Mit rund 15 Kilogramm Gepäck
: Lahrer radelt rund 2000 Kilometer bis nach Bulgarien – in 19 Tagen

Enrik Sonnier ist alleine mit dem Rad von Lahr nach Bulgarien gefahren. Unterwegs erlebte er Einsamkeit, Gastfreundschaft und Abenteuer – und lernte, vieles gelassener zu sehen.
Von
Saskia Hug
Lahr
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Enrik Sonnier  ist auf seiner Reise durch mehrere Länder und Städte gefahren. Das Foto zeigt ihn in der ungarischen Hauptstadt Budapest.

Enrik Sonnier ist auf seiner Reise durch mehrere Länder und Städte gefahren. Das Foto zeigt ihn in der ungarischen Hauptstadt Budapest.

privat
  • Enrik Sonnier fuhr allein mit dem Gravelbike von Lahr nach Bulgarien – 19 Tage, ca. 2000 km.
  • Tägliche Etappen lagen meist bei 110 bis 150 km, er verbrannte bis zu 4000 Kalorien.
  • Er nahm Zelt und Kocher mit, erlebte Einsamkeit und Gastfreundschaft und verlor rund zehn Kilo.
  • Route über Österreich, die Slowakei, Ungarn und Serbien, Zielankunft zählte zu seinen schönsten Momenten.
  • Rückweg teils per Fernbus bis Mailand, Zelt-Nacht am Gotthardpass und am Ende 185 km an einem Tag.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Irgendwann muss Enrik Sonnier aufgehört haben, auf die Uhr zu schauen. Vielleicht war es auf einer dieser endlos geraden Straßen, die sich kilometerweit durch die Landschaft ziehen. Vielleicht aber auch abends auf einem Campingplatz, als das Zelt stand, der Kocher lief und es nichts mehr zu tun gab. Zeit hatte unterwegs plötzlich eine andere Bedeutung. Er war frei von Druck und Terminen. Dabei hatte alles ganz unspektakulär angefangen.

Am 1. Mai schiebt der 24-jährige Lahrer sein Gravelbike aus der Haustür und fährt Richtung Bulgarien. Ein Gravelbike ist ein „normales“ Fahrrad ohne Elektromotor, das besonders gut für sportliche Touren auf verschiedenen Untergründen geeignet ist. Keine Begleitung wartet auf Sonnier, kein Trainingsplan liegt hinter ihm. Nur ein Zelt, ein Kocher, und rund 15 Kilogramm Lebensmittel, Hygieneprodukte und Kleidung nimmt er mit.

Auf der Reise verliert der Sportler in nur 19 Tagen insgesamt zehn Kilo

Das Ganze entsteht aus einer Schnapsidee. Nachdem Sonnier im vergangenen Jahr mit seinem Vater nach Berlin geradelt ist, möchte er nun die Familie seiner Freundin in Bulgarien besuchen. Die Route führt über Österreich, die Slowakei, Ungarn und Serbien. Nach gerade einmal 19 Tagen erreicht er bereits sein Ziel.

Meist fährt Sonnier zwischen 110 und 150 Kilometer am Tag. Bis zu 4000 Kalorien verbrennt er dabei. Das ist mehr, als er zu sich nehmen kann. Rund zehn Kilogramm verliert er daher während der Reise.

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Die körperliche Belastung ist allerdings nicht die größte Herausforderung, wie er im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet. Vor allem die Einsamkeit macht ihm anfangs zu schaffen. „Am ersten Tag habe ich mich gefragt, was ich hier eigentlich mache“, erzählt er. Nach einigen Tagen entwickelt sich jedoch ein Rhythmus: Zelt abbauen, frühstücken, fahren, Campingplatz suchen, kochen – und am nächsten Morgen wieder von vorne.

Neben den Telefonaten mit seiner Familie lindern die herzlichen Begegnungen unterwegs seine Einsamkeit. Zwischen Wien und Bratislava etwa trifft der Lahrer andere Radreisende, mit denen er ein Stück gemeinsam fährt. In Serbien hebt er einem älteren Mann einen heruntergefallenen Schlüsselbund auf. Später trifft er ihn zufällig in einem Café wieder – und wird auf Getränke eingeladen. Gesprochen wird kaum, trotzdem spielen die beiden später gemeinsam Billard.

Auch schwierige Situationen gehören dazu. Hunde verfolgen ihn, der Verkehr ist teilweise gefährlich und bei einem Sturm bricht sein Zelt zusammen. Doch gerade daraus zieht der 24-Jährige eine wichtige Erkenntnis: „Ich kann alles schaffen.“ Er wusste sich in jeder Situation zu helfen und hat sie gemeistert. „Das hat mein Selbstvertrauen nachhaltig gestärkt.“

Nach 19 Tagen erreicht er schließlich Bulgarien. „Das war einer der schönsten Momente meines Lebens“, erinnert er sich. „Ich war so wahnsinnig stolz, glücklich und erleichtert, es tatsächlich geschafft zu haben.“

Sonnier genießt einige Tage gemeinsam mit seiner Freundin und seiner Mutter, die mit dem Flugzeug angereist sind. Eigentlich möchte Enrik anschließend noch rund 2500 Kilometer durch den Balkan zurück nach Deutschland fahren. Doch unterwegs ändert er seine Route, um schneller zurück nach Lahr zu kommen. Allein zu reisen, sagt er, sei eine tolle Erfahrung – irgendwann fehle ihm dann aber doch der Austausch.

Der Lahrer sitzt bereits an der Planung für seine nächste Tour

Mit dem Fernbus fährt Sonnier ins norditalienische Mailand und setzt erst dort seine Rückreise mit dem Fahrrad fort. Ein Höhepunkt dieser Etappe ist für ihn die Nacht auf dem Gotthardpass. Auf mehr als 2000 Metern schlägt der junge Mann sein Zelt auf und beobachtet Steinböcke in freier Natur. „Das war eine unglaubliche Erfahrung“, erinnert er sich im Gespräch zurück.

Gegen Ende der Tour will Sonnier schließlich nur noch nach Hause. Eigentlich war es sein Plan, in Lörrach zu übernachten. Stattdessen fährt er weiter und legt damit an einem Tag rund 185 Kilometer zurück.

Als Sonnier schließlich wieder in seiner Heimatstadt ankommt, freut er sich auf etwas ganz Einfaches: sein eigenes Bett, vier Wände und eine Heizung. „Das ist wahrer Luxus“, sagt er. Für Sonnier ist die wichtigste Erkenntnis seiner Reise: Die meisten Sorgen, die man sich vor einer Reise macht, treten am Ende gar nicht ein. Und selbst wenn etwas schiefgeht, findet sich immer eine Lösung.

Die nächste Tour plant er bereits: Wieder soll es nach Berlin gehen – diesmal deutlich schneller.