Nach Brückensperrung
: Unternehmen im Lahrer Westen verlieren Kunden

Firmen und Geschäfte, die jenseits der geschlossenen Bahnbrücke ihren Sitz haben, verzeichnen seit Wochen Verluste beim Umsatz. Die Inhaber fordern von der Stadt nun eine schnelle Lösung.
Von
Herbert Schabel
Lahr
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Michael Harter betreibt den Westend-Kiosk unmittelbar neben der Auffahrt zur gesperrten Brücke. Er habe deutlich weniger Kunden, sagte er unserer Redaktion.

Michael Harter betreibt den Westend-Kiosk unmittelbar neben der Auffahrt zur gesperrten Brücke. Er habe deutlich weniger Kunden, sagte er unserer Redaktion.

Schabel
  • Lahrer Westen: Brückensperrung seit dem 20. Juli trifft Betriebe spürbar.
  • Westend-Kiosk meldet weniger Umsatz, sonntags nun geschlossen – Umweg schreckt Stammkunden ab.
  • Gartencenter Sauter verzeichnet Rückgänge unter der Woche, Umleitung führt an Konkurrenz vorbei.
  • Möbel Hugelmann: weniger Frequenz, Fachsortimente minus 20 Prozent, Großkäufe bleiben stabil.
  • Geschäftsleute fordern schnelle Lösung und Chefsache, Rathausspitze tagte an der Brücke.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wenn einer die Auswirkungen der Brückensperrung kennt, dann Michael Harter. Der 59-jährige Lahrer betreibt den Westend-Kiosk und -Imbiss, der nur wenige Schritte von der westlichen Brückenauffahrt entfernt ist. Das 1956 errichtete Bauwerk ist, wie mehrfach berichtet, seit dem 20. Juli für Autos, Radfahrer und Fußgänger geschlossen, nachdem bei einer Kontrolle ein mehrere Zentimeter langer Riss entdeckt worden war.

Er habe deutliche Umsatzverluste, sagt Harter bei einem Gespräch mit unserer Redaktion. Seinen Gastrobetrieb, der zuvor an sieben Tage in der Woche geöffnet war, schließe er deshalb mittlerweile sonntags. „Da haben sich Stammtische bei uns getroffen, deren Teilnehmer zu Fuß über die Brücke kamen. Denen ist der Umweg jetzt aber natürlich zu weit“, erklärt der Inhaber. Auch am Freitag- und Samstagabend sei nun weniger los in seinem Imbiss. Besonders bitter für ihn ist, dass nicht nur die Brücke dicht ist, sondern auch die Flugplatzstraße (wegen Bauarbeiten) – damit können aus gleich zwei Richtungen keine Kunden mehr kommen.

Probleme durch die Brückensperrung hat auch der „Grün erleben“-Gartencenter in der Schaefflerstraße, den Ralf und Astrid Sauter in der vierten Generation führen. Die letzten Wochen waren schwierig, verdeutlicht Astrid Sauter auf Nachfrage unserer Redaktion – denn es kamen weniger Kunden als gewohnt. Wie viel „Schuld“ daran die gesperrte Brücke trägt, sei schwer zu sagen, da auch die vergangene Hitzeperiode nicht zuträglich für das Geschäft gewesen sei.

Bis hierher und nicht weiter: Die Brücke ist für Autofahrer und Fußgänger  geschlossen.

Bis hierher und nicht weiter: Die Brücke ist für Autofahrer und Fußgänger geschlossen.

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„Wir spüren es“, kommentiert Astrid Sauter indes die Tatsache, dass motorisierte Kunden aus der Innenstadt nun eine rund sechs Kilometer lange Umleitung fahren müssen, wenn sie ihren Markt besuchen wollen. „Und die Umleitung führt auch noch bei unserer Konkurrenz vorbei“, sagt sie – gemeint ist der Dehner Garten-Center im Fachmarktzentrum. „Wer nur einen Sack Erde braucht, kauft dann eben dort ein.“ Tatsächlich habe man vor allem montags bis donnerstags Einbußen – Tage, an denen Kunden häufig lediglich etwas „im Vorbeifahren“ kaufen würden, erzählt Astrid Sauter. Dagegen würden die Freitage und Samstage noch vergleichsweise gut laufen – Richtung Wochenende würden die Menschen sich mehr Zeit nehmen, um den Einkauf bei der Gärtnerfamilie Sauter zu genießen.

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Ein Problem besteht nach Ansicht von Astrid Sauter darin, dass viele die Umleitung nicht kennen. Diese Feststellung kann Rainer Hugelmann bestätigen. Der Geschäftsführer von Möbel Hugelmann erzählte unserer Redaktion von einem Kunden aus Berghaupten, der vor einem vereinbarten Termin vom Auto aus anrief und mitteilte, dass er nicht wisse, wie er zum Möbelhaus kommen kann –­ der gesperrten Brücke wegen.

„Die Frequenz ist weniger geworden“, erwidert Hugelmann auf die Frage, ob er die Auswirkungen der Maßnahme im Geschäft spürt. Betroffen seien dabei vor allem die Fachsortimente, in diesem Bereich betrage der Umsatzrückgang 20 Prozent. Gemeint sind damit alle Waren, die keine Großmöbel sind, sondern das Angebot durch Zubehör oder Deko-Artikel ergänzen –­ etwa auch Geschirr für die Küche. Dagegen würden Kunden, die eine größere Anschaffung planen, etwa ein hochwertiges Sofa fürs Wohnzimmer, den Umweg durch die Brückensperrung in Kauf nehmen.

Geschäftsleute fordern die Stadt auf, aktiv zu werden

Von den Unternehmern, die unsere Redaktion gesprochen hat, ist Harald Günther mit seinem Familienbetrieb am Weitesten von der Bahnbrücke in der Rheinstraße entfernt. Der Waschpark von Günther Energie+Service, den Harald Günthers Neffe Niklas in dritter Generation führt, liegt viel näher an der Autobahn als an der Innenstadt. Auf die Frage, ob man trotzdem einen Umsatzrückgang registriert hat, äußert Harald Günther sich vorsichtig und verweist auf die momentane Urlaubszeit. In diesen Wochen würden ohnehin weniger Menschen ihr Auto tanken oder waschen. Freilich macht Harald Günther keinen Hehl daraus, dass er die Situation für sehr unglücklich hält: „Die Brücke liegt auf dem Weg in den Industrie- und Gewerbepark am Flugplatz. Wenn so eine Hauptverkehrsader unterbrochen ist, ist das nicht förderlich.“

Sowohl Harald Günther als auch Rainer Hugelmann und Astrid Sauter belassen es nicht bei Beschreibungen, welche Folgen die Brückensperrung für ihre Betriebe hat, sondern formulieren klare Erwartungen an die Verwaltung, das Problem in den Griff zu kriegen. „So kann es nicht bleiben, es muss etwas passieren“, betont Astrid Sauter. Hugelmann und Harald Günther sind darüber hinaus nicht einverstanden mit dem Zeitplan der Stadt, wonach der Gemeinderat im Oktober auf Basis neuer Untersuchungen über die mögliche Teilöffnung der Brücke oder den Bau eines Provisoriums entscheiden soll.

So viel Zeit habe man nicht, betonen die beiden Geschäftsleute im Gespräch mit unserer Redaktion. Beide fordern, dass das Verfahren beschleunigt und rathausintern zur „Chefsache“ gemacht wird – dass also OB Markus Ibert sich darum kümmern soll. Offenbar ist das auch bereits passiert.

Rathausspitze trifft sich an der Brücke

Nach Informationen unserer Redaktion haben sich Markus Ibert, Bürgermeister Guido Schöneboom und weitere Vertreter der Verwaltung am Samstagmorgen bei der gesperrten Bahnbrücke getroffen. Der OB war kurz zuvor aus seinem Urlaub zurückgekehrt, Baubürgemeister Tilman Petters wiederum fehlte, weil er noch im Urlaub weilt. Es ging darum, das weitere Vorgehen zu erörtern. Die Presse war zu dem Termin nicht eingeladen, der Inhalt der Gespräche ist nicht bekannt.