmühlen-Kicker. Er hätte sich gewünscht, dass die Regeln nur in den höheren Spielklassen angepasst werden. „Ab der Regionalliga halte ich das für sinnvoll. In den unteren Klassen ist der Schiedsrichter ja häufig ganz alleine auf dem Platz“, so Fries. Gelungen findet der Stürmer die Regel, nach einer Verletzungspause erst einmal am Spielfeldrand zu sein.

Reiner Fautz, ehemaliger Sportlicher Leiter SV Oberschopfheim: Seit rund zwei Wochen ist Reiner Fautz nicht mehr Sportlicher Leiter in Oberschopfheim. „Ich bin zwar noch am Sportplatz und auch beratend Tätig, habe aber keinen Posten mehr im Vorstand“, erklärt Fautz im Gespräch mit unserer Redaktion. Eine Meinung zu den neuen Regeln hat er dennoch. „Für den Schiedsrichter bedeutet es mehr Arbeit, aber ich finde die Anpassungen gut, weil es weniger Zeitspiel gibt. Ich glaube, es kommt auch auf das Fingerspitzengefühl des Unparteiischen an. Er wird nicht jedes Mal beim Einwurf nach fünf Sekunden eingreifen“, vermutet Fautz. Zeitspiel war nach seiner Beobachtung in der vergangenen Saison kein größeres Thema als in den Vorjahren. „Bei Führung wird an der Uhr gedreht, bei Rückstand wird sich darüber beschwert. Das war immer so“, so der jüngst ausgeschiedene Sportliche Leiter des SVO. Im Pokalspiel von Oberschopfheim gegen den SC Kuhbach-Reichenbach sei eine neue Regel bereits zur Anwendung gekommen. „Bei einem Einwurf hat ein Spieler von uns zu lange gebraucht“, berichtet Fautz. Über die neue Regeln in Kenntnis gesetzt wurden die Kicker von zwei Schiedsrichtern, die der SVO stellt. „Da haben wir mal einen Mannschaftsabend gemacht und die beiden haben uns alles erklärt“, so Fautz.

Die neuen Regeln auf den Plätzen in Südbaden zur Saison 2026/2027

Einwürfe und Abstöße: Vom Schiedsrichter wird ein fünfsekündiger Countdown angezeigt, wenn ein Spieler die Spielfortsetzung verzögert. Ist der Countdown abgelaufen und das Spiel immer noch nicht fortgesetzt, bekommt das gegnerische Team beim Einwurf den Ball und kann einwerfen. Beim Abstoß bekommt der Gegner einen Eckstoß.
Auswechslungen: Auch hier gilt nun ein Zeitlimit. Hat der Spieler zehn Sekunden nach der Anzeige des Wechsels den Platz noch nicht verlassen, dürfen die Einwechselspieler künftig erst nach einer Minute Wartezeit und erst in der darauffolgenden ersten Unterbrechung das Feld betreten. Die ausgewechselten Spieler dürfen in einem solchen Fall nicht auf dem Platz bleiben, was für das Team Unterzahl bedeutet.
Verletzungsunterbrechung: Fußballer müssen ab sofort, sofern sie auf dem Spielfeld behandelt werden, untersucht werden oder eine verletzungsbedingte Spielunterbrechung verursachen, das Spielfeld verlassen und dort mindestens eine Minute warten, bis sie wieder das Spielfeld betreten dürfen. Anders als bei den Auswechslungen müssen sie dabei aber nicht auf die nächste Unterbrechung warten.
Vorteil nach falscher Spielfortsetzung: Bei einem falschen Einwurf, bei dem der Ball jedoch beim Gegner landet, geht es regulär weiter. Das kann auch bei einem falschen Abstoß passieren.
Keine Karte nach einem Tor durch Vorteil: Für das Vereiteln einer offensichtlichen Torchance gibt es keine Verwarnung mehr, wenn auf Vorteil entschieden und ein Tor erzielt wird.